Das Unternehmen prüft seine Abläufe, Standorte stehen auf dem Prüfstand. Die Münzprägepressen-Fertigung soll künftig nur noch in Göppingen betrieben werden.
„Als ehemaliger Mitarbeiter der Schuler AG verfolge ich mit großer Sorge die Entwicklung des Unternehmens seit der Übernahme durch Andritz. Die fortgesetzte Zerschlagung gewachsener Strukturen erfüllt mich mit Entsetzen“, sagt ein Ex-Beschäftigter des Göppinger Pressenbauers. Nach der Schließung von Standorten wie Hydrap in Plüderhausen, SMG in Waghäusel, der Gießerei in Göppingen, Müller-Weingarten sowie Schuler Automation in Gemmingen stünden nun weitere Einschnitte bevor, weiß der frühere Mitarbeiter.
Seine Sorgen sind berechtigt: „Der Auftragseingang von Andritz Schuler ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken und steht auch auf absehbare Zeit weiterhin unter Druck“, bestätigt der Pressesprecher Simon Scherrenbacher auf Anfrage. Eine Verbesserung sei in den ersten beiden Monaten 2026 nicht erkennbar gewesen und zeichne sich weiterhin nicht ab. „Die Nachfrage in unserem Marktumfeld ist seit einiger Zeit deutlich zurückgegangen“, ergänzt Scherrenbacher. In dieser Situation müssten Produktionsstrukturen kritisch geprüft werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Sprecher: Zwei-Standorte-Strategie nicht mehr gerechtfertigt
„Deshalb analysieren wir derzeit auch die zukünftige Ausrichtung unseres Standorts in Heßdorf. Uns ist bewusst, dass diese Prüfung für unsere Mitarbeitenden eine belastende Situation darstellt. Das weitere Vorgehen stimmen wir eng und detailliert mit den Vertretern der Arbeitnehmerseite ab“, erklärt der Sprecher. Doch damit nicht genug: „Darüber hinaus planen wir, Münzprägepressen künftig nur noch am Standort Göppingen zu fertigen.“ Das Neumaschinengeschäft bei Andritz Gräbener in Netphen soll geschlossen werden. Das erwartbare Auftragseingangsvolumen rechtfertige eine Zwei-Standorte-Strategie nicht mehr. Die Service-Einheit in Netphen sei von diesem Schritt nicht betroffen. Die Gespräche mit dem örtlichen Betriebsrat laufen bereits, sagt Scherrenbacher.
Der frühere Mitarbeiter des Unternehmens spart nicht mit Kritik: „Offensichtlich fehlt es bei Andritz Umformtechnik an einem tragfähigen Verständnis für die Breite und Vielfalt des Marktes. Statt einer ausgewogenen strategischen Ausrichtung konzentriert man sich zunehmend einseitig auf Großprojekte und die Automobilindustrie – eine Branche, die in Europa bekanntlich unter erheblichem Druck steht“, moniert er. Gerade die Diversifizierung sei in der Vergangenheit aber ein entscheidender Stabilitätsfaktor gewesen, um konjunkturelle Schwankungen einzelner Branchen auszugleichen.
„Diese Stärke wird nun leichtfertig aufgegeben“, sagt der Ex-Mitarbeiter und übt weitere Kritik: „Statt bestehende Fertigungsprozesse zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, werden Produktionskapazitäten zunehmend in Niedriglohnländer verlagert. Damit gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern auch wertvolles Know-how und Innovationspotenzial direkt an künftige Wettbewerber.“
Der Pressesprecher will das so nicht stehen lassen: „Wir verlagern unsere Produktion nicht in Niedriglohnländer, sondern dorthin, wo es freie Kapazitäten gibt und wir nah am Kunden sind.“ Dass das Unternehmen personell Federn gelassen hat, stellt er aber nicht in Abrede: 2013 – dem Jahr der mehrheitlichen Übernahme durch Andritz – hatte der Konzern 5580 Beschäftigte, Ende Februar dieses Jahres waren es 4118. Das entspricht einem Rückgang von etwas weniger als 1500 Stellen.
Die künftige Ausrichtung sei klar: „Wir müssen uns auf neue Märkte, neue Produkte, neue Kunden und neue Regionen fokussieren, um einen Ausgleich für den Rückgang in unseren Bestandsmärkten zu schaffen.“ Dazu gehöre beispielsweise die Verteidigungsindustrie, aber auch die Batterietechnologie, in der großes Potenzial gesehen werde. „So haben wir beispielsweise einem führenden Batteriehersteller in Süddeutschland eine leistungsstarke 1,5-Gigawatt-Formierungslinie geliefert“, sagt Scherrenbacher. Auf ihr würden seit Anfang des Jahres die Batteriezellen für einen renommierten deutschen Premium-Automobilhersteller produziert.
Servicegeschäft soll ausgebaut werden
Der Ausbau des Servicegeschäfts sei ein weiterer wichtiger Eckpfeiler der Strategie von Andritz Schuler. So sei es Ende 2025 gelungen, zwei Großaufträge von US-amerikanischen Automobilherstellern über die Modernisierung mehrerer Pressen und Pressenlinien zu sichern. „Damit stellen wir sicher, dass diese Kunden ihre Anlagen auch in Zukunft noch lange nutzen können. Mithilfe der von uns entwickelten digitalen Tools etwa für Simulationen oder zur Prozessüberwachung lässt sich die Produktivität dabei weiter steigern“, verweist der Pressesprecher auch Lichtblicke in schwierigen Zeiten.
Name vor einem Jahr geändert
Neuerung
Mehr als ein Jahrzehnt nach der Übernahme von Schuler, dem weltweit führenden Hersteller von Pressen für die Autoindustrie, hat Andritz im März 2025 den Firmennamen geändert: Das Göppinger Unternehmen Schuler heißt seitdem Andritz Schuler. Der Name Schuler bleibe als Produktmarke bestehen und werde als Andritz Schuler Pressen weiterhin gepflegt. Die Firmennamen der Schuler Group erhalten den Zusatz Andritz.