Eric Gauthier vor der Preview des Dokumentarfilms „Dancing Beyond“ im Caligari in Ludwigsburg. Der Saal war ausverkauft – nicht nur einmal. Foto: factum/Bach

Im Caligari in Ludwigsburg wird die Preview einer Doku über Eric Gauthier gezeigt – mit ungewöhnlichem Erfolg. Der Ballett-Star zeigt sich beeindruckt und hofft, dass dies nicht der letzte Film über sein Leben ist.

Ludwigsburg - Ist er das? Ja, das ist er. Während Eric Gauthier sich durch das übervolle Foyer des Caligari-Kinos zwängt, sind alle Augen auf ihn gerichtet. Die meisten hier wissen genau, dass er es ist. Der Star des Abends verteilt ein Küsschen hier, ein Küsschen dort, lässt Selfies mit sich machen und umarmt Bekannte ebenso wie Leute, die er vermutlich nie zuvor gesehen hat. „So viele Menschen“, murmelt er, während er den ausverkauften Kinosaal betritt.

Nun ist es keine Besonderheit, dass Gauthier Menschen anzieht. Als Solist des Stuttgarter Balletts tanzte er sich zum Liebling des Publikums empor. Seine 2007 gegründete Dance-Company hat großes Renommee. Aber dieser Mittwochabend in Ludwigsburg ist trotzdem etwas besonderes für den gebürtigen Kanadier und Wahl-Stuttgarter: Im Caligari wird die Dokumentation „Dancing Beyond“ über ihn und seine Compagnie gezeigt – als Preview, bevor das Werk am Sonntag im Fernsehen ausgestrahlt wird. Das sei schon „kind of funny“, also ziemlich komisch, sagt Gauthier. Er sei doch erst 38 Jahre alt, dieser Film über sein Leben komme also recht früh. „Aber ich bin sehr stolz.“ Und vielleicht folge dann, wenn er 60 werde, ein zweiter Film.

Der Andrang an der Kinokasse ist enorm

Stoff gibt es genug, Gauthier ist wohl das, was man einen Tausendsassa nennt. Tänzer, Musiker, Choreograf, Charismatiker und immer auch ein großartiger Vermarkter seiner selbst. Die Preview in Ludwigsburg läuft in der Reihe DOK, die vor fünf Jahren vom Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Verein Kinokult initiiert wurde. Viele gute Dokus wurden seither im Caligari präsentiert. „Aber das Interesse an diesem Film hat alle Erwartungen übertroffen“, erzählt Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms. Es sei das erste Mal, dass man wegen des Andrangs eine Zusatzvorstellungen angesetzt habe. Um 19.30 Uhr wird „Dancing Beyond“ gezeigt, um 21.30 Uhr gleich noch mal.

Die Regisseurin der SWR-Produktion ist Elisabeth Hamberger, eine Absolventin der Ludwigsburger Filmakademie, auch die Cutter und Tontechniker haben dort gelernt. Gemeinsam mit dem Kameramann und Produzenten Fritz Moser schufen sie ein Porträt, das einen intimen Einblick in Eric Gauthiers Leben bietet. „Sechs Monate lang habe ich fast immer eine Kamera im Rücken gehabt“, scherzt der Protagonist. „Mir fehlt jetzt fast etwas.“

Eric Gauthier und seine Mission

Ältere Aufnahmen am Stuttgarter Ballett, von den Anfängen der Gauthier-Dance-Company am Stuttgarter Theaterhaus, Gauthier bei Proben mit seinen 14 Ensemblemitgliedern, im Flugzeug nach Moskau, wo er mit der weltbekannten Diana Vishneva ein Duett tanzt, beim Zeitunglesen in seinem Lieblingscafé oder bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg – die 60-minütige Doku zeigt den Star hautnah. Auch mit Gauthiers Mutter, seiner Frau und anderen Wegbegleitern haben die Macher gesprochen. Und weil Eric Gauthier ein humorvoller Mensch ist, ist das Ergebnis stellenweise recht lustig. Aber nicht nur: Immer wird deutlich, wie wichtig Gauthier seine Mission nimmt. Er will, das sagt er immer wieder, die Menschen fürs Tanzen begeistern.

Am Ende applaudieren die 160 Zuschauer im Saal laut und lang, während im Foyer des Kinos weitere 160 Besucher warten, denn die zweite Vorstellung ist nun ebenfalls ausverkauft. Am Samstag wird Gauthier erneut in Ludwigsburg erwartet, für drei Tanz-Workshops an der Tanzwerkstatt. Die Seminare sind allerdings, wen wundert das noch: ausverkauft.

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