Bei Einsätzen, bei denen mit einer gesundheitlichen Belastung durch giftigen Brandrauch zu rechnen ist, tragen die Feuerwehrleute Atemschutzgeräte. Foto: dpa

Im Brandrauch befinden sich Giftstoffe. Feuerwehrleute sind diesen ausgesetzt – und damit einem erhöhten Krebsrisiko. Feuerwehrleute von der Filderebene berichten, wie dem begegnet wird.

Filder - Wenn es brennt, wird die Feuerwehr gerufen. Um den Brand zu löschen, begeben sich die Einsatzkräfte oftmals in einen Raum voller Flammen und Rauch. Letzterer beinhaltet viele giftige Stoffe, die auch krebserregend sein können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Anzahl an Elektrogeräten im Haushalt steigt und Möbel aus anderen Materialien hergestellt werden. „Arsen, Asbest und Brom gehören zu den giftigsten Stoffen“, erklärt Yves-Pascal Pasquini von der Landesgruppe der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG). Pasquini wohnt in Leinfelden-Echterdingen. Feuerwehrleute seien solchen Gasen ausgesetzt. Die krebserregenden Stoffe gelangen über die Atemwege, aber auch über Hautporen in den Organismus. Laut Studien, auf die sich die DFeuG bezieht, ist das Krebsrisiko nach 15 Jahren Berufsfeuerwehr um 30 Prozent höher.

Mit Ruß verschmiert kehrt keiner mehr vom Einsatz zurück

Dieses Risiko soll verringert werden; eine gute Schutzausrüstung darf hierfür nicht fehlen. „Zu Einsätzen, bei denen mit einer gesundheitlichen Belastung durch giftigen Brandrauch zu rechnen ist, wird prinzipiell die komplette persönliche Schutzausrüstung inklusive Atemschutz getragen“, sagt Pasquini. „Die Zeiten, als Feuerwehrleute mit Ruß verschmiert von Einsätzen zurückkamen, sind längst vorbei. „Heutzutage haben viele Feuerwehren unterschiedlichste Vorgehensweisen, um nach dem Einsatz Kontakt mit giftigen Stoffen zu vermeiden. „Eine einfache Methode ist die Zwiebel-Methode. Feuerwehrleute, die in Kontakt mit Rauch und somit giftigen Stoffen kommen, werden noch vor Ort aus der verunreinigten Einsatzkleidung geschält“, erklärt Pasquini.

Hierbei wird der Kontakt zur Haut vermieden. Danach wird die Kleidung in Säcke gepackt und zur Reinigung gebracht. „Früher wurde die Einsatzkleidung selten gereinigt, teils sogar zu Hause“, erzählt Pasquini. Die krebserregenden Stoffe gelangten so in die Haushalte der Feuerwehrleute. Während und direkt nach einem Einsatz dürfen die Lebensretter keine Nahrung zu sich nehmen. Bevor sie etwas trinken oder essen, müssen sie Hände und Gesicht waschen. Hygiene spielt sowieso eine große Rolle. Die krebserregenden Stoffe sollen so schnell wie möglich abgewaschen werden.

Prävention wird beim Neubau der Wache berücksichtigt

Dies wird beim Neubau der Rettungswache 5 der Stuttgarter Feuerwehr auf den Fildern beachtet. Vom bisherigen Standort in Degerloch zieht die Wache nach Möhringen. Von nächstem Jahr an sollen die Einsätze dort starten und enden. Es wird dann eine Brandschutz-Hygiene-Schleuse geben. „In diesem von außen zugänglichen Komplex werden zunächst die Stiefel gereinigt, die Hände gewaschen, alle Kleidung abgelegt, geduscht und anschließend bereitgelegte Poolkleidung angelegt“, erklärt Christopher Haigis, Sprecher der Feuerwehr Stuttgart.

Prävention ist ein wichtiger Bestandteil der Feuerwehr-Arbeit. Pasquini hat das Gefühl, dass man junge Feuerwehrleute besser für das Thema sensibilisieren könne, weil sie es von der Pike auf lernen, sich zu schützen. Sebastian Zaiser, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Sillenbuch, sagt dazu: „Alle nehmen es ernst.“

Regelmäßig werde das Thema angesprochen, und bei Einsätzen sowie Übungen werde genau auf die Ausführung der Vorsichtsmaßnahmen geachtet. Zaiser erzählt: „In den 1980er Jahren wurde es als Schwäche wahrgenommen, wenn ein Feuerwehrmann eine Atemschutzmaske trug.“ Heute sei das anders. Angst vor dem erhöhten Krebsrisiko hat Zaiser nicht. „Man kennt die Gefahr. Kampfhunde und exotische Tiere vorzufinden, wäre unberechenbarer“, so Zaiser.

In anderen Ländern ist Krebs eine Berufskrankheit

In Ländern wie Kanada und Dänemark ist Krebs bei Feuerwehrleuten übrigens sogar als Berufskrankheit anerkannt. Vertreter der hiesigen Wehren – nämlich Pasquini, Zaiser und Haigis – sind sich einig, dass dies auch in Deutschland wünschenswert wäre. Haigis sieht darin allerdings ein „schwieriges Unterfangen“. Krebs könne schließlich auch zufällig entstehen.

Jochen Thorns, der Stadtbrandmeister und Kommandant der Feuerwehr in Filderstadt, warnt jedoch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Man solle die Ergebnisse weiterer Studien abwarten. Er erzählt aber: „Hygiene am Einsatzort ist nichts Neues.“ Eine ausziehbare Waschstation sei in den Wagen integriert. Denn es bestehe kein Zweifel daran, dass Feuerwehrleute einigen Gefahrstoffen ausgesetzt sind. „Brandrauch ist ein Gift-Cocktail“, sagt Thorns. Das Hygienekonzept in Filderstadt sei gut.

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