Stramm rechts: Tea-Party-Rebell Ted Cruz Foto: AP

Tea-Party-Rebell Ted Cruz meldet seine Präsidentschaftskandidatur an – doch er sieht sich einer Schar von Konkurrenten gegenüber.

Washington - Wie ein Prediger schreitet der Kandidat über die Bühne der Liberty University in Lynchburg, Virginia. Mit ausgebreiteten Armen erzählt Ted Cruz (44) im Scheinwerferkegel vor den Studenten, wie die Kraft des Glaubens ihn aus kleinen Verhältnissen ganz nach vorn gebracht habe. Erst nach Princeton und Harvard, dann in den US-Senat und nun – so Gott will – ins Weiße Haus. „Heute erkläre ich, dass ich antrete, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.“

Der Tea-Party-Rebell verspricht, die Gesundheitsreform von Barack Obama rückgängig zu machen und gegen Abtreibung und Homo-Ehe ins Feld zu ziehen. „Gottes Segen hat von Anfang an auf Amerika geruht, und ich glaube, dass Gott Amerika noch nicht aufgegeben hat.“ Amerika brauche eine „neue Generation mutiger Konservativer“, ließ er per Twitter-Video wissen. Cruz will vor allem die konservative Basis der religiösen Rechten auf seine Seite ziehen.

Patriotismus, Glauben, kleine Regierung, starkes Militär und freier Markt – mit derselben Botschaft hatte Cruz Schlag Mitternacht via Twitter seine Bewerbung ankündigt. Die Liberty University lieferte die ideale Bühne für einen heißblütigen Politiker, der sich aufs Predigen versteht.

Dass er sich selber gerne reden hört, hat Cruz wiederholt unter Beweis gestellt. 20 Stunden lang polemisierte er im September 2013 im US-Senat gegen die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama. Was der Senator in Cowboy-Stiefeln als Prinzipientreue verkauft, nervt freilich das Establishment der Partei, das den Stil des 44-jährigen für zu konfrontativ hält. Ein Rezept, ihn ins Leere laufen zu lassen, hat die Führung der Republikaner bisher nicht gefunden.

Cruz ist gefürchtet, seit er 2012 dem gesetzten Kandidaten in Texas den Senatssitz abgejagt hatte. Nun versucht er, den rechten Flügel der Partei hinter sich zu vereinen und bei den ersten Vorwahlen in Iowa in zehn Monaten an anderen Konservativen wie Jeb Bush, Rand Paul, Mike Huckabee, Rick Perry und Rick Santorum vorbeizuziehen.

Keiner der Republikaner hat einen satten Vorsprung

Allein durch die Zahl möglicher Kandidaten kann derzeit aber keiner der Republikaner einen wirklich satten Vorsprung für sich verbuchen, anders als bei frühen Umfragen vor vergangenen Wahlen. Umso mehr gilt nun, schrittweise eine potenzielle Wählerschaft anzupeilen und Geldgeber hinter sich zu versammeln. Cruz, der wie andere Konservative nicht auf die kräftigen Finanzspritzen der Spender-Elite hoffen kann, sucht nun einen Mix von Unterstützern mit kleineren Summen und eine Handvoll wohlhabender Mäzene. Mit seiner Kampagne will er selbst mindestens 40 Millionen Dollar sammeln.

Die Chancen für Cruz stünden nicht schlecht, wäre da nicht Scott Walker, der von einigen in der Partei als Reinkarnation Ronald Reagans gefeiert wird. Der dreimal wiedergewählte Gouverneur von Wisconsin verdiente seinen Heldenstatus, weil er sich mit den Gewerkschaften in seinem Bundesstaat anlegte und die Oberhand behielt.

Cruz hofft, mit der offiziellen Ankündigung seiner Kandidatur das Interesse von den bisherigen Schattenkandidaten auf sich zu ziehen. Politische Beobachter sehen nun den Druck auf den Rest des republikanischen Feldes an Schattenkandidaten wachsen, sich ebenfalls öffentlich zu erklären.

Ganz ander ist die Lage bei den Demokraten, wo sich Hillary Clinton den Luxus leisten kann abzuwarten. Weit und breit ist niemand in Sicht, der es mit der ehemaligen First Lady und früheren Außenministerin Barack Obamas ernsthaft aufnehmen könnte. Insidern zufolge will sie im April endlich auch offiziell mit in den Ring steigen.

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