Foto: Stiftung

Die Gips-Schüle-Stiftung aus Bad Cannstatt würdigt fachübergreifende Promotionen.

Stuttgart - Technik für den Menschen – das ist das Motto, nach dem die in Stuttgart ansässige Gips-Schüle-Stiftung jetzt in Ulm drei junge Nachwuchswissenschaftler aus dem Land ausgezeichnet hat. Mit dem ersten Preis, der mit 10 000 Euro dotiert ist, wird Sven Herrmann geehrt, der an der Universität Ulm promoviert hat. Sein Thema waren ionische Flüssigkeiten – also Salze, die bei Temperaturen unter 100 Grad flüssig sind. Zudem warb der Nachwuchsforscher weitere 10 000 Euro für seine Uni ein, und zwar mit dem erstmals vergebenen „Gips-Schüle-Rektor-Stipendium“.

Was Herrmanns Arbeit für den Nachwuchspreis interessant gemacht hat, ist der Anwendungsbezug: Auf Basis dieser Salze hat der Chemiker ein Filtermaterial entwickelt, das nicht nur preislich attraktiv ist, sondern sich auch leicht in der Praxis einsetzen lässt. Dabei wird das Filtermaterial auf einen Träger aus Silikatgranulat aufgebracht und beides in herkömmliche Filterkartuschen integriert.

Mit dem Filter lassen sich nicht nur organische Verunreinigungen wie etwa Pestizide aus Wasser herausfiltern, sondern auch giftige Metalle wie Chrom und Blei sowie radioaktive Substanzen. Das chemische Prinzip basiert dabei auf den Eigenschaften der flüssigen Salze, zu denen hohe Haftfähigkeit, besondere chemische Stabilität sowie ungewöhnliches Lösungsverhalten gehören. Diese Kombination macht es auch möglich, dass mit den Filtern nicht nur Flüssigkeiten, sondern auch belastete Luft gereinigt werden kann. Selbst als Rostschutz in der Industrie eignen sich die ionischen Flüssigkeiten, die sich gezielt für bestimmte Aufgabengebiete und Probleme „maßschneidern“ lassen.

Innovationspotenzial und Anwendungsbezug – die beiden Hauptkriterien für diesen Nachwuchspreis – zeichnen auch die Promotion des Zweitplatzierten aus, die mit 5000 Euro Preisgeld gewürdigt wird: Can Dincer von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat eine elektrochemische Plattform für Biosensoren entwickelt, mit deren Hilfe eine genaue Diagnose von Krankheiten bereits in einem frühen Stadium möglich wird. So lassen sich zum Beispiel innerhalb von nur zehn Minuten wichtige Informationen über verschiedenen Antibiotika im Blutplasma erhalten.

Der mit 2500 Euro dotierte dritte Preis ging an Alexandra Schade vom Karlsruher Institut für Technologie, ebenfalls für ein chemisches Thema: Sie erforschte sogenannte poröse Materialien, die wegen ihrer großen Oberfläche etwa bei der Abwasserreinigung oder beim effizienteren Einsatz von Narkosegasen wichtig sind.

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