Für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen gibt es nicht genügend Angebote im Landkreis Ludwigsburg. Trotz ernsthafter Anstrengungen werden die Aussichten immer düsterer.
Schon vor mehreren Jahren haben Mediziner Alarm geschlagen: Es gibt zu wenig stationäre Plätze für die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen aus dem Kreis Ludwigsburg. An einer Lösung sollte gearbeitet werden, denn der Bedarf ist hoch. Doch seither ist die Lage zum Teil sogar noch dramatischer geworden.
Seit der Corona-Pandemie hat sich der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen erhöht. Sie leiden vor allem unter Depressionen, Essstörungen, Angst- und Zwangserkrankungen. Niedergelassene Ärzte und Psychiater im Kinder- und Jugendbereich haben daher bereits vor mehr als zwei Jahren Unterschriften gesammelt. Mit der Aktion wollten sie darauf hinweisen, dass die psychiatrische Versorgung im Landkreis Ludwigsburg dem Bedarf in keiner Weise gerecht wird.
Neues Gremium hat Arbeit aufgenommen
Nach einem Beschluss des Jugendhilfeausschusses des Landkreises wurde im Jahr 2023 ein neues Gremium installiert, um Lösungen für die Misere zu finden. Wie das Landratsamt mitteilt, hat die Arbeitsgruppe, der unter anderem Chefärzte aus psychiatrischen Kliniken, niedergelassene Mediziner sowie Vertreter von Landrats- und Jugendamt angehören, bislang viermal getagt. Dabei sei über die schwierige Versorgungssituation, etwaige Aufbauoptionen und die Notwendigkeit von Clearingstellen gesprochen worden, damit Kinder und Jugendliche ohne medizinischen Grund nicht stationär aufgenommen werden müssten.
Doch was hat sich seither konkret getan? Mit der Schließung einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis habe sich die Lage „leider nochmals deutlich weiter verschlechtert“, lautet die aktuelle Einschätzung des Landratsamts. „Dem Landkreis ist die prekäre Lage sehr bewusst. Es ist uns daher weiterhin ein dringliches Anliegen, auf eine Verbesserung hinzuwirken“, teilt es mit.
Nach der Nachricht über den Wegfall der Praxis hat sich Landrat Dietmar Allgaier an die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg gewandt und auf die Wichtigkeit des Problems hingewiesen. Dabei ging es um die Frage, wie akut Betroffene weiter versorgt werden können.
Von der Kassenärztlichen Vereinigung erhielt er die Rückmeldung, dass es in mehreren Teilen Baden-Württembergs Engpässe gebe. Dies sei nicht zuletzt auf den demografischen Wandel und den damit einhergehenden Fachkräftemangel zurückzuführen.
Junge Patienten werden auf zwei Kliniken verteilt
Erschwerend kommt hinzu, dass es im Kreis Ludwigsburg kein Zentrum für stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt, obwohl der Anteil junger Einwohner vergleichsweise hoch ist. Junge Patienten aus dem westlichen Landkreis werden in eine Einrichtung bei Calw, solche aus dem östlichen Teil in das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Weinsberg verwiesen, das in Ludwigsburg auch eine teilstationäre Tagesklinik betreibt.
Die Aufteilung macht es für das Landratsamt schwieriger, zu erfassen, wie viele stationäre Plätze für ihre jungen Einwohner aktuell konkret bereitstehen. Auch aufgrund von personellen Wechseln in der Sozialplanung kann das Landratsamt das Defizit im Moment nicht beziffern. Dennoch stellt es fest: „Die derzeitige Versorgung durch die beiden außerhalb des Landkreises liegenden Kliniken bleibt für die Betroffenen aber nicht ausreichend.“
Das ZfP erklärt, dass es für Kinder und Jugendliche aus dem östlichen Teil des Landkreises weiterhin ambulante, tagesklinische, stationsäquivalente und vollstationäre Behandlungsplätze gebe. „Die stationäre Versorgung konnte verbessert werden, ab November 2025 stehen zwölf weitere stationäre Betten für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren durch die Eröffnung einer weiteren Station in Weinsberg zur Verfügung“, teilt eine Sprecherin des Klinikums in Weinsberg mit. Dies habe auch zur Folge, dass sich in Weinsberg die räumlichen Möglichkeiten für die stationäre Akutversorgung verbessern.
Finanzielle Bedingungen sind schwierig
Die Wartezeiten seien dort im üblichen Rahmen. Bis zur Erstvorstellung müssten Patienten nur wenige Wochen warten. Die notfallmäßige Inanspruchnahme sei aber weiterhin hoch. Zudem könne die Klinik nicht die Versorgungslücke kompensieren, die durch das rückläufige Angebot bei niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern in den vergangenen beiden Jahren entstanden ist.
Zwar betont das Landratsamt, dass sich dringend etwas verbessern muss und weiterhin um Lösungen gerungen wird. Doch die Voraussetzungen sind schwierig. „Kliniken und Landkreis stehen derzeit unter erheblichem finanziellem Druck“, heißt es aus dem Ludwigsburger Kreishaus mit Verweis auf die Haushaltskonsolidierung. Und weiter: „Die Etablierung zusätzlicher Aufgaben erscheint hier nur schwierig umsetzbar.“ Zudem sei es eine Herausforderung, ausreichend Personal wie weitere Psychiater und Fachärzte zu finden. Deshalb liegt der Schwerpunkt zunächst auf niederschwelligen, realistischen Lösungen, die sich kurzfristig umsetzen lassen.