Zwei Trainer, die sich schätzen: Jürgen Klopp herzt Pep Guardiola Foto:  

Der deutsche Starcoach und der FC Liverpool haben vor dem Saisonstart am Freitag viel Geld investiert, um Meister Manchester City zu entthronen.

Stuttgart - José Mourinho war noch selten um eine kleine Spitze gegen die Konkurrenz verlegen, und so bemerkte der Starcoach von Manchester United mit Blick auf den FC Liverpool kürzlich dies: „In dieser Saison wird man von ihnen erwarten, dass sie endlich etwas gewinnen.“ Den Druck auf die Gegner erhöhen und ihn so vom eigenen Team fernhalten: Mourinho ist der Meister dieses Machtspielchens – und doch steckt in seinem Satz über die Reds ein gutes Stück Wahrheit.

Weil Jürgen Klopp und der FC Liverpool zuletzt so viel investiert haben wie noch nie – und weil die Mission an der Anfield Road vor der an diesem Freitag beginnenden Saison so klar ist wie die Spielphilosophie. Vorwärts soll es gehen, und zwar schnell. Auf dem Platz und daneben. Sprich: Ein Titel soll her – endlich!

Als Klopp im Oktober 2015 in Liverpool antrat, sprach er selbst davon, dass man ihn und sein Wirken von 2019 an an Titeln messen könne. Klopp also muss jetzt liefern. Und damit den Mann jagen und überholen, den er in der abgelaufenen Spielzeit zwar im Viertelfinale der Champions League bezwang – aber in der Liga nur mit dem Fernglas zu sehen bekam angesichts von 25 Punkten Rückstand auf Pep Guardiola und Manchester City.

Klopp will nun die Wende, und dafür haben die Reds kräftig investiert. In den vergangenen zwölf Monaten hat der FC Liverpool fast 280 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Zunächst bezahlten sie im Winter rund 79 Millionen für den niederländischen Abwehrspieler Virgil van Dijk, im Sommer folgten nun die nächsten großen Investitionen in Naby Keita (60 Millionen/RB Leipzig)), Fabinho (45 Millionen/AS Monaco) und Xherdan Shaqiri (14,7 Millionen/Stoke City) sowie den Torhüter Allison (75 Millionen/AS Rom).

José Mourinho übrigens hatte natürlich auch dazu seine Meinung, die er genüsslich kundtat. „Ich freue mich für sie“, sagte der Portugiese also und ergänzte: „Ich bin glücklich und lächle, wenn ich sehe, dass man seine Meinung auch ändern kann und sich als Person ändern kann.“

Was der ManU-Coach meinte: Jürgen Klopp war es, der nach dem Transfer von Paul Pogba zu Mourinhos United für 105 Millionen Euro noch betont hatte, dass er das Fußballgeschäft verlassen werde, wenn solche Summen Usus werden. Jetzt sagt Klopp trocken: „Es ist immer nur eine Momentaufnahme. Habe ich meine Meinung geändert? Ja, das stimmt. Aber es ist besser, die Meinung zu ändern, als nie eine zu haben. Wir haben die Spieler, die wir wollten.“ Weiter erklärt Klopp: „Bessere Spieler, als die die wir schon haben, warten nicht um die Ecke. Man kriegt den Weltklasse-Torhüter des AS Rom, der dort einen langfristigen Vertrag hat, nicht ablösefrei.“

Klopp, der emotionale Bauchmensch, gibt also plötzlich so etwas wie den nüchtern kalkulierenden Teammanager – aus gutem Grund. Er will endlich Titel holen, mit kühlem Kopf am Schreibtisch und mit heißem Herzen an der Seitenlinie. Seine Sehnsucht ist groß, was verständlich ist. So verpasste Klopp von 2015 an die Triumphe mit den Reds – in der Liga und in drei Finals (Champions League, Europa League und Ligapokal). In der Premier League sehnen sich die Fans gar seit 1990 nach dem Titel. Jetzt sagt Klopp: „Kann ich für die kommende Saison einen Pokal versprechen? Natürlich nicht. Wie könnte ich auch. Aber wir werden wieder dafür kämpfen – so wie in den vergangenen Jahren auch.“

Klar ist, dass Klopp sein bisheriges Hauptproblem immer besser in den Griff zu kriegen scheint. Für seinen Entertainment-Fußball, für das überfallartige Pressing und die rasenden Gegenangriffe, nimmt der Coach ja gerne auch mal Risiken in Kauf. Die Folge: Seine Mannschaft war in der Vergangenheit oft anfällig in der Abwehr, weil die Absicherungen fehlten. Jetzt aber scheinen die Probleme mit Virgil van Dijk und einer etwas defensiveren Ausrichtung behoben zu sein.

England steht also eine spannende Saison bevor. Mit Klopp, dem Jäger – und dem Titelverteidiger Manchester City, der die sensationelle Ausbeute von 100 Punkten in der abgelaufenen Saison bestätigen will. Mit Pep Guardiolas Fußball, der das Gegenteil dessen verkörpert, was zuletzt bei der WM in Russland zu sehen war, als die meisten Teams einen streng destruktiven Ansatz wählten und die Kugel im Grunde nicht haben wollten. Guardiola lässt anders spielen, mehr denn je: ManCity praktiziert perfekt austarierten Ballbesitzfußball, bei dem ein Rädchen so perfekt ins andere greift, dass das Ganze bisweilen so aussieht wie beim Kick an der Spielkonsole: Zu perfekt, um wahr zu sein.

Die Herausforderung für Klopp könnte größer kaum sein – seine Jagd ist eröffnet.

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