Rasant und spektakulär wird’s bei Holiday on Ice.   Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Mit „Cinema of Dreams“ holen die Eislaufstars von Holiday on Ice die großen Zeiten des Kinos zurück. Das ist bunt, rasant, spektakulär – und oft auch überraschend zart.

Manchmal wünscht man sich einen Rudi Cerne an die Seite. Der mit ruhiger Stimme und sicherem Auge die Axel, Rittberger und Flips benennt, angesichts derer der Laie nur versucht, den Mund wieder zuzubekommen. Aber kein Cerne weit und breit und so bleibt dem im Eiskunstlauf wenig bewanderten Zuschauer nur zu gucken - und zu genießen. Die spektakulären Sprünge und Hebefiguren, die Kostüme in allen Farben des Regenbogens, die Musik und die Lichter.

 

„Cinema of Dreams“ heißt die Show, mit der Holiday on Ice in der Stuttgarter Porsche-Arena zu Gast ist. Am Mittwochabend war Premiere, neun Aufführungen insgesamt bestreiten die 37 Eiskunstläufer und -läuferinnen bis Sonntag. Das Kino ist der Hintergrund, vor dem die lose Handlung spielt: Drei Freunde, die in einem alten Lichtspielhaus der Glitzerwelt aus Zelluloid neues Leben einhauchen. Die Kulisse: ein nostalgisches Kino in Bonbonfarben – wie aus einer amerikanischen Kleinstadt der 1960er Jahre.

Die drei sympathischen Hauptfiguren von „Cinema of Dreams“ (von links): Andrii Kokura, Alina Urushadze und Jeremie Panyanouvong. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Holiday on Ice – 1951 das erste Mal in Deutschland

1951 gastierte Holiday on Ice zum ersten Mal in Deutschland. Bis heute erwartet das Publikum von dem Erfolgsformat höchste Eiskunst – und wird darin auch von der aktuellen Produktion nicht enttäuscht: Exakt durchchoreografiert die Show, spektakulär die Kostüme und das Bühnenbild, perfekt der Sound, grandios die Körperbeherrschung der Läuferinnen und Läufer.

Hier geht es nicht um die Story – die bleibt auch ein bisschen obskur –, sondern um das, was auf den Kufen passiert. Gewagte Hebefiguren, bei denen man sich unwillkürlich Sorgen um die Partnerinnen macht, die die Herren Eiskunstläufer in Höchstgeschwindigkeit durch die Luft wirbeln. Luftakrobatik des russischen Eislaufpaares Valeriya Loseva und Valerii Sinitsin, die an Seilen über dem Eis ihre Kunst zeigen. Samuraikämpfer, die vor den wirbelnden Blüten eines japanischen Kirschbaums auf der LED-Leinwand ihren Schwertkampf zelebrieren. Die roten Lichter schimmern auf der Eisfläche, die mit Kreide geweißt wird, damit die Farben besser zur Geltung kommen. 48 Stunden hat es gedauert, bis die Eisfläche in der Porsche-Arena fertig war. Ein Millimeter Eis pro Stunde.

Berührender Auftritt bei Holiday on Ice: Oli P. und seine Frau Pauline

Emotional wird es, als der Sänger Oli P. und seine Frau Pauline Petszokat das Eis betreten. Die frühere Profiläuferin musste sich vor fünf Jahren einer komplizierten Operation unterziehen, um einen Hirntumor zu entfernen. Dass sie jemals wieder auf dem Eis stehen könnte, daran hätte sie damals nicht gedacht. Oli P. singt, während seine Frau zur Musik über die glänzende Eisfläche läuft. Später in der Show gibt es noch einen zweiten Auftritt des Paares mit dem Oli P.-Klassiker schlechthin: „Flugzeuge im Bauch“. Da springt dann auch der Funke beim Publikum über, das den ersten Auftritt eher höflich beklatscht hatte.

Mit einem actionreichen HipHop-Battle zum Macklemore & Ryan Lewis-Song „Can’t Hold Us“ geht es in die Pause. Die zweite Hälfte des Programms in der nicht ganz ausverkauften Porsche-Arena beginnt mit einem wunderschönen, zart getanzten Pas de deux der Kanadier Emmanuelle Proft und Nicolas Nadeau zu „Another Day of Sun“ aus dem Film „La La Land“, dem sich eine mindestens so rasante Tanznummer wie die aus Damien Chazelles Musikfilm anschließt.

Kostüme und Bühnenbild bei Holiday on Ice

Die Día de los Muertos-Nummer mit überlebensgroßen Skelett-Stabpuppen beweist, dass die farbenfrohen, detailverliebten Kostüme (Michael Sharp) und das beeindruckend variantenreiche Bühnenbild (Misty Buckley) – das größte in der Geschichte der Show – bei Holiday on Ice mindestens so wichtig sind wie die Kunst auf den Kufen. Sie mündet in einem packenden Finale zwischen Luft und Eis.

Anrührend der Paartanz von Alina Urushadze und Andrii Kokura zu Robbie Williams „She’s The One“. Der erst 22-jährige Ukrainer, der in „Cinema of Dreams“ sein Holiday on Ice-Debüt gibt, entpuppt sich mit seinem sympathisch verwuschelten Timothée-Chalamet-Charme ohnehin als heimlicher Star des Abends. Ein Roboter zeigt die verrücktesten Sprünge. Und in einer temporeichen großen Tanznummer auf Duffys „Mercy“ und Janelle Monáes „Tightrope“ kann der Kanadier Benjamin Guthrie im schwarzen Paillettenanzug zeigen, warum er seit Jahren ein Publikumsliebling ist.

Holiday on Ice: Zwei Stunden ganz großes Kino

Vor lauter Staunen haben wir verpasst, warum genau die Figur von Andrii Kokura seine Regiekarriere buchstäblich in die Tonne treten will, aber das verzweifelte Solo zur Benson Boones „Beautiful Things“ ist emotional und eindrücklich. Zum Glück kommen seine Freunde (Alina Urushadze und Jeremie Panyanouvong) und retten ihn vor der Selbstzerstörung. Zu Coldplays „So We Pray“ setzt das Ensemble dann zum großen Finale an: Hebefiguren, Pirouetten, Derwischkreisel. An Trapezen schweben Läuferinnen wie exotische Paradiesvögel in der Höhe, während unten auf dem Eis die Ensemblestars zum Feuerwerk die Ovationen des Stuttgarter Publikums entgegen nehmen. Zwei Stunden ganz großes Kino – eisgekühlt.

Holiday on Ice in Stuttgart – die Termine:

  • Donnerstag, 22. Januar, 19 Uhr
  • Freitag, 23. Januar, 16 Uhr und 19.30 Uhr
  • Samstag, 24. Januar, 13 Uhr, 16.30 Uhr und 20 Uhr
  • Sonntag, 25. Januar, 13 Uhr und 16.30 Uhr

Tickets über Easy Ticket, Telefon 07 11 / 2 55 55 55 oder über www.easyticket.de