Das alte Gerät hat ausgedient. Foto: Lotus Media

Die Lotus Media GmbH hat das Mediaboard am Pragsattel in luftiger Höhe ausgetauscht. Die Auflösung ist besser – und es ist energiesparender als das Vorgängermodell.

Der Hochbunker am Pragsattel dürfte eines der bekanntesten und markantesten Bauwerke in Stuttgart sein. Da ist sich der Verein Schutzbauten ziemlich sicher. „Im Volksmund wird dieses Bauwerk wegen seiner Werbung der Firma Bosch am Dach ,Bosch-Turm‘ genannt“, sagt der Vorsitzende Rolf Zielfleisch. Doch nicht nur dieses Unternehmen ist an der Heilbronner Straße 239 werbetechnisch präsent.

 

Die Lotus Media GmbH ist Besitzer des Mediaboards am Hochbunker und hat das alte nun ersetzt. „Es ist in die Jahre gekommen und brachte zuletzt so einige Schwachstellen mit sich: häufige Reparaturen, nicht verfügbare Ersatzteile, hohe Energiekosten und eine Technik, die nicht mehr dem aktuellen Stand entsprach“, erklärt die Geschäftsführerin Estelle Krell. Das neue LED-Board besteche durch viele Verbesserungen. Durch ein größeres Farbspektrum und der Verwendung von „Dynamic White“ würden die Werbeinhalte in einer klarerer Qualität gezeigt werden können, so Estelle Krell. „Dieses Medium ist immer noch das größte LED-Board in Baden-Württemberg mit bis zu 249 000 Blickkontakten am Tag.“ Es benötige deutlich weniger Strom als das Vorgängermodell. Die durchschnittliche Leistungsaufnahme läge nun bei 19 Kilowatt, beim alten Board seien es 60 Kilowatt gewesen.

Auf dem Dach waren drei Flakgeschütze

Der Hochbunker am Pragsattel ist 1941/1942 entstanden. Paul Bonatz zeichnete für die Gestaltung verantwortlich. „Wenn man den von ihm geschaffenen Wasserturm von 1911/12 im Degerlocher Wald betrachtet, ist der Bunker am Pragsattel sein großer Bruder“, heißt es beim Verein Schutzbauten.

Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich auf dem Dach drei Flakgeschütze. Die Munition für diese Geschütze wurde mit dem Aufzug in den vorletzten Stock transportiert und dann von den Soldaten oder Flakhelfer bis auf das Dach geschleppt. Für die Besatzungen gab es auf dem Dach in der Mitte noch einen Splitterschutzraum.

Auch die Matratze eines Bettnässers war noch zu gebrauchen

Nach dem Krieg wurde der Bunker als Wohnheim für Männer genutzt. 1955 waren dort 130 Menschen untergebracht. „Die Zustände waren erbärmlich“, schreibt der Verein Schutzbauten auf seiner Internetseite. „Zwei Männer teilten sich einen Raum von 5 Quadratmetern. Sie zahlten dafür 6 Mark Miete je Woche.“ Aus den Lüftungsrohren kam Staub und Schmutz, der sich an den Wänden und an den Möbeln ablagerte. Wenn ein Bewohner auszog, erhielt der Nachfolger dessen Matratze ohne jegliche Reinigung. Zum 9. Januar 1964 wurde der Pragbunker geräumt. Die dort untergebrachten Männer bezogen ein Wohnheim der Heilsarmee an der Hauffstraße und in dem 1963 neu eröffneten Heim an der Nordbahnhofstraße.

Danach wurde der Bunker wieder dem Zivilschutz zugeführt und für die Belange des Kalten Krieges umgebaut. Im oberen Stockwerk wurden Räume für eine Messstelle der Radioaktivität eingerichtet.