Winterurlaub Fotografieren beim Bergwandern

Von Julian Wenzel 

Eines der favorisierten Reiseziele sind seit vielen Jahren die Berge – egal ob Alpen, Bayrischer Wald oder Himalaya. Doch wie bringt man die besten Bilder vom Bergurlaub mit nach Hause? Wir geben Tipps.

Wann waren Sie das letzte Mal in den Bergen unterwegs? Mehrere Stunden anstrengender Aufstieg bis man es auf den belohnenden Gipfel geschafft, hat gehören zum Urlaub in den Bergen dazu. Klar, dass diese Glücksmomente einer Bergtour festgehalten werden sollen. Doch welche Motive lohnen sich überhaupt?

Die richtigen Motive auf dem Berg

Wer nicht speziell zum Fotografieren auf den Berg wandert oder mehrtägige Touren mit Übernachtung unternimmt, hat oft ein Problem: das Licht am Berg. Denn meist ist man ganz oben, wenn die helle und kontrastarme Mittagssonne das Panorama erleuchtet und nicht das fotografsch reizvollere Morgen- oder Abendlicht. Ich mache daher nur selten die üblichen Panoramabilder.

Lieber suche ich nach kontrastreicheren Motiven in meiner direkteren Umgebung oder versuche durch außergewöhnliche Bildkompositionen das langweilige Licht in den Bildern zu kaschieren. Ich baue beispielsweise gerne Seile oder Steinketten, die den Weg zum Gipfel begleiten, in Bilder ein. Die daraus entstehenden Linien ziehen den Betrachter ins Bild und sorgen für mehr Spannung.

Ebenfalls ein beliebtes Motiv bei allen Bergwanderern: das Gipfelkreuz. Ich gestehe, dass auch ich gerne diese Art des Beweisbilds schieße. Deswegen muss es aber nicht immer gleich aussehen. Sich selbst vor das Gipfelkreuz zu stellen und aus zwei Metern Entfernung ein Bild schießen zu lassen, ist wenig reizvoll. Abwechslungsreicher ist es, das Gipfelkreuz aus einiger Entfernung zu fotograferen und die Landschaft und den Gipfel ins Bild zu integrieren.

Ist man zu zweit unterwegs, kann man dieses Bild abwechselnd voneinander schießen. Die Betrachter zu Hause werden begeistert sein, wenn sie durch das Bild ein Gefühl dafür bekommen, wie klein der Mensch im Vergleich zur ihn umgebenden Natur ist. Anstatt einfach nur wieder das gleiche Gipfelkreuzbild zu sehen. Hier gilt einfach: Ausprobieren und bewusst die Standardmotive vermeiden.

Weniger Equipment ist mehr

Ein ewiges Problem der Bergfotografie: das Gewicht des Equipments. Jedes Gramm weniger im Kamerarucksack ist bei Auf- und Abstieg willkommen. Große und schwere Spiegelreflexkameras wie die Canon 5D Mark IV sind also nur bedingt die richtige Wahl. Kleine Systemkameras wie die Sony Alpha 6500 oder auch Olympus und Panasonic Modelle überzeugen durch Kompaktheit, trotzdem gute Bildqualität und sind somit oft die praktischere Wahl am Berg.

Doch welches Objektiv sollte mit in den Rucksack? Lichtstarke Festbrennweiten (wie das Sigma 50mm F1,4 DG HSM Art) sind unnötig schwer, unflexibel und können deswegen meist im Tal bleiben. Die Vorteile und gestalterischen Eigenheiten einer offenen Blende werden am Berg ohnehin selten gebraucht. Praktischer sind Zoom-Objektive. Ihr Weitwinkelbereich ermöglicht die Erfassung großer Landschaften, ihr Telebereich bietet die Möglichkeit Tiere oder Details festzuhalten. Super-Zoom-Objektive sind durch ihren großen Brennweitenbereich die Schweizer Taschenmesser in der Bergfotografe.

