Tolle Aussichten ins Donautal bieten die neuen Premiumwanderwege Foto: Stadt Sigmaringen

Rund um Sigmaringen gibt es fünf neue Premiumwanderwege – Strecken sind zwischen sechs und 13 Kilometer lang.

Sigmaringen - Entweder ist der Autor der Wegbeschreibungen ausgesprochen gefräßig, oder das Essen ist seine unbeholfene Art, alle Namen der Restaurants in seinem Text unterzubringen. Auf den „Kloster-Felsenweg“ startet er mit einer Schinken-Käse-Seele, die er im Gehen verspeist, im Café Donau, dem Startpunkt zum „Donaufelsengarten“, genehmigt er sich zunächst ein Eis am Stiel, dann eine Tasse Kaffee, im Sitzen genossen, denn dabei lässt sich die Route nochmals studieren: 8,5 Kilometer ist sie lang und führt überwiegend durch den Wald. Der „Donaufelsengarten“ und der „Kloster-Felsenweg“ sind zwei von fünf neuen Premiumwanderwegen, die als Rundweg konzipiert sind.

Sanft zieht der Weg bergan, ein schmaler Naturpfad, wunderbar weich zu gehen. In der Sonne des späten Vormittags duften die Kräuter, Walderdbeeren und Himbeeren leuchten verlockend rot dazwischen. Bereits nach zwei Kilometern erreicht man den ersten Höhepunkt des Rundwegs, wenige Schritte sind es zur Felskante: und schon öffnet sich ein fantastischer Blick über das Donautal, hoch oben scheint man hier zu schweben. Wer jetzt ein paar Flügel hätt’? Ikarus würde sich herunter schwingen wollen, für Paraglider ist der Anlauf zu kurz. Gut so, diese Wege sollen den Fußgängern vorbehalten bleiben. Hier am Felsenrand riecht man Kiefern.

Maximal 15 Prozent der Strecke dürfen über Asphalt führen

77 Punkte wurden diesem Weg bei der Zertifizierung zugedacht, die höchste Punktzahl der fünf „Donaufelsenläufe“, wie die neuen Premiumwanderwege bei Sigmaringen heißen. Vierzig Punkte müssen es mindestens sein, nach oben hin ist die Skala offen. Bewertet werden die Wegbeschaffenheit, die Beschilderung, die Abwechslung und die Dichte der Sehenswürdigkeiten. Wenn eine Strecke einen Asphaltanteil von mehr als 15 Prozent hat, fällt sie durch. Auf Premiumwanderwegen kann man also sicher sein, überwiegend auf natürlichen Pfaden unterwegs zu sein. Das ist dann auch die Erklärung, weshalb der direkte Weg manchmal verlassen wird und ein kleiner Umweg durch ein Gebüsch ausgeschildert wird.

Am Gutensteiner Berg steht die erste der neuen Holzbänke, fein geschwungen und angenehm für den Rücken. Ein entgegenkommendes Paar in Wanderkluft möchte sich gerne setzen. Klar macht man den Platz frei, damit jeder die Aussicht über die Wiesen ins hügelige Hinterland genießen kann.

Nach viereinhalb Kilometern wartet die Antoniusbuche mit einer Picknickbank samt Tisch, die passende Mittelstation auf dem achteinhalb Kilometer langen Weg. Perfekt für ein kleines Vesper. Ein verwittertes Holzschild erzählt die Geschichte der Buche, hier habe ein Schweinehirt seine Sauen wiedergefunden. Der heilige Antonius, man erinnert sich, ist zuständig für verlorene Dinge, und so wurde ihm ein Kreuz geweiht. Die Buche selbst musste vor etlichen Jahren ersetzt werden, allzu dick ist der Nachfolger noch nicht geworden. Wenige hundert Meter sind es von hier bis zum Rabenfelsen, dem spektakulären zweiten Ausguck auf dem Weg. Bitte festhalten, es geht senkrecht nach unten!

Nun zieht sich der Weg, immer oberhalb des Donaulaufs, unten auf der Straße hört man die Biker knattern. Erst oberhalb von Gutenstein findet sich eine Liege, eine der wahren Segnungen der Premiumwanderwege. Ein Paar räumt sie freiwillig, nicht ohne noch freundlich fürs Foto posiert zu haben. Ja, fein ist das hier, eine geruhsame Rast vor dem letzten Abstieg.

Schloss Sigmaringen thront auf einem markanten Felsen

Hinunter nach Gutenstein. Vom Dorf fährt man gemütlich entlang der Donau Richtung Sigmaringen, denn was wäre ein Besuch in der Gegend, ohne das mächtige Schloss in Augenschein zu nehmen. Allzu imposant thront es auf seinem Felsen, auch ein abendlicher Rundgang lohnt sich. Hinunter zum ehemaligen Elektrizitätswerk, über die geschwungene Brücke mit dem besten Blick, wie eine ältere Dame verrät. Und wieder zurück in die Stadt, in das Gasthaus Traube neben dem Rathaus oder ins Theater-Café, auf einen letzten Drink. Wer übernachtet, ist fein raus und kann am nächsten Tag noch eine zweite Runde unter die Schuhe nehmen. Vielleicht den Kloster-Felsenweg, mit 13 Kilometern der längste der fünf Wege. Im Wald führt eine Abzweigung zum Amalienfelsen. Und auch von dort hat man ihn dann wieder: Den fürstlichen Blick hinunter ins Donautal, wo Kinder am Wasser spielen, weit über die Landschaft der Alb, in den tiefblauen Himmel.

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