„Elwiiira“ und „Toooni“ haben Anekdoten und Witze aufgetischt. Foto: avanti

Helga Becker und Anton Hunger kommen der berüchtigtsten Mundart des Landes auf die Spur.

Steinheim - Zwei rote Stühle, ein kleiner Holztisch mit gedrechselten Beinen. Das Bühnenbild, optisch geschickt in der Ecke platziert, empfängt die Besucher, die sich am Freitagabend im Museum zur Kloster- und Stadtgeschichte in Steinheim eingefunden haben. So viele sind es, dass die Plätze ausverkauft sind und die schmalen Stuhl-Reihen sich schließen. Denn der Abend mit Heimatpflegerin ­Helga Becker verspricht Humoriges. Und die Frau, die auch für das Jahresprogramm im Museum verantwortlich ist, nimmt dabei gleich selbst eine tragende Rolle ein. Doch nicht allein. Gemeinsam mit dem Autor des Buches „Gebrauchs­anweisung für Schwaben“ – Anton Hunger – hat sich die schwäbische Ulknudel ­wieder einmal jenen Zeitgenossen angenommen, „die zum Schaffa geboren sind“. Auch dieses Merkmal schreibt Hunger nämlich den Schwaben zu und er zeichnet sie in seinem vergnüglichen Handbuch weiter mit köstlichen Details und einem weitgefassten Blick, der auch die Belesenheit des Schreibers verdeutlicht.

Unüblich für eine Gebrauchsanweisung, ist jene von Anton Hunger äußerst unterhaltsam verfasst. Das, was der Autor mit seinen amüsanten Zeilen ins Auge fasst, bringt spitzbübisch und kenntnisreich genau das zu Bewusstsein, was den Schwaben so einzigartig macht und es webt sich wohlproportioniert ins Bühnenspiel ein. So werden die Anwesenden von einem abwechslungsreich-gestrickten Mix aus Witzen, Anekdoten, diversen Geschichten, schwäbischen Sprach-Lektionen und schrägen Songs bespielt. Diese Mixtur bindet die wandlungsreiche Mimik und Bühnenpräsenz von Helga Becker kongenial mit ein. Launig zelebriert wird etwa der „Mauldascha-Blues“, bei dem ihr spielerisches Talent ebenso erfrischend zuschlägt, wie bei der schwäbischen Version von „Du lässt Dich gehen“, die einst Charles Aznavour berühmt gemacht hat. Doch auch: „I muss Euch jezd verseggla“, muss das Publikum hören: weil es offensichtlich das schwäbische Sprachgut vernachlässige.

Mit ihrem Bühnenpartner hat Becker eine kluge Wahl getroffen. Als „Toooni“ spielt der frühere Konzernsprecher von Porsche den „trocka-räsa“ Ehemann von „Elwiiira“. Und die hält anfangs, in bester Loriot-Manier, ihren Mann penetrant vom Lesen ab. Dafür trägt sie ihm jedoch allerhand Tratsch zu und dekliniert im Laufe des Abends das Schwäbische so lustvoll durch, dass viel gelacht wird. Der an sich „maulfaule“ und behäbig wirkende Toni bildet charakterlich das Gegenstück zur bestimmt auftretenden besseren Hälfte, die wortreich und temperamentvoll über die Bühne fegt. Es sind aber nicht nur die eigenen literarischen Gedanken, die Hunger trefflich lesend und mit sonorer Stimme offeriert. Auch Sebastian Blau – etwa mit „Sankt Grobian“ – darf bei der ausgereiften Persiflage nicht fehlen. Ebenso wenig wie die schwäbische Erotik, „bei der aber noch nicht bewiesen sei, ob es sie überhaupt gebe“.

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