Dazu zählt das Sigma 18-300/3,5-5,6 DC Makro OS HSM oder das Tamron AF 16-300/3,5-6,3 Di II VC PZD. Ihre Makrofunktion ermöglicht zusätzlich nahe Blumen- und Tierfotografe. Natürlich geht diese Allzweckfähigkeit zu Lasten der Qualität. Schärfe, Kontrast und Vignettierung sind nicht vergleichbar zu hochwertigen Objektiven. Hier gilt es abzuwägen, ob einem Flexibilität oder Qualität wichtiger sind.

Qualitativ besser sind hochwertige Zoom-Objektive wie das Sigma 24-105mm F4 DG OS HSM Art. Allerdings müssen hier Abstriche im Brennweitenbereich gemacht werden. Grundsätzlich gilt es daher, sich vorab Gedanken zu machen, welche Bilder man machen möchte.

Praktisches Zubehör

Ein praktisches Zubehör bei Landschaftsaufnahmen können Grauverlaufsfilter sein. Damit lassen sich überstrahlte Himmel vermeiden und Zeit in der Nachbearbeitung sparen. Außerdem ein günstiges Zubehör, das sich lohnt einmal auszuprobieren. Wichtiger Begleiter, wenn man Langzeitbelichtungsaufnahmen machen möchte, ist außerdem ein gutes Stativ. Auch hier kann man beim Gewicht sparen. Die maximale Höhe des Stativs ist auf dem Berg nicht sonderlich relevant, weswegen sich auch kleine Reisestative eigenen. Wichtiger ist, aus welchem Material der Begleiter besteht. Carbon ist sehr leicht, stabil und widerstandsfähig.

Mein absolutes Lieblingsstativ kommt von Sirui. Es wiegt nur rund ein Kilogramm, lässt sich kompakt zusammenfalten und ist trotz des Leichtgewichts auch für schwerere Kameras geeignet. Denn in der Mitte befndet sich ein Haken: Dort lässt sich der Kamerarucksack aufhängen und das Stativ durch das zusätzliche Gewicht stabilisieren. Außerdem bietet es herausdrehbare Spikes an den Füßen, was für einen guten Halt auch auf felsigem Gelände sorgt.

Wer in Sachen verwacklungsfreie Bilder zusätzlich auf Nummer sicher gehen möchte: Fast alle modernen Kameras bieten auch eine Auslösung via App. Ein extra Fernauslöser ist dann nicht mehr notwendig. Zusätzlich lassen sich so komfortabel Einstellungen ändern, Bilder vorschauen oder kreative Kamerapostionen leichter ausprobieren.

Auf Wetterschutz achten

Zum Abschluss noch ein wichtiger Tipp: Packen Sie für jedes Teil des Equipments einen ausreichend großen Zip-Beutel im Rucksack. In den Bergen kann das Wetter trotz gegenteiliger Vorhersage schnell umschlagen. Ich musste selbst einmal die leidvolle Erfahrung machen: Obwohl ich auf einen wetterfesten Rucksack geachtet hatte, ruinierte ich mir mein Smartphone. Das Wasser lief über eine kleine undichte Stelle in den Rucksack und setzte den Innenraum zentimeterhoch unter Wasser.

Meine Kamera hatte ich damals glücklicherweise nicht dabei. Seitdem packe ich mein Equipment bei Regen in Zip-Beutel und kann beruhigt weiterwandern. Ohne Wasserschaden und mit guten Bildern im Gepäck.

Zum Autor: Julian Wenzel war das erste Mal beim Bergwandern, da war er noch gar nicht geboren. Die Faszination für die Berge hat sich damals übertragen. Seitdem versucht er so oft wie möglich in die Berge zu kommen. Seit etlichen Jahren immer mit dabei: seine Kamera. Je nach Tour füllt das Equipment mal nur ein kleines Eck oder sogar fast den gesamten Wanderrucksack aus.