Faris Yüzbaşioğlu in dem STück „Die Innere Stimme“ im Jes. Foto: Jes/Ronny Schoenebaum

Premiere beim Jungen Ensemble Stuttgart (Jes): Faris Yüzbaşioğlu zieht in „Die innere Stimme“ das Publikum gekonnt in seinen Bann, dennoch hat das Stück Schwächen.

Stuttgart - Reden kann er: ad hoc und ohne Scheu, das Publikum mit der rhetorischen Frage „Kennst du das?“ auf Anhieb einbindend, in treibendem Tempo, ohne Punkt und Komma. Ensemblemitglied Faris Yüzbaşioğlu nutzt die experimentelle Form der Freispiel-Reihe für die Probebühne des JES für eine Offenbarung. Er spricht aus, was andere in der Regel für sich behalten, berichtet von Alltagssituationen, bei denen sein innerer Kommentator als ungebetener Gast zur Stelle ist, ihn zu eigenmächtigen Gedankenspielen verführt, sein Verhalten maßregelt, ihn antreibt oder sabotiert.

 

„Die innere Stimme“ heißt das Solo im Arbeitstitel, das wie eine One-Man-Show wirkt, auch wenn nicht der Darsteller für die Inszenierung geradesteht, sondern Manuel Moser. Und doch scheint jede Szene ganz auf den Protagonisten und seine Befindlichkeiten zugeschnitten zu sein. Das erinnert mal an Stand-up-Comedy, dann wieder an eine mit Video (Adrian Schmidt) angereicherte Performance. Da werden Papiere auf dem Bühnenboden ausgelegt, deren Form sich buchstäblich entziffern lässt. Eine gerappte Gesangseinlage gibt es obendrein. Premiere war am vergangenen Samstag, 19. Februar.

Verhaftet in der Beobachtung

Das Phänomen der inneren Stimme ist bekannt. Der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud prägte dafür den Begriff Über-Ich. Andere nennen das alles bewertende Gedankenkarussell den eigenen Kritiker, inneren Kommentator oder sprechen vom Mitbewohner im Kopf. Faris Yüzbaşioğlu unterscheidet gar neun Kategorien, die er allesamt als wandelbare Allegorie im eingespielten Film selbst verkörpert – von der gottgleichen Instanz bis zur Verführung. Das ist durchaus amüsant, doch mit der Zeit fragt man sich dann doch: Worauf läuft das eigentlich hinaus?

Aus der Selbstbeobachtung heraus ein Thema für ein einstündiges Bühnenstück zu destillieren, in dem sich auch das Publikum wiedererkennt, ist das eine. Daraus aber einen Bogen zu spannen, der über das Selbstreferenzielle hinaus reicht, ist offenbar gar nicht so leicht. Dabei gäbe es doch gerade in der Literatur für die Bühne so viele Figuren, die mit ihren inneren Stimmen wahre Dramen und Tragödien auszufechten haben. Ab und zu mit diesen Schicksalsgenossen in den Dialog zu treten oder die Selbstbeobachtung in der Fantasie zu überflügeln, das hätte diesem charmant präsentierten, aber doch etwas im eigenen Ich verkanteten Monolog sicher gutgetan.

Weitere Vorstellungen: 22. Februar, 11 Uhr, und 26. Februar, 18 Uhr. Empfohlen ab 12 Jahren. Kartentelefon: 218 480-15 oder -18, Mail: ticket@jes-stuttgart.de