Vor 15 und nach 19 Uhr dürfen im Skatepark am Pragfriedhof zurzeit keine Bretter rollen. Foto: Leif Piechowski

Die Landeshauptstadt tut sich schwer mit jungen Sportarten. Eine seit Jahren geplante Downhill-Strecke wartet weiter auf ihre Realisierung. Immerhin: Für die teure Skateboard-Anlage am Pragfriedhof, die Sportler aus Lärmschutzgründen zurzeit nur stundenweise benutzen dürfen, zeichnet sich eine Lösung ab.

Die Landeshauptstadt tut sich schwer mit jungen Sportarten. Eine seit Jahren geplante Downhill-Strecke wartet weiter auf ihre Realisierung. Immerhin: Für die teure Skateboard-Anlage am Pragfriedhof, die Sportler aus Lärmschutzgründen zurzeit nur stundenweise benutzen dürfen, zeichnet sich eine Lösung ab.

Stuttgart - Florian Bürkle hat sein Brett dabei – so als wollte er sagen: Mir ist es ernst mit meinem Anliegen. Bürkle ist 37 und selbstständiger Produktdesigner. Er trägt weder Schlabberlook noch Wollmütze, entspricht also nicht dem Klischee eines Skateboarders. „Bisher bin ich mit meiner Familie wochenends in den Skatepark gekommen, das geht jetzt leider nicht mehr“, sagt er. Zusammen mit Thomas Kienle (33) und Sabine Schumann (29) vom Verein Boardrider Organization Stuttgart (Boost) ist er am Donnerstag ins Rathaus gekommen. Das Trio spricht bei Oberbürgermeister Fritz Kuhn vor und übergibt 3500 Unterschriften. Die Unterzeichner werben dafür, die Nutzungszeiten des Skatparks am Pragfriedhof wieder auszudehen.

Seit August 2013 erlaubt die Stadtverwaltung dort das Skateboardfahren nur noch an Werktagens zwischen 15 und 19 Uhr. Nachbarn hatten sich über Lärm beschwert und der Stadt mit dem Gang vor Gericht gedroht. Eine Anwohnerinitiative bewertete die Einschränkung als „einem Schritt in die richtige Richtung“. Schwer vorstellbar, dass sich die Anwohner ein halbes Jahr später umstimmen lassen, zumal die Anlage dank ihres hohen Standards auch Skater aus dem Ausland angelockt hatte.

Die Stadt ist aber wohl entschlossen, den Skatepark wieder länger zu öffnen. Die verkürzten Öffnungszeiten seien Folge eines Interessenkonflikts und „nicht behördliche Schikane“, sagt Oberbürgermeister Fritz Kuhn, als er den Aktenordner mit den Unterschriften entgegennimmt. Er stellte jedoch eine Lösung in Aussicht. 180 000 Euro stehen dafür zur Verfügung, ergänzt Volker Schirner, Leiter des zuständigen Garten-, Friedhofs- und Forstamts. „Ziel ist eine bauliche Lösung, die Anwohnern, Skatern und der künftigen Wohnbebauung Rechnung trägt.“ Neben dem Skatepark sollen 500 Wohnungen entstehen. Möglicherweise erhält die Anlage eine Überdachung. Entschieden werden soll das laut Schirner im März, wenn der Arbeitskreis Spielflächen das nächste Mal tagt.

Universeller Treff

Ein Skatepark ist vom Status her vergleichbar den rund 130 Bolzplätzen in Stuttgart. Auch bei denen kommt es immer wieder zu Beschwerden. Viel Wirbel hatte 2009 die Schließung eines Feldes in Zuffenhausen-Rot entfacht – jenes Platzes, auf dem Ex-VfB-Star Hansi Müller einst das Kicken lernte. Wie bei Bolzplätzen versagt auch beim Skatepark geltendes Recht, wonach Kinder bis 14 Jahre unbehelligt toben dürfen, Älteren jedoch auf dem Klageweg Einhalt geboten werden kann.

Der Skatepark sei wie ein Bolzplatz eine Art universeller Treff, sagt Kienle. „Es kommen Menschen quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten, da skatet der 50-jährige neben dem 15-Jährigen.“ Die Boost-Vertreter wollen deshalb wieder länger skaten können und plädieren in Zukunft langfristig für Lärmschutz in Form einer Überdachung. Eine solche war ursprünglich geplant, fiel aber wie eine Halfpipe dem Rotstift zum Opfer. Herzstück der Anlage ist zurzeit eine so genannte Bowl, ein 400 Quadratmeter großes Betonbecken mit abgerundeten Kannten. Der Bau der 2009 eröffneten Anlage hatte zusammen mit angrenzendem Bolzplatz und Beach-Feld 1,7 Millionen Euro gekostet.

Im Trendsportbereich hat die Stadt auch auf anderem Terrain große Probleme, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. So lässt der Bau einer Downhill-Strecke durch die Dornhalde unterhalb von Degerloch seit zwei Jahren auf sich warten. Der Knackpunkt: Der geplante Rad-Parcours führt durch ein Landschaftsschutzgebiet. Um hier bauen zu dürfen, bedarf es einer besonderen Erlaubnis, müssen strenge Auflagen erfüllt sein. Ausgleichsmaßnahmen im Wald, der Schutz der anderen Waldnutzer und mehr muss belegt sein, ehe es die Ausnahmegenehmigung gibt. „Dieser Klärungsprozess zieht sich hin und stellt uns immer wieder vor Probleme“, sagt der Leiter des Sportamts, Günther Kuhnigk. Ziel ist vor allem, mit einer offiziellen Strecke das verbotene Querfeldeinradfahren im Wald einzudämmen. Aber wer kontrolliert das? Nicht ausgeschlossen, dass es am Ende heißt: Downhill in einer Großstadt geht nicht.

Dabei hat sich in Stuttgart wie bei den Skatern eine lebendige Downhill-Szene mit mehreren hundert Fahrern etabliert. Trendsportarten in der Großstadt – eine Herausforderung für Stuttgarts Verwaltung.

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