Das Bild täuscht: Manchester City darf weiter mitspielen in der Königsklasse des Fußballs. Foto: dpa/Martin Rickett

Der Internationale Sportgerichtshof hat dem Milliardärs-Club Manchester City einen Ausschluss aus der Champions League erspart. Unsere Pressestimmen beschäftigen sich auch mit der Frage, was das Urteil für die Zukunft des Fußballs bedeutet.

Lausanne - Manchester City und sein Star-Trainer Pep Guardiola dürfen nun doch auch weiterhin uneingeschränkt in der Champions League spielen. Eine zweijährige Sperre der Europäischen Fußball-Union wegen angeblicher Verstöße gegen die Regeln des Financial Fairplay wurde vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wieder kassiert. Wie die (internationalen) Medien den Freispruch kommentieren? Ein Überblick.

Lesen Sie hier: Unseren Kommentar „Eine wertlose Regel“

„BBC“ (Großbritannien): „Die Glaubwürdigkeit des Financial Fairplay (FFP) liegt in Trümmern. Denn wie kann der FFP überleben, nachdem einer der reichsten Clubs der Welt – der der Behinderung einer Uefa-Untersuchung und des Regelbruchs für schuldig befunden wurde – mit einer Geldstrafe von nur zehn Millionen Euro davongekommen ist?“

„Daily Mail“: „ManCity ist einem europäischen Bann entkommen – aber das ist kein moralischer Sieg“.

„Times“: „Die Uefa hat es schlimm vermasselt.“

„El Mundo“ (Spanien): „Der Freispruch für Manchester City stellt das aktuelle Modell des europäischen Fußballs in Frage.“

„Blick“ (Schweiz): „Die Skyblues kommen mit einem himmelblauen Auge davon! Die Sperre ist aufgehoben, die Buße wird von 30 auf zehn Millionen Euro gesenkt. Kein großer Betrag für einen Verein, der einen Scheich aus dem Emirat Abu Dhabi im Rücken hat.“

„Gazzetta dello Sport“ (Italien): „Manchester City hat vor Gericht das größte Spiel des Jahres gewonnen. Dieses Urteil bedeutet eine politische Niederlage für die Uefa.“

Lesen Sie hier: So kam es zum Freispruch für Manchester City

„Süddeutsche Zeitung“: „Der Cas stärkt das System. Er kassiert mal eben das beispielhaft harte Urteil eines Großverbandes, der seine Fairplay-Regeln wirklich mit Leben erfüllen will, zugunsten eines Big Players der herrschenden Fußballelite. Das ist jener Milliardärszirkel, der das Spiel regiert, es echter Spannung schon weitgehend beraubt hat und für den es irgendwie immer so weitergehen soll. In dieser neuen Ordnung ist nicht vorgesehen, dass Regeln, die man halt zum Vorzeigen braucht, wirklich angewendet werden.“

„Die Zeit“: „Das Financial Fairplay erweist sich erneut als untaugliches Instrument, den Kapitalismus im Fußball zu zügeln. Die Regelbrecher kommen mit einer Strafe von zehn Millionen Euro davon, was ihnen nicht mehr weh tut als ein Strafzettel für Falschparken. Im europäischen Spitzenfußball werden weiterhin kosmische Gehälter gezahlt werden, weil das Cas-Urteil die Tür für weiteres Geld aus Neureichistan offen hält.“

„Frankfurter Rundschau“: Fast 800 Millionen Euro hat Manchester City alleine in der seit nunmehr vier Jahre währenden Ära von Pep Guardiola in neue Spieler gepumpt. Kein anderer Klub der Premier League zahlt seinen Profis und Trainerstab mehr Gehalt, es sind wahre Unsummen. Man könnte das Cas-Urteil nun als komplette Niederlage für den aufrechten Uefa-Chef Aleksander Ceferin interpretieren, aber das wäre zu kurz gesprungen. Denn tatsächlich hat der Verband zumindest dafür gesorgt, dass dem Manchester-Kapitalismus der Turbo abgestellt wurde. Bei City dürfte künftig etwas Druck vom Gaspedal genommen werden, um nicht latent Gefahr zu laufen, unruhestiftend vorm Cas zu landen.“

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