Judith Scheytt engagiert sich für den Klimaschutz. Seit einiger Zeit nimmt sie auch zum Nahostkonflikt Stellung. (Archivbild) Foto: Gottfried Stoppel

Die 18-jährige Judith Scheytt aus Weinstadt ist politisch engagiert. Dafür hat sie Preise erhalten. Einer wurde ihr aberkannt. Der Vorwurf: Antisemitismus. Der Vorgang löst Wirbel aus.

Judith Scheytt aus Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) hat Erfahrung mit Anerkennungen und Auszeichnungen. Aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements erhielt sie als 15-Jährige eine Einladung zu einem Fest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Im Juni vergangenen Jahres wurde die damals 17-jährige Schülerin für einen Podcast zum Thema „Letzte Generation“ von der baden-württembergischen Landtagspräsidentin Muhterem Aras geehrt.

 

In einem Gespräch mit unserer Zeitung schilderte sie damals, dass ihr Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Menschenrechte besonders am Herzen liegen. Sie sehe sich als Aktivistin, erzählte Judith Scheytt, die inzwischen mehr als 43 000 Follower auf Instagram hat. Ihre Videos auf Social-Media-Kanälen konzentrierten sich bereits im Laufe des vergangenen Jahres zunehmend auf den Nahostkonflikt.

Als der Verein Freunde des Adolf-Grimme-Preises Ende Januar dieses Jahres Judith Scheytt mit einem undotierten Ehrenpreis des Donnepp Media Awards auszeichnete, attestierte die Jury ihr „analytische Brillanz“, „tiefen Kenntnisreichtum“ und lobte ihre „pointierten und im besten Sinne herausfordernden Videoanalysen“. Judith Scheytt nehme sich konzentriert und unterhaltsam die gröbsten Verstöße gegen journalistische Professionalität und Integrität vor und dekonstruiere „Doppelstandards, Framings, Floskeln und Falschinformationen bis ins kleinste Detail“, lobte die Jury die Preisträgerin. Dabei gelte ihr Augenmerk „insbesondere der deutschen Nahost-Berichterstattung“.

Verein fordert Donnepp Media Award zurück

Was Anfang 2025 zu einer Auszeichnung führte, endet nun in einem großen Fiasko: In einem Instagram-Video hat Judith Scheytt publik gemacht, dass der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises bereits im April die Ehrung zurückgenommen habe. Der 18-Jährigen wird Antisemitismus vorgeworfen.

In einem Video zu diesem Thema berichtet Judith Scheytt, der Vorsitzende des Vereins habe ihr erzählt, ein christlicher Verein aus Köln mit Verbindungen zum Zentralrat drohe mit einer Medienkampagne, falls der Preis nicht entzogen werde. „Und das hätte das Potenzial, eine Lawine loszutreten, die Grimme und dem Verein großen Schaden anrichten könne, da man den Antisemitismusvorwurf ja nicht mehr loswerde“.

In ihrem Video führt Judith Scheytt weiter aus: „Außerdem wurde mir eröffnet, dass sie mich leider erst jetzt wirklich recherchiert haben und ich zu aktivistisch bin und das nicht zu so einem journalistischen Preis passt, was ich einen interessanten Vorwurf finde, denn ich habe mich nie als Journalistin bezeichnet und wurde auch von ihnen übrigens nie als Journalistin bezeichnet. Im Gegenteil.“

Verein: Beiträge widersprechen Anforderungen des Awards

Jörg Schieb, der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Freunde des Adolf-Grimme-Preises, sagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), Scheytts Instagram-Videos wiesen eine „systematische Verzerrung und selektive Kontextualisierung des israelisch-palästinensischen Konflikts“ auf. Die Aberkennung sei nach „intensiver Einzelprüfung aller Videos aufgrund einer ernsthaften Beschwerde“ erfolgt. „Während vor der Preisverleihung noch – im weitesten Sinne – Medienkritik im Vordergrund stand, sind die Inhalte mittlerweile zu ungefilterten aktivistischen Beiträgen geworden, die den Satzungsanforderungen des Awards widersprechen“, so Schieb.

Judith Scheytt Foto: StZN/Gülay Alparslan

Die Entscheidung zum Entzug des Preises habe der Verein „mit einer 39-seitigen wissenschaftliche Analyse meines Antisemitismus anhand vier meiner Videos“ begründet, berichtet Judith Scheytt. Analysiert wurden die Videos „Geisel“, „Boykott“, „Tagesschau“ und „Völkerrecht“. Die Analyse wirke, als sei eine KI am Werk gewesen und sie enthalte Rechtschreibfehler, während Quellenangaben fehlten, kritisiert Judith Scheytt.

Entzug des Donnepp Media Awards schlägt Wellen

Der Entzug des Preises schlägt jetzt hohe Wellen. Die Journalistin Annika Schneider – sie war im Januar die Hauptpreisträgerin – hat ihren Preis aus Protest zurückgegeben. „Dass Judith Scheytts Arbeit einseitig ist, ist wenig überraschend: Sie ist keine Journalistin, sondern bezeichnet sich als Aktivistin“, stellt Annika Schneider klar und sagt, glaubwürdige Belege für Antisemitismus habe der Vereinsvorstand bisher nicht vorgelegt. Ebenso wenig habe der Verein die anderen Preisträger, geschweige denn die Öffentlichkeit, darüber informiert, dass er von Judith Scheytt den Preis zurückgefordert habe.

Auf der Internetseite des Vereins Freunde des Adolf-Grimme-Preises werden die Preisträger seit 1991 aufgelistet – allerdings nur bis zum Jahr 2023. Auf der Internetseite des Grimme-Instituts, in dessen Räumen die Preisverleihung im Januar stattfand, ist die Pressemitteilung mit den Namen der damals Geehrten nach wie vor zu finden. Auf eine Anfrage der Katholische Nachrichten-Agentur hin betonte das Grimme-Institut, der Donnepp Media Award sei kein von ihm vergebener Preis und werde unabhängig vergeben. Fragen zur Aberkennung könne man daher nicht beantworten.