Ralph Papcke sagt Adieu. Nach 45 Jahren im Polizeidienst geht der Leiter des Polizeipräsidiums Einsatz in den Ruhestand.. Foto: Giacinto Carlucci

Vom Polizeiwachtmeister zum Polizeipräsidenten: Ralph Papcke hat Karriere gemacht. Jetzt geht der Chef des in Göppingen stationierten Polizeipräsidiums Einsatz in den Ruhestand. Der 61-Jährige blickt auf 45 Dienstjahre zurück.

Göppingen - Wenn Kinder mit strahlenden Augen an diesem 1. Dezember das erste Türchen ihres Adventskalenders öffnen, ist auch Ralph Papcke in freudiger Erwartung: „Ab diesem Tag bin ich in einem neuen Leben“, sagt der 61-Jährige. Nach 45 Jahren im Polizeidienst geht der Holzmadener in den Ruhestand. Er blickt auf eine steile Karriere zurück: Vom Polizeiwachtmeister hat er sich hochgearbeitet bis zum Präsidenten des Polizeipräsidiums Einsatz, das seit der großen Reform im Jahr 2014 seinen Sitz in Göppingen hat. Papcke war seit Mai 2018 Chef dieser Schaltzentrale für das ganze Land. 2500 Mitarbeiter hatte er in dieser Zeit unter sich – für Papcke nie ein Grund abzuheben. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das erreiche“, sagt der Teamplayer. Dankbarkeit schwingt bei diesen Worten mit, Dankbarkeit, „dass ich so lange bei der Polizei sein konnte“. Die Bodenständigkeit und Bescheidenheit des einstigen Polizeiwachtmeisters hat der Neu-Pensionär bis zum Ruhestand nicht verloren.

 

Im Jahr 1976 wurde Ralph Papcke eingestellt

Im Gespräch lässt er die vergangenen 45 Jahre Revue passieren. 1976 wurde er eingestellt, es war die Zeit der RAF, „da standen wir bei Einsätzen mit der Maschinenpistole im Anschlag“. Geprägt hätten ihn aber vor allem die 16 Jahre im Innenministerium. Zunächst war er dort als Referent im Referat Einsatz, Lagezentrum, Verkehr, ab 2010 dann als Leiter des Referats beschäftigt.

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Der neue Chef des PP Einsatz wurde damals mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht. Innenminister Thomas Strobl hatte bei der Einsetzung gesagt: „Landespolizeidirektor Ralph Papcke gehört zu den Spitzenbeamten unserer Polizei. Mehr fachliche Expertise und polizeiliche Erfahrung ist kaum möglich.“ Papcke trat in Göppingen mit dem Ziel an, das Polizeipräsidium Einsatz weiterzuentwickeln, noch besser aufzustellen, damit es auch für künftige Einsatzlagen gerüstet ist. „Dazu muss eine gewisse Denke in den Köpfen aufkommen“, unterstreicht er. Spezialeinheiten, Bereitschaftspolizei, Reiter- und Hubschrauberstaffel – „das sind alles Spezialisten, die in ihrem Bereich super schaffen“, sagt der scheidende Präsident. „Es ging darum, dass sie in gewisser Weise an einem Strang ziehen.“ Dies habe er versucht, sagt Papcke, „ohne Corona wären wir sicher weiter. Aber ich will ja meinem Nachfolger auch noch was überlassen“, meint er augenzwinkernd.

Der scheidende Präsident ist „stolz auf meine Mitarbeiter“

Dass ein Präsidium mit rund 2500 Mitarbeitern zusammenwachsen muss und dies nicht von heute auf morgen geht, sei ihm klar gewesen, sagt der erfahrene Beamte. Manche Entwicklung sei langsam gegangen, räumt er ein. Sein Ansatz sei immer gewesen, die Mitarbeiter mit Menschlichkeit zu führen und einzubinden, „auch wenn man es natürlich nicht jedem recht machen kann. Ich muss ja die Organisationsinteressen vertreten“. Als Erfolg bewertet er den gerade eingeweihten neuen Hubschrauberlandeplatz: „Von der Idee bis zur Umsetzung hat es drei Jahre gedauert. Alle haben im Team zusammengearbeitet. Das ist eine Superleistung.“ Und als er vor gut zwei Wochen bei einer Übung seiner Kräfte am Bodensee dabei war, habe sich Zufriedenheit breit gemacht. „Das war alles sehr harmonisch. Ein schöner Abschluss für mich. Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter.“

Früher war der Respekt vor der Polizei größer

Was hat sich im Beruf des Polizisten verändert in diesen 45 Jahren? „Es gab auch damals Demos und Gewalt, es wurden auch damals Kollegen verletzt“, blickt er zurück. Jedoch habe es damals nicht die Schutzausrüstung wie heute gegeben: „Der größte Unterschied ist jedoch, dass ein großer Teil der Bevölkerung damals mehr Respekt vor der Polizei hatte.“ Heute werde alles in Frage gestellt, „das macht die Arbeit nicht einfacher“. Gleichzeitig stelle der Terrorismus eine Bedrohung dar, auf die sich die Beamten einstellen müssten. „Die Ausbildung ist natürlich auch deutlich besser als früher“, betont der 61-Jährige.

Nun ist der Ruhestand da. Bange ist ihm vor der neuen Freiheit nicht: „Ideen habe ich viele. Und mir war noch nie in meinem Leben langweilig“, meint der Familienvater und Opa eines Enkels. Lesen, Sport und Gartenarbeit gehören zu seinen Hobbys, vielleicht geht er auch noch mal zur Uni. Wird er denn das Polizist-Sein komplett abstreifen können? Ralph Papcke lacht: „Ganz ablegen werde ich es nicht können, das hat man im Blut. Aber ich trage nicht mehr die Verantwortung.“

Daten und Fakten zu Ralph Papcke

Werdegang
 Ralph Papcke trat im Jahr 1976 in den Polizeidienst ein, 1987 folgte nach vielen Jahren im Einsatzbereich in Göppingen der Aufstieg in den gehobenen Polizeivollzugsdienst, 1994 schließlich in den höheren Polizeivollzugsdienst. Im Jahr 2014 wurde Ralph Papcke zum Landespolizeidirektor ernannt, seit 2018 leitete er das Polizeipräsidium Einsatz.

Persönliches
Ralph Papcke lebt mit seiner Lebensgefährtin in Holzmaden. Der scheidende Präsident hat zwei Töchter. In seiner Freizeit liest er gerne, joggt und fährt Mountainbike.