Präparator Joseph Kälberer im Großpräparatorium des Naturkundemuseums Stuttgart. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Der Stuttgarter Joseph Kälberer hat stets Spuren der Tiere gesammelt und dann seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Kälberer ist Präparator. Was gefällt dem 28-Jährigen dabei?

Er ist jung, kontaktfreudig, unkompliziert und brennt für seinen Beruf, Joseph Kälberer, 28 Jahre alt, Präparator im Naturkundemuseum. Er ist dort im Schloss Rosenstein im Großpräparatorium tätig und in der Zoologie auch zuständig für Ausstellungen, in denen er tote Tiere für die Nachwelt plastisch lebensnah aufbereitet. Doch wie ist er auf die Idee zu dem Beruf gekommen? Schon als Kind war er neugierig und hat Tierspuren gesucht. Auch hat er Schnecken gesammelt. „Ich habe eine große Schneckensammlung“. Im Wald entdeckte und sammelte er von Klein auf bereits Knochen und Skelette von Tieren. Die Natur zog ihn seit jeher in seinen Bann – und ihre Spuren. Schließlich sehe man Wildtiere normalerweise nicht im Alltag. Er wollte sie kennenlernen. „Ich war an der Anatomie interessiert.“ Heute ist er Präparator und auch Jäger.

 

Schon als Kind nach eiszeitlichen Funden im Garten gegraben

Aufgewachsen ist Kälberer in Dettingen unter Teck. Schon als Kind war er viel in Museen und überraschte seine Eltern, als er im Garten ein Loch grub, um eiszeitliche Funde zu entdecken, wie er lachend erzählt. Nach Abschluss der Schule ist er nach Essen gezogen und hat in Bochum den Beruf des Präparators gelernt. Sein Abschluss: staatlich geprüfter Präparator-Assistent.

Von der Uni wurde der Präparator ans Museum abgeworben

Bei der dreijährigen Ausbildung lernte er Ausstellungstechnik, Gerbung, berufsfachliches Englisch, Anatomie, Morphologie, Biologie und ein breites Basiswissen über die Natur. „Als ich anfing, in Hohenheim Biologie zu studieren, wurde ich nach dem ersten Semester abgeworben ans Stuttgarter Naturkundemuseum.“ Sein Arbeitsplatz befindet sich im Schloss Rosenstein mit Blick auf das Neckartal.

„Es ist ein megaschöner Arbeitsplatz“, schwärmt er. Und ein schönes Arbeitsumfeld. Er ist für Ausstellungen in der Zoologie zuständig. Neben ihm gibt es noch pro Sammlung jeweils einen Techniker. In der Zoologie arbeiten sechs Präparatoren. Seine Lieblingstiere sind die Säugetiere. „Denen fühle ich mich am engsten verbunden.“ Sein Beruf enthält viele Aspekte: Anatomie, Modellieren, wie ein Veterinär arbeiten, Fell abziehen, Gerber, Künstler.

Die Eltern finden den „mega-nischigen Präparator-Beruf cool“

Dass er Präparator ist, finden seine Eltern „cool“, sagt er, auch wenn es „ein mega-nischiger Beruf ist“, aber es gehört gleichzeitig Bildung und Vermittlung dazu. In Deutschland gebe es etwa 200 biologische Präparatoren. „So viele waren bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Präparationstechnik in Stuttgart.“ Er selbst ist Landesgruppensprecher dieser Gesellschaft für Baden-Württemberg. Als Landesgruppensprecher hatte er sich dafür ausgesprochen, dass der umstrittene Wolf von der Hornisgrinde, der getötet werden soll, im Falle eines Abschusses präpariert werden sollte, weil er eine politische Geschichte erzähle. „Als Präparator kann ich im Museum die Möglichkeit schaffen kann, dass Mensch und Tier sich näherkommen.“ Ohne Probleme.

Syrischen Braunbär aus der Wilhelma präpariert

Im Naturkundemuseum hat er dies zuletzt für den syrischen Braunbär aus der Wilhelma ermöglicht, den er nun fertig für die Ausstellung im Schloss Rosenstein präpariert hat. Und den hat er sogar noch lebendig als Kind im Stuttgarter Zoo gesehen. Kommen da Gefühle auf? „Man entwickelt eine Professionalität“, sagt Kälberer.

Kälberer vor dem Foto mit Friedrich Kern samt Medaille. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

An der Wand im Großpräparatorium hängt ein historisches Bild. Auf dem ist Friedrich Kern zu sehen (1877 bis 1915), Präparatoren-Urvater des Naturkundemuseums. „Das ist mein Vorfahre“, sagt Kälberer. Er habe die Dermoplastik entwickelt, die heute noch angewandt werde. „Ich bin megastolz drauf.“ Für Kern wurde eine große Gedenkmedaille geprägt. Im Ausstellungsraum steht sein 2023 präpariertes junges Okapi neben einem selben Tier, welches Kern bereits 1913 präpariert hatte. Die Krönung für Kälberer.