Die erotisch-geheimnisvolle Show „Masque“ begeistert die Premierengäste im Friedrichsbau. Zugleich feiern sie einen Mitarbeiter der Varieté-Küche, dessen Abschiebung nach Nigeria verhindert wurde. Doch die Ausländerbehörde legt Berufung ein.
Eine Premiere im Friedrichsbau Varieté hat was von einer großen Familienfeier. Die Stadtpromis und Stammgäste, die sich zum Start einer neuen Show stets gut gelaunt auf dem Pragsattel einfinden, fallen sich in die Arme und haben immer viel zu besprechen. Vom Unternehmer Hans-Peter Stihl bis zum Moderator Jens Zimmermann, von der Clublegende Laura Halding-Hoppenheit bis zur DJane Alegra Cole, die bei der Silvesterparty auf dem Schlossplatz auflegt, vom Model Mustafa Göktas bis zur Spendensammlerin Gudrun Nopper, der Ehefrau des Oberbürgermeister – viele sind da, die Stuttgart lieben und erst Recht die Vielfalt der Kultur in ihrer Lieblingsstadt.
Zur großen Varieté- Familie gehört auch Felix O., ein junger Mann aus Nigeria, der seit zwei Jahren für den Friedrichbau-Gastronomen Michael Schmücker als Logistiker sowie als Helfer bei Shows in der Küche arbeitet. Dass der 27-Jährige in seine Heimat abgeschoben werden sollte, hat für tiefe Betroffenheit gesorgt und für eine Welle der Solidarität. Wie unsere Zeitung berichtet hat, gelang es seinem Chef mit Hilfe einer Rechtsanwältin quasi in letzter Minute, den beliebten Mitarbeiter zurückzuholen, als dieser schon im Frankfurter Flughafen saß und ausgeflogen werden sollte.
Das Verwaltungsgericht Stuttgart entschied, dass Felix O. in Deutschland bleiben darf, da er als Mitarbeiter sehr wichtig für die Gastro & Catering GmbH sei. Die Duldung des abgelehnten Asylbewerbers, der seinen Lebensunterhalt ganz alleine bestreitet und keine staatliche Hilfe beansprucht, sollte demnach verlängert werden. Nun aber hat die Ausländerbehörde von Ostfildern, wo der Nigerianer lebt, Berufung gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts eingelegt.
Das Ausländeramt von Filderstadt macht viele Gäste fassungslos
Erneut müssen Felix O., sein Chef und seine Kollegen zittern, ob dieser wichtigen Mitarbeiter am Ende nicht doch noch nach Nigeria abgeschoben wird. Die Premierengäste, die von dieser neuen Entwicklung erfahren, sind fassungslos. Angesichts des Facharbeitermangels müsse auch die Abschiebung von zuverlässigen Mitarbeitern verzichtet werden, ist im Friedrichsbau zu hören. Viele sind sich einig: Sollte das Ausländeramt in Ostfildern nicht die Berufung zurückziehen, werde man öffentlichen Druck ausüben und die Politik einschalten.
Die Sorge um Felix O. trübt die Premierenfreude. Viele Gäste sind dem Dresscode „Maskiert, geheimnisvoll, extravagant“ gefolgt, tragen Maske wie die Bühnenakteure. Varieté-Direktor Timo Steinhauer sagt, dass sein Haus schon 2019 geplant habe, den Maskenball zu feiern. Doch dann kam Corona. Vor einem Jahr sei es noch zu früh gewesen, die Show aufzuführen – zu präsent waren die Masken der Pandemie. Jetzt aber hat Regisseur Ralph Sun eine geheimnisvolle, aber ebenso lustige Show inszeniert, die mit Erotik und Akrobatik bei der Premiere sehr gut ankommt und drei Monate bleiben soll.
Varieté freut sich über die Rückkehr von Firmenfeiern
„Eine Maske gibt uns die Freiheit, anders zu sein“, sagt Chansonnière Kristina Kruttke, die durch den Abend führt. Am meisten Beifall bekommt sie für ihre Hymne auf die Schlampe und ihre Version von „Goldfinger“ mit dem neuen Text „Wurstfinger“.
Wie anders sind die Premierengäste unter der Maske? Außerdem gesehen: SWR 1-Moderator Matthias Sziedat, die Autorin Emma von Bergenspitz, Marcus Christen von in.Stuttgart, die Künstlerin Christa Winter, Bernd Skobowsky von der Geschäftsleitung der Aids-Hilfe, Designer Tobias Siewert, Top-Magazin-Chefin Kirsi Wilhelm, Goldrun-Veranstalter Marc Wenger, Elvis-Interpret Nils Strasburg, Vera Niefer, die Witwe des früheren Mercedes-Chefs, CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Kotz, Schönheitschirurg Christian Fitz, Autorin Chris Grünberger, Burlesque-Tänzerin Fanny Di Favola und viele andere. Mit dem Vorverkauf bis Ende des Jahres ist Steinhauer sehr zufrieden. Firmenfeiern kehrten zurück. Nach der Corona-Maske, die keiner mehr sehen kann, dürfen es nun Masken sein, die zum Träumen, Spielen und Verführen gut sind. Karten können hier erworben werden.