Auch die Fahrt mit der Stuttgarter Stadtbahn wird zum 1. September teuerer. Foto: Lg/Kovalenko

Zum 1. September sollen die Preise für Bus und Bahn in der Region Stuttgart um durchschnittlich 5,2 Prozent steigen. So lautet der Vorschlag des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS), an dem nun Kritik laut wird. Vor allem eine Ticketart steht im Fokus.

Richtig befriedigend ist das nicht gewesen, was die Regionalräte im Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) am Mittwoch absolviert haben: auf Vorschlag des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) sollen die Ticketpreise im Nahverkehr zum 1. September um 5,2 Prozent steigen – und der Einfluss der regionale Politik ist begrenzt.

 

So ist das im VVS angelegt: wenn ein Landkreis, die Landeshauptstadt Stuttgart oder der VRS die sich an den Kostensteigerungen der Verkehrsunternehmen orientierende Tariferhöhung nicht mitträgt, muss er das entstehende Finanzierungsloch stopfen. In den Jahren 2023 und 2024 stiegen die Ticketpreise um jeweils 7,5 Prozent und 7,9 Prozent.

Kritik am Preissprung bei kurzen Fahrten

Elmar Steinbacher (CDU/ÖDP) sprach vom jährlich wiederkehrenden „Dilemma“. Man wolle guten Nahverkehr zu erschwinglichen Preisen. „Vor allem geht es um Einsteigerpreise für die, die den Nahverkehr ausprobieren wollen. Da passt eine Erhöhung beim Kurzstreckenticket von 2 auf 2,10 Euro nicht so recht“. Auf eben diesen Kostensprung für den Fahrschein für den Kurztrip gingen auch Sprecher von SPD und Freien Wählern ein. Auch wenn Dank des Deutschlandtickets „die Tariferhöhungen ihren Schrecken verloren haben, so ist der Sprung beim Kurzstreckenticket kontraproduktiv“, sagte Thomas Leipnitz (SPD). Karl-Heinz Balzer (FW) nannte den Preis fürs Kurzstreckenticket eine „Hemmschwelle“.

Ruf nach Sicherheit beim Deutschlandticket

André Reichel (Grüne) betonte die Bedeutung des Deutschlandtickets. Eine neue Bundesregierung müsse alsbald für Sicherheit sorgen. Dann könne der VVS auch die Struktur der übrigen und nicht mehr stark nachgefragten Tarife ausdünnen. Albrecht Braun (FDP) erinnerte daran, dass mit der Einführung des Deutschlandtickets auch die Hoffnung einherging, die verästelte Verbundstruktur in Deutschland zu bereinigen, was bisher noch nicht eingetreten sei.

Gegen die Stimmen von der SPD und den Linken/Piraten/SÖS stimmte der Verkehrsausschuss dem Tarifsprung zu, dessen Gründe zuvor VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian erläuterte. Es folgen nun noch Abstimmungen in Stuttgart und den Kreisen, ehe am 8. April der VVS-Aufsichtsrat final entscheidet.

Damit dreht sich die Preisspirale im Nahverkehr in Stuttgart und den Kreisen Ludwigsburg, Rems-Murr, Esslingen, Göppingen und Böblingen einmal mehr weiter. Nicht betroffen davon ist der Großteil der VVS-Kunden. Gut 80 Prozent der Fahrten im Verbundgebiet wird mit dem Deutschlandticket absolviert. Dessen Preis stieg nach einem Beschluss der Verkehrsminister der Länder zum Jahreswechsel von 49 auf 58 Euro pro Monat – was einer Preiserhöhung um rund 18 Prozent entspricht.