Ohne sie wollte er nicht König sein: Edward VIII. verzichtete 1936 für Wallis Simpson auf den Thron. Foto: UPI/dpa/UPI

Harrys und Meghans Entscheidung, sich aus der ersten Reihe der britischen Royals zurückzuziehen, erinnert an die Abdankung von Edward VIII. Die Parallelen – und Unterschiede.

London - Sein Name wabert wieder durch Großbritannien – beinahe 50 Jahre nach seinem Tod. Edward VIII., der König, der den Thron nicht wollte. Der Liebe wegen. Obwohl der Vergleich mit seinem Nachfahren hinkt: Schließlich lässt Prinz Harry mit seinem angekündigten Rückzug nicht die Krone sausen. Der jüngere Sohn von Prinz Charles steht nur noch an Platz sechs der britischen Thronfolge.

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Edward hingegen – oder David, wie er in seiner Familie genannt wurde – dankte 1936 ab, weil er die US-Amerikanerin Wallis Simpson liebte. Als König aber durfte er sie nicht heiraten, schließlich war die Frau seines Herzens geschieden. Also verzichtete Edward auf den Thron und stürzte sein Land und seine Familie in eine Krise. 80 Jahre später zuckte niemand auch nur mit der Wimper, als Prinz Harry die geschiedene Schauspielerin Meghan Markle als seine Verlobte präsentierte.

David überwarf sich mit seiner Familie

Edwards Platz nahm sein jüngerer Bruder Albert ein, der als George VI. den Thron bestieg. “Bertie“, der Vater der heutigen Queen, war schüchtern und litt darunter, dass er stotterte. Er war kein geborener König, führte sein Volk aber mit Würde und Bescheidenheit durch die schweren Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Er starb 1952 mit nur 56 Jahren. Es heißt, die Familie habe David nie verziehen, dass er sich zur Abdankung entschloss. Der Duke of Windsor, einen Titel, den er nach seiner Abdankung erhielt, lebte den Rest seines Lebens mit Wallis in Frankreich im Exil. Dort starb er 1972.

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Es ist unwahrscheinlich, dass Prinz Harry sich auf ähnliche Weise mit seiner Familie überwirft. Dass die Sussex’ offenbar weder Queen Elizabeth II. noch Prinz Charles oder Prinz William im Vorfeld in ihre Überlegungen miteinbezogen, sorgt aber für Verwunderung und harsche Kritik in den britischen Medien. Die Queen soll verletzt sein, Prinz William stinkwütend auf seinen Bruder und seine Schwägerin. Entsprechend schmallippig reagierte auch der Buckingham Palace in einem ersten Statement: „Wir verstehen den Wunsch, einen anderen Ansatz zu verfolgen, doch handelt es sich um komplizierte Sachverhalte, deren Klärung Zeit brauchen wird.“ Ob Harrys Entscheidung einen Einfluss auf seinen Platz in der Thronfolge haben wird, wollte der Palast nicht sagen.

Wie sieht es finanziell aus?

David, der Duke of Windsor, fungierte bis 1945 eher unfreiwillig als Gouverneur der Bahamas. Anschließend zog er sich mit Wallis ins Private zurück und finanzierte ein standesgemäßes Leben in einer Villa vor den Toren von Paris mit der Apanage, die ihm seine Familie weiterhin zugestand.

Prinz Harry und Herzogin Meghan wollen finanziell künftig wohl auf eigenen Beinen stehen, aber ihre „Pflichten gegenüber der Königin, dem Commonwealth und unseren Schirmherrschaften weiter erfüllen“ – eigentlich ein Widerspruch, der sich vermutlich nicht so leicht auflösen wird. Noch kommt Prinz Charles aus seinem Privatvermögen für seinen Sohn und seine Schwiegertochter auf. Harry hat auch von seiner Mutter Diana ein beträchtliches Vermögen geerbt. Für die Sicherheit des prominenten Paares zahlt indes der britische Steuerzahler.

So reagierte die britische Presse auf den „Megxit“

So beispiellos die Entscheidung von Meghan und Harry scheint – es gab nach Edward VIII. schon einige Windsors, die sich von ihren offiziellen Aufgaben praktisch völlig zurückgezogen haben: Meist durch Scheidung (Lady Di oder Sarah Ferguson), wegen des Alters (Prinz Philip) oder weil sie sich auf dem royalen Parkett unmöglich gemacht haben, wie erst unlängst Prinz Andrew.

Vorbild Schweden

Dass ein solcher Trennungsprozess aber auch harmonisch vonstattengehen kann, in einer gemeinsam kommunizierten Entscheidung nämlich, zeigten übrigens die Schweden: Im Oktober vergangenen Jahres hat sich König Carl Gustaf dazu entschlossen, das Königshaus zu verkleinern.

Der Nachwuchs von Prinz Carl Philip und seiner Schwester Prinzessin Madeleine verlor seinen offiziellen Hoheitsstatus. Sie sind somit nicht mehr Mitglied des Königshauses – bleiben aber Teil der Königsfamilie. Auch ihre Titel als Herzöge und Herzoginnen dürfen Leonore, Nicolas, Adrienne, Gabriel und Alexander behalten. Der König hatte seine Kinder offenbar frühzeitig in die Entscheidung miteingebunden. Und Madeleine und Carl Philip scheinen erleichtert zu sein, dass ihre Kinder mehr Freiheiten genießen werden: „Chris und ich finden es gut, dass unsere Kinder in Zukunft eine größere Chance haben, ihr eigenes Leben als Individuum zu gestalten“, schrieb Prinzessin Madeleine zu der Entscheidung auf ihrem Instagram-Profil.

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