Mona Ardeleanu: Neben einem Preisgeld gehört eine Ausstellung im Galerieverein zu ihrer Auszeichnung. Foto: Simon Granville

Die Stuttgarter Künstlerin Mona Ardeleanu bekommt am Sonntag den Hannes-Burgdorf-Preis im Galerieverein überreicht. Bei ihren Werken lohnt das mehrfache Hinsehen.

Ein Tuch in vielen Falten, auf das von oben vom blauen Himmel Sterne herabregnen. Unten drei Sterntaler, die diese aufsammeln, dazu zwei Rehlein, Bäume und Berge – es ist eine Szenerie wie aus Grimms Märchen. Das Ganze könnte an einen Lampenschirm erinnern, zumal der Sterntaler oben in der Mitte von einem weißen Lichtschein umgeben ist. Aber der Schein trügt. Unten lugt ein Ballon hervor, über den das Tuch gespannt ist. Und unten am Ballon ist eine Nadel: er könnte also jederzeit platzen. Dieses Bild, auf das der Besucher gleich beim Betreten des Galerievereins Leonberg zuläuft, ist typisch für das Schaffen der Stuttgarter Künstlerin Mona Ardeleanu. An diesem Sonntag, 18. Januar, bekommt sie hier den Hannes-Burgdorf-Preis verliehen.

 

„Schwerkraft und Gleichgewicht funktionieren da nicht mehr“

Bei den Arbeiten von Mona Ardeleanu trifft man auf fantasievolle, skurrile Objekte, die auf den ersten Blick an Vertrautes erinnern. So zitiert die Künstlerin bekannte Muster wie beispielsweise die von Delfter Porzellan. Aber „da gibt es Elemente, die eigentlich nicht zusammen gehören“, erklärt die Künstlerin. Sie führt vieles, was gewohnt ist, in einem neuen Kontext zusammen. Das wirkt manchmal irritierend. Bei näherem und mehrfachem Hinsehen entdeckt man auf ihren Bildern aber immer neue Details und Unerwartetes.

„Ich zitiere ungern aus der Historie“, sagt Mona Ardeleanu, die immer wieder betont, dass sie vom Graffiti und vom Comic her komme. Sie spielt nicht nur mit Formen. „Ich arbeite assoziativ.“ Sie findet etwas, sieht etwas und entwickelt dies weiter. Innerhalb der Bilder stellt sie immer wieder Bezüge her. So schauen beispielsweise aus einem Handschuh, auf dem bunte Blumen zu sehen sind, die Flügel eines Schmetterlings heraus. Die Objekte schweben bei Mona Ardeleanu auf dem Hintergrund. „Es ist ein Bildraum“, sagt die Malerin über die Hintergründe. „Schwerkraft und Gleichgewicht funktionieren da nicht mehr.“

Der Preisstifter ist seit Jahrzehnten ein Freund der Kunst

Am Sonntag bekommt Mona Ardeleanu den Hannes-Burgdorf-Preis im Leonberger Galerieverein überreicht. Bei dem Preis, der alle drei Jahre und nun zum fünften Mal vergeben wird, ist das Preisgeld von 10 000 Euro mit einer Einzelausstellung im Galerieverein und einem Katalog zur Schau verbunden.

Hannes Burgdorf ist Kunstliebhaber und -förderer. Foto: Simon Granville

Der Stifter des Preises ist der inzwischen 82-jährige Unternehmer Hannes Burgdorf aus Leonberg. Er weiß, dass nur drei Prozent der Künstler von ihrer Kunst leben können. „Ich habe Glück gehabt im Leben. Wir sind finanziell gut gestellt. Auch der Firma geht es gut“, sagt Burgdorf über den Grund, warum er – unter anderem – diesen Preis stiftet.

Der Unternehmer hat sich schon während seines Studiums der Betriebswirtschaft für Kunst interessiert. „Mit Grafik fing es an“, sagt Burgdorf über seinen Erwerb von Kunstwerken. Sein Geschmack wandelte sich über die Jahre: Über die schwäbischen Impressionisten ist er schließlich zur informellen, gegenstandslosen Kunst gekommen. „Kunst muss nicht schön, sondern spannend sein,“ ist er überzeugt. Die Zahl der gekauften Kunstwerke ist so angewachsen, dass die Räume seines Hauses und der Garten dafür nicht mehr ausreichen. So verwundert es nicht, wenn Hannes Burgdorf sagt: „In vielen Räumen steht etwas, das nicht hängt.“

Künstlerin im Gespräch

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Sonntag, 18. Januar, um 11.15 Uhr im Leonberger Galerieverein eröffnet. Es ist ein Künstlergespräch vorgesehen, das die Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, Christiane Lange, mit Mona Ardeleanu führt.