Großer Bahnhof und roter Teppich für den Schwabenspaß „Do goht dr Doig“ zur Eröffnung der Filmschau Baden-Württemberg am Mittwochabend. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wie g’schnittenes Brot könnte der Bäckerfilm laufen! Die ersten Zuschauer von „Laible und Frisch“ im Kinoformat sind begeistert. Mit rotem Teppich und viel Tamtam ist der Schwabenspaß zur Eröffnung der Filmschau gefeiert worden.

Stuttgart - Aufregende Tage stehen Frieder Scheiffele bevor. Schwäbischer könnte sein Name nicht sein – und sein neuer Film auch nicht. Der 38-jährige Produzent weiß, dass sich zwischen Weihnachten und Silvester entscheiden wird, ob sein Kinobaby überlebt oder den frühen Kindstod stirbt.

„Laible und Frisch – Do goht dr Doig“, die Kinoversion der als Fernsehserie, Theaterstück und Hörspiel bekannten Schwabensaga aus dem fiktiven Schafferdingen, startet am Donnerstag, 28. Dezember, in 38 Lichtspielhäusern in Württemberg sowie in einer Außenstelle in München (Berlin ist noch nicht dabei). Vier Wochen davor wird Premiere bei der Filmschau gefeiert. Scheiffles dringender Appell an alle Freunde des mit Crowdfunding finanzierten Projekts: „Man sollte früh ins Kino gehen und kann nicht sagen, wir warten mal ab.“ Wenn in der ersten ­Woche nicht genügend Publikum käme, werde der Film ratzfatz abgesetzt.

Für 250 Euro sind die „Teppichabwetzer“ dabei

Gewissenhaft und clever, wie’s typisch schwäbisch ist, haben Scheiffele und sein Team alles vorbereitet, damit der Teig aufgeht. Zur Weltpremiere – isch des subbr! – gibt es am Mittwochabend schon vor dem Metropol großes Kino. Bei der 23. Filmschau Baden-Württemberg ist der rote Teppich ausgerollt – vier Wochen vor dem offiziellen Kinostart. In einer Flotte des Coupé-Edelschlittens VW Arteon werden die Protagonisten vorgefahren. In der ersten Limousine sitzen Monika Hirschle und Hansy Vogt. Aus Auto zwo steigen Matthias Dietrich, Peter Jochen Kemmer, Miriam Woggon. Der dritte Arteon gehört Winfried Wagner alias Laible und Simon Licht alias Frisch. Am Ende kommen die Legenden: der frühere Intendant Elert Bode
, 83, sowie das Schauspielerpaar Trudel Wulle, 92, und Walter Schultheiß, 93.

Empfangen werden sie von der Schwabenband Erpfenbrass und Moderatorin Nadine Krüger („Volle Kanne“). Mit dabei sind die „Teppichabwetzer“, jene Fans also, die jeweils 250 Euro in den Crowdfunding-Topf warfen und daher auf den roten Teppich niederknien und ihn küssen dürfen.

Eine Hommage an Disney „Atlantis“

Zwei Metropol-Säle sind voll besetzt. Die Schauspieler haben den Film zuvor noch nicht gesehen. Um das Wichtigste zur Kinofassung der ewigen Bäckerstory in fünf Punkten zusammenzufassen:

1. Alle aus der TV-Serie bekannten Hauptdarsteller sind auch im großen Format dabei – doch man erlebt sie zum Teil neu und mit überraschenden Brüchen. Sie dürfen zeigen, was sie können – abseits ihrer bisherigen Rollenfestlegung.

2. Der 92-jährigen Trudel Wulle gelingt einer der besten Auftritte ihrer langen Laufbahn. Im Funkerdress gibt sie trocken und cool Anweisungen übers Mikrofon drahtlos in die Ohren der Protagonisten. Diese Rolle ist eine Hommage an Mrs Wilhelmina ­Packard, die Funkerin in Disneys „Atlantis“, die auch in der Krise den Überblick bewahrt. Auch ihr Mann Walter Schultheiß spielt mit voller Leidenschaft.

3. Simon Licht, der als Großbäcker Frisch unsympathisch rüberkommen muss, stürzt ab. Der Fiesling zeigt seine schwachen Seiten – so menschlich war seine Rolle noch nie.

4. Winfried Wagner traut sich was: Mit Wucht und Masse springt er in der Badehose ins Schwimmbecken des Achalmhotels.

5. Monika Hirschle dreht als Schnapsdrossel virtuos noch weiter auf. Eine wahre Freude ist’s, obwohl der Warnhinweis fehlt: Bitte niemals an der Theke nachmachen!

Geht ins Kino, Leut!

Obwohl der Film nach Weihnachten startet, läuft er davor auf Hoch­touren – neben der Filmschau (zweite Vorstellung dort im Metropol ist am Samstag, 18 Uhr) auch bei etlichen Sponsorenveranstaltungen. Bis zu den Feiertagen werden „Do goht dr Doig“ Tausende exklusiv vorab gesehen haben, was beabsichtigt ist. „Wir wollen, dass an Weihnachten über unseren Film gesprochen wird“, sagt Frieder Scheiffele, „damit möglichst viele danach sofort reingehen.“ Man habe bewusst die Zeit „zwischen den Jahren“ zum Kinostart gewählt, weil da viele Exil-Schwaben zur Familie zurückkämen.

Bayerische Heimatfilme werden oft in der gesamten Republik verehrt. Unsere Mundart tut sich dagegen schwer. Schwaben werden überregional meist als Seggel vorgeführt. Bei „Laible und Frisch“ aber sind sie clever, knitz, lustig und hintergründig.

Wie geht es weiter mit den Bäckern? Wann kommt das Musical dazu?„Wir haben bereits Ideen für einen zweiten Kinofilm“, sagt Scheiffele. Doch erst mal heißt es für ihn und sein Team: zittern, ob sich die Arbeit und das Geldsammeln gelohnt haben. Das größte schwäbische Lob „Net gschimpft isch gnug gelobt“ reicht in diesem Fall nicht. Eines muss gesagt sein: Geht ins Kino, Leut!

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