Wolfgang Molitor sprach vor rund 70 Zuhörern in der Foto: Jens Noll

Wolfgang Molitor, stellvertretender Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, schildert seine Ansichten zur Affäre um den Bundespräsidenten.

Echterdingen - Es gibt viele Kollegen, die sagen, der Mann ist nicht haltbar“, berichtete Wolfgang Molitor am Dienstag in der Zehntscheuer. „Ich sage: Warten wir mal ab“, meinte der Ressortleiter Politik und stellvertretende Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten beim Pressestammtisch des Stadtseniorenrats Leinfelden-Echterdingen und der Filder-Zeitung.

Die Frage, ob Bundespräsident Christian Wulff zurücktritt oder nicht, stand bei Molitors Vortrag als zentrale Frage im Raum. Die Affäre Wulff wurde fortgeschrieben und habe mit dem Bekanntwerden der Drohung von Wulff auf dem Anrufbeantworter des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann eine neue Dynamik bekommen. Über den Ausgangspunkt, das Zustandekommen des Hauskaufs und der Zinsen, werde heute aber nicht mehr geredet. „Ich habe das Gefühl, Wulff bohrt in der Öffentlichkeit in der Nase. Das gehört sich nicht, aber es ist nicht verboten“, sagte Molitor.

„Zu viel Konjunktiv“ in der Medienberichterstattung

Wulffs Verhalten ist nach Meinung des Journalisten nicht rücktrittsrelevant, solange ihm zwei Dinge nicht nachgewiesen werden können: dass er das Parlament belogen hat oder dass die Verquickung mit der Wirtschaft über das hinausgeht, was ihm von Amts wegen erlaubt ist. In der Medienberichterstattung, sagte Molitor, stehe „zu viel Konjunktiv“. „Ich will noch einmal darauf hinweisen“, ergänzte er, „dass der Bundespräsident Wulff in keinen Dingen, die ihm vorgeworfen werden, auftaucht.“ Die Vorwürfe richten sich an ihn als niedersächsischen Ministerpräsidenten. Ein Zuhörer fragte, warum man Wulff damit nicht schon zu seiner Amtszeit in Hannover konfrontiert habe. Diese Frage, so Molitor, lasse sich nicht beantworten.

Ein Zuhörer äußerte sein Bedauern, dass der Bundespräsident als höchster Mann im Staat generell nicht direkt vom Volk gewährt wird. „Die Frage, warum wir keine Direktwahl wie in Frankreich oder den USA haben, ist eine Verfassungsfrage“, antwortete der Redakteur. Mit einer Direktwahl des Präsidenten hätte man ein anderes politisches System, erklärte er.

Wo die Grenze der Begünstigung bei Politikern ist, wollte ein anderer Zuhörer wissen. Kritisch sind nach Ansicht von Molitor nicht die Vorteile, die vom System kommen. Alles, was von außen komme, sei jedoch angreifbar. „Und das ist die Affäre Wulff“, fasste Molitor zusammen, „nicht mehr und nicht weniger.“

Nächster PressestammtischThomas Faltin, Redakteur der Stuttgarter Zeitung, wird am Dienstag, 13. März, Forschungsergebnisse über das KZ-Außenlager Echterdingen vortragen.
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