Foto: Pascal Thiel

Die Gemeinde Ruderberg ist für die neue Ortsdurchfahrt mit einem Anerkennungspreis beim Deutschen Verkehrsplanungspreis ausgezeichnet worden.

Rudersberg - Einen Platz hinter Kassel, auf Augenhöhe mit Hamburg – die Gemeinde Rudersberg hat am Donnerstagabend für die Neugestaltung ihrer Ortsdurchfahrt bundesweite Meriten eingefahren. Beim deutschen Verkehrsplanungspreis der Vereinigung für Städte-, Regional- und Landesplanung (SRL) wurde die 11 000-Einwohner-Kommune im Wieslauftal mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. „Eine Gemeinde erobert ihre Ortsmitte zurück“, hatte das Konzept geheißen, das eine umfangreiche Verkehrsberuhigung im Hauptort trotz zweier durchlaufender Landesstraßen zu Ziel hatte, auf denen pro Tag jeweils bis zu 8000 und 13 000 Fahrzeuge unterwegs gewesen sind.

Die Würdigung der Rudersberger Umgestaltung, die nach langer Vorplanung in den Jahren 2013 bis 2015 realisiert wurde, hat die Leiterin des Karlsruher Stadtplanungsamtes, Anke Karmann-Woessner, übernommen. Sie habe die Vorbildfunktion des Projektes hervorgehoben und es „richtungsweisend für Kommunen dieser Größe in Deutschland“ genannt, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rudersberger Rathaus. Die Würdigung sei bei der Verleihung des Preises die längste gewesen, sagte der Bürgermeister Martin Kaufmann, der mit vier Fraktionsvertretern und seinem Bauamtsleiter nach Berlin gereist war. Da auch der Applaus dafür der längste gewesen sei, ist der SPD-Bürgermeister sicher: „Wir sind die Sieger der Herzen“.

Auf mehreren hundert Metern Länge sind in Rudersberg zwei Landesstraßen umgebaut worden, welche den Ort durchqueren. Nach einem Bürgerentscheid gegen eine Umgehungsstraße im Jahr 2007 hatten 2009 die Planungen begonnen, welche die Gemeinde mit auswärtigen Büros umsetzte, etwa dem Büro Richter und Richard aus Aachen. Ein „verträgliches Miteinander zwischen den unterschiedlichen Verkehrsarten“ und eine höhere Aufenthaltsqualität sei das Ziel gewesen, heißt es vonseiten der Gemeinde. Dazu habe man den „geschickten Einsatz einfacher und kostengünstiger Mittel“ gewählt.

Gut ein Jahr nach der Fertigstellung sieht sich Bürgermeister Martin Kaufmann in seinen Zielen bestätigt. Der Lastwagenverkehr habe um 30 bis 40 Prozent abgenommen, im Ort habe sich die Verkehrssicherheit erhöht. Das Projekt werde bundesweit wahrgenommen, immer wieder besuchten Delegationen aus anderen Kommunen die umgestaltete Ortsmitte. Inzwischen bekommt Rudersberg für sein Vorgehen auch Unterstützung von Landesseite. „Aus einer Ortsdurchfahrt für Autos wurde ein öffentlicher Straßenraum, der einlädt, zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto mobil zu sein“, wird der Grüne Verkehrsminister Winfried Hermann in einer Mitteilung zitiert. Zu Beginn sei das Projekt aus Stuttgart wenig gefördert worden, sagt Martin Kaufmann. Nach der Fertigstellung erlebe er jedoch „eine breite Akzeptanz“.

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