Sogar für ein Kostüm hat die Zeit gereicht: Robert Robinson, einer der acht Tänzer, mit denen Louis Stiens „Sap“ erarbeitet hat Foto: Ulrich Beuttenmüller

Der designierte Stuttgarter Ballettintendant Tamas Detrich weiß nun, an wen er sich wenden muss, falls er einmal ganz fix ein neues Ballet braucht: Louis Stiens bewies an sechs Abenden im Kammertheater, dass ihm auch unter Beobachtung viel einfällt. Jetzt ist „Sap“ fertig.

Stuttgart - „Sap“ heißt das neue Stück von Louis Stiens, das der Tänzer des Stuttgarter Balletts für acht Kollegen an sechs Abenden im Kammertheater choreografiert hat. Das Publikum erlebte auch am Sonntag keinen ganz gewöhnlichen „Blick hinter die Kulissen“: Weil der Choreograf in Verzug war, gab es Generalprobe und Premiere im Doppelpack – und davor einen bestens gelaunten Künstler, dem die Ideen auch am letzten Abend nicht ausgingen. Warum machen sich die hintereinander aufgereihten Tänzer zu Beginn nicht mit dem Smartphone selbst Licht? Sehr spontan wurde nicht nur dieser Einfall umgesetzt, der dem Stück eine neue Ebene bescherte. Hatten Abbildungen von Engeln und Vögeln Louis Stiens zu eigenwilligen, verzerrten Armbewegungen inspiriert, erzählte „Sap“ am Ende auch von der Angst junger Menschen, nicht mehr dazuzugehören, aus dem Halt gebenden Netzwerk herauszufallen. Auslaugen heißt „Sap“ auf Englisch, meint aber auch das Harz, das aus Bäumen blutet. Den Tänzern war die Anstrengung der sechs Abende nicht anzumerken. Zur Belohnung gab’s Blümchen für die Damen, Bier für die Herren – und hoffentlich für alle ein Wiedersehen mit „Sap“ auf großer Bühne.

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