Der syrische Braunbär Raschid ist 2019 in der Wilhelma gestorben. Jetzt wurde er von Joseph Kälberer im Naturkundemuseum aufbereitet. Das Tier ist ab sofort zu sehen.
Für den 28 Jahre alten Präparator Joseph Kälberer ist seine Arbeit etwas Besonderes. „Es ist der erste Bär, den ich präpariert habe,“ sagt er, der seit 2022 im Naturkundemuseum Schloss Rosenstein arbeitet. Er bereitete das Tier, den syrischen Bär namens Raschid, für die Dauerausstellung vor. Raschid kam 1985 im Tiergarten Nürnberg zur Welt. Im Eröffnungsjahr der Bärenanlage im Jahr 1991 kam er aus dem Zoo Gelsenkirchen auf die damals neue Bärenlage nach Stuttgart. Nach 34 Jahren starb er dann an Altersschwäche.
Braunbären erreichen im Schnitt ein Alter von 30 Jahren. Jetzt ist der Braunbär Raschid in der Ausstellung im Schloss Rosenstein zu sehen. „Er hat eine eigene Vitrine erhalten“, sagt Kälberer. Und schon steht er davor und zeigt die Feinheiten. Das besondere an dem Tier sei, dass es nur noch wenige syrische Braunbären gebe.
Obwohl es die kleinste Bärenunterart sei, habe Raschid einen großen Kopf. Bemerkenswert seien auch die langen weißen Krallen, wie Kälberer erklärt. Der präparierte Bär mit seinem hellbraunen, flauschig anmutenden Fell vermittelt einen lebensechten Eindruck mit eindrucksvollem Blick. Das vollendete Werk des Präparators.
Neben dem Bären ist eine besondere rosafarbene Blütenpflanze zu sehen. Es ist eine nachgebildete syrische samtblättrige Winde, die der Bär gerne gefressen hat, mit Resten an seinem Maul. Die Pflanze in der Vitrine stammt von einem Pflanzenpräparator aus Thüringen.
Präparator des Naturkundemuseums arbeitet seit Oktober 2023 an totem Braunbären
Den Bären der Wilhelma hatte das Naturkundemuseum vom Veterinäramt bekommen. Er wurde seit 2019 tiefgekühlt aufbewahrt. Kälberer hatte an dem Objekt ab 2023 gearbeitet und es im Sommer vergangenen Jahres fertig präpariert. Zuvor war der Bär ein paar Monate bei einem Gerber in Sachsen. Nachdem das Tier in den letzten Jahren viel gelegen sei, habe er Raschid als liegendes Exponat vorbereitet, sagt Kälberer.
Für Bären-Kuratorin Ulrike Rademacher hatte sich der Tod des Tieres bereits abgezeichnet. Sie erklärte 2019, dass Raschid an seinen letzten Lebenstagen äußerst schwach gewirkt habe und sich nur noch unter großen Mühen habe bewegen können. Er sei kaum noch aufgestanden. Daher sei der Bär von den Tierärzten eingeschläfert worden. Ein erster Befund der Obduktion habe neben verschiedenen Altersgebrechen auch gezeigt, dass der Bär unter einer chronischen Herzerkrankung litt.
Schädel des ausgestellten Braunbären im Schloss Rosenstein ist nur ein Modell
Der Syrische Braunbär (Ursus arctos syriacus) ist eine stark gefährdete Unterart des Braunbären, deren Bestände aufgrund von Lebensraumverlust und Bejagung dramatisch zurückgegangen sind. Er gilt in vielen Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes im Nahen Osten mittlerweile als ausgerottet. Deshalb sei die Geschichte des Bären Raschid, der eine Kopf-Rumpf-Länge von 1,85 Metern habe, für die Besucher wichtig, wie Stefan Merker, Leiter des Bereichs Zoologie im Naturkundemuseum erklärt. Die Zootiere seien gut für die Ausstellung. Raschid werde künftig möglicherweise auch für wissenschaftliche Forschung im Schloss Rosenstein zur Verfügung stehen. Es gebe auch den Originalschädel des Bären. Beim ausgestellten Tier ist der Kopf ein Modell.
Die Ausstellung im Naturkundemuseum, Schloss Rosenstein ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Montags ist das Museum, Rosenstein 1, geschlossen. Weitere Informationen unter: www.naturkundemuseum-bw.de