Die Preise für Tickets im Nahverkehr steigen weiter. Foto: //Arnulf Hettrich

Um 7,9 Prozent sollen die Ticketpreise zum 1. August im Bereich des Tarif- und Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) steigen. Im Rathaus stößt das auf Kritik. Widerstand gegen die Pläne könnte die Stadt aber teuer zu stehen kommen.

Begeisterung kommt im Rathaus der Landeshauptstadt Stuttgart bei niemanden auf. Die Reaktionen der Stadträtinnen und Stadträte im zuständigen Technikausschuss auf die Ankündigung des Tarif- und Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS), zum 1. August die Ticketpreise um satte 7,9 Prozent anzuheben, reichen von Empörung bis Verständnis. Was die Kommunalpolitiker neben dem kräftigen Dreh an der Preisschraube zusätzlich wurmt: Sie haben kaum einen Hebel, um die Entwicklung aufzuhalten. Mehr noch: Stellen sie sich quer, riskieren sie eine saftige Rechnung für die Stadtkasse.

 

Stadt müsste Ausfälle ausgleichen

Die Regularien des VVS sehen vor, dass der Gesellschafter, der sich der vom verbundeigenen Tarifausschuss vorgeschlagenen Preiserhöhung verschließt, für die dadurch entgehenden Fahrgeldeinnahmen geradestehen muss. Das ist eine starke Motivation, den jeweiligen Tarifsprüngen zumindest nicht im Weg zu stehen. Dem Wunsch vieler am Ratstisch, ihrem Unmut Luft zu machen, tat es aber keinen Abbruch. Rund anderthalb Stunden redeten sich die Mitglieder des städtischen Ausschusses für Stadtentwicklung und Technik die Köpfe heiß.

Zuvor hatte VVS-Chefin Cornelia Christian den Kommunalpolitikern dargelegt, wie es zur Bildung des neuen Preisgefüges gekommen ist. Doch insbesondere für den Geschmack von Björn Peterhoff (Grüne), Luigi Pantisano (Linksfraktion) und Lucia Schanbacher (SPD) fiel diese Erklärung zu dürftig aus. Beide forderten mehr Transparenz in künftigen Verfahren zur Preisbildung. „Wir haben ein Problem mit dem Prozess“, konstatierte Peterhoff. Die überdurchschnittliche Belastung bei den Kurzstreckentickets, deren Preis um mehr als elf Prozent steigen soll, nannte der Grüne „nicht akzeptabel“.

Erweitertes Kurzstreckenticket?

Dieser kräftige Aufschlag war auch in anderen Wortmeldungen als Problem identifiziert worden. Den Vorschlag von Armin Serwani (FDP), diese Härte dadurch abzufedern, dass Kurzstreckentickets zukünftig statt für drei für bis zu fünf Haltestellen gelten könnten, will die VVS-Chefin zumindest prüfen lassen. Diese Zusage garnierte sie allerdings mit dem Hinweis, dass auch die dadurch entstehenden Einnahmeausfälle ausgeglichen werden müssten.

Ruf nach weiteren Sozialtickets

Alexander Kotz (CDU) versuchte die teils engagiert vorgetragene Empörung mit dem Hinweis abzumildern, dass das Gros der VVS-Fahrgäste gar nicht von der anstehenden Preiserhöhung betroffen sei. 85 Prozent der Fahrgäste in den Bussen und Bahnen in der Stadt und der Region sind mit dem Deutschlandticket oder dem Jugendticket BW unterwegs. Für beide Fahrkartenangebote ändern sich die Preise nicht – das gilt auch für das von der Stadt Stuttgart angebotene Sozialticket.

Dass die Landeshauptstadt und der Kreis Göppingen die einzigen Gebietskörperschaften innerhalb des VVS sind, die ein solches verbilligtes Ticket anbieten, animierte mehrere Redner zu Appellen an die Adresse der Landkreise und der Region, ein vergleichbares Angebot einzuführen.

Klare Ansage an Land und Bund

Verärgert zeigten sich die Stadträtinnen und Stadträte über das Gebaren von Bund und Land in Sachen Deutschlandticket. Zwar sei das Nahverkehrsabo ein voller Erfolg, mit den Folgen würden aber Städte, Kreise und Verbünde allein gelassen. Das Land etwa ist weiterhin den sogenannten Anwendungsbefehl schuldig, ein Verwaltungsakt, der die Verbünde zur Anerkennung des Deutschlandtickets verpflichtet.

Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) tun das nur auf der Grundlage einer Anweisung von OB Frank Nopper. Dessen Leiter des Grundsatzreferats Klimaschutz, Mobilität und Wohnen, Martin Körner, erinnerte Land und Bund auch daran, dass sie in der Verpflichtung seien, weiterhin das Deutschlandticket zu finanzieren. „Wer bestellt, bezahlt auch.“