Lebensecht: Ein Gürteltier im Rosensteinmuseum. Foto: Museum

Wie verleiht man einem präparierten Kolkraben wieder Flügel und streift einem Dachs das Fell über? Die Präparatoren im Staatlichen Museum für Naturkunde sind am Sonntag kaum zum Arbeiten gekommen, sondern stillten vor allem die Neugier der Besucher.

Wie verleