Am 22. November soll eine Stichwahl entscheiden, wer neuer Präsident von Argentinien wird. Foto: dpa

In Argentinien entscheidet eine Stichwahl darüber, wer neuer Präsident wird – Scioli oder Macri. Scioli galt als Schützling der amtierenden Präsidentin als Favorit. Doch der Hunger der Argentinier auf einen Wandel ist offenbar größer als gedacht.

Buenos Aires - In Argentinien entscheidet eine Stichwahl über den nächsten Präsidenten. Nach Auszählung von gut vier Fünfteln der Stimmen lagen Ex-Vizepräsident Daniel Scioli und der Konservative Mauricio Macri gleichauf. Damit müssen sich die Kontrahenten am 22. November einer zweiten Wahlrunde stellen.

Der Ausgang kam überraschend, war Scioli dank der Unterstützung der scheidenden Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner doch als Favorit ins Rennen gegangen. Etliche Umfragen hatten dem Gouverneur von Buenos Aires einen Vorsprung von mehr als zehn Prozent vorhergesagt.

Für einen Sieg in der ersten Runde benötigt ein Kandidat 45 Prozent der Stimmen oder 40 Prozent und zehn Punkte Vorsprung vor seinem nächsten Rivalen. Bei der Wahl kamen sowohl Scioli als auch Macri nach Auszählung von 80 Prozent der Wahlurnen auf jeweils 35 Prozent, auf Platz drei landete Sergio Massa, ein früherer Vertrauter von Kirchner. Insgesamt waren sechs Kandidaten angetreten.

Viele Wähler wünschen sich einen Wandel

Das starke Abschneiden Macris unterstreicht den Wunsch vieler Wähler nach einem Wandel nach zwölf Jahren unter dem System Kirchnerismo, das der linken Staatschefin und ihrem inzwischen verstorbenen Mann Nestor Kirchner zwar viel Bewunderung für großzügige Ausgabenpolitik zu Gunsten von Armen, aber harsche Kritik wegen Korruptionsvorwürfen eingebracht hatte. „Was heute passiert, verändert die Politik dieses Landes“, erklärte Macri am Abend vor seinen Anhängern.

Sein Rivale Scioli empfahl sich den Wählern erneut als Garant für eine Fortsetzung der Politik von Kirchner. Zugleich werde er Fehler beheben. „Ich lade unentschiedene und unabhängige (Wähler) ein, sich mir bei diesem großen Fest der Entwicklung Argentiniens anzuschließen“, sagte er.

Macri versprach im Wahlkampf, die schwächelnde Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln. Den seit langem andauernden Schuldenstreit mit US-Gläubigern will er beenden und unpopuläre Währungsbeschränken aufheben. Seine Kampagne schnitt der Bürgermeister von Buenos Aires zudem auf Millionen Bürger zu, die in irgendeiner Form auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Die populären Hilfsprogramme für Arme würden beibehalten und die Ausgaben in einigen Bereichen erhöht. Im Wahlkampf weihte er sogar eine Statue des früheren Präsidenten Juan Péron ein, der als Vater der politischen Ideologie gilt, zu der sich Kirchner bekennt.

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