Ein Werbeplakat für den kolumbianischen Präsidentschaftskandidaten Ivan Duque. Foto: AFP

Nach 50 Jahren Bürgerkrieg stehen sich bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien Vertreter der extremen Linken und der extremen Rechten gegenüber. Abgestimmt wird aber nicht nur über den nächsten Präsidenten, sondern auch über den Friedensprozess.

Mexiko-Stadt - In Lateinamerika kann man mit Angst hervorragend Stimmen gewinnen. Die traditionellen Parteien und Eliten setzen auf solche Angstkampagnen, wenn „antisystemische“ Kandidaten sie von der Macht zu vertreiben drohen. In Mexiko, wo am 1. Juli ein neuer Staatschef gewählt wird, bekommt das der führende Kandidat Andrés Manuel López Obrador gerade zu spüren. Er werde sein Land in den Sozialismus führen, werfen ihm seine Gegner vor.

Auch in Kolumbien, wo am Sonntag ein neuer Präsident gewählt wird, kann man wunderbar sehen, wie die Angstkampagne funktioniert. Vor allem die Rechtsaußen-Partei Centro Democrático macht sie sich zu nutze. So warnt ihr Kandidat Ivan Duque davor, links zu wählen, weil dann die gerade zur politischen Partei mutierten Farc-Rebellen das Land übernehmen würden. Die Rechten warnen auch vor Homosexuellen, Sexualerziehung und liberalen Gesetzgebungen sowie davor, dass sich Kolumbien in ein zweites Venezuela zu verwandeln drohe. In nordkolumbianischen Städten prangen riesige Plakate des Centro Democrático. „Wer nicht will, dass sich Kolumbien in ein zweites Venezuela verwandelt, der muss am Sonntag Ivan Duque wählen“, steht da frei übersetzt.

Ein politisches Phantom kehrt zurück

An dem Tag entscheiden die Kolumbianer über den Nachfolger von Präsident Juan Manuel Santos, der in seinen acht Jahren an der Macht vor allem den Frieden mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) vereinbart und damit einen mehr als 50 Jahre währenden bewaffneten Konflikt beendet hat. Geholfen hat ihm das nicht viel. Der Friedensnobelpreisträger scheidet mit einer sehr niedrigen Zustimmungsquote aus dem Amt, zum einen weil viele Kolumbianer die Resultate des Friedensprozesses ablehnen, aber auch weil sich unter Santos das Wirtschaftswachstum abschwächte. So liegt ihr Kandidat, der Ex-Vizepräsident German Vargas Lleras, in den Umfragen auf nur dem vierten Platz.

Dafür kehrt ein politisches Phantom zurück: Álvaro Uribe, Rechtsaußen, Ex-Staatschef, der gegen das Friedensabkommen mit der Farc kämpft. Sein Kandidat, Senator Ivan Duque, liegt in den Umfragen klar auf dem ersten Platz, gefolgt vom Vertreter des anderen politischen Spektrums: Gustavo Petro, Ex-Bürgermeister von Bogotá, und ein Freund von Venezuelas verstorbenem Staatschef Hugo Chávez, weswegen er von seinen Gegnern als „Castro-Chavist“ diffamiert wird. Auch eine Anspielung auf den früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro.

Ein Duell der Hardliner

„Dieser Wahlkampf ist der atypischste in der kolumbianischen Geschichte“, sagt Ariel Ávila, Vizedirektor der Stiftung Frieden und Versöhnung. Erstmals überhaupt stünden sich mit Duque und Petro „gegensätzliche Lager“ gegenüber. Petro geht für die Koalition Colombia humana ins Rennen, und um ihn scharen sich fast alle linken und sozialen Bewegungen Kolumbiens. Er setzt auf Themen wie Gesundheit, Bildung, gleichgeschlechtliche Ehe, Gerechtigkeit. Er habe viel Erfolg bei den untersten Schichten der Gesellschaft, für die er sich in seiner Zeit als Bürgermeister von Bogotá zwischen 2012 und 2015 eingesetzt habe, sagen Beobachter. Petro vertrete den Diskurs der „Ausgegrenzten und Vergessenen“, während Duque den Diskurs der Angst vertritt, betont Ávila.

Gewinnt also am Sonntag die Angstkampagne wird es auch kritisch für den historischen Farc-Friedensprozess. Duque will das Abkommen zwar nicht wie sein politischer Ziehvater Uribe „in Stücke reißen“, aber er will Veränderungen vornehmen. So stellt er die Straffreiheit für geständige Rebellen infrage, die in dem Abkommen von 2016 vorgesehen ist. Voraussetzung: Die Rebellen dürfen keine Menschenrechtsverbrechen begangen haben.

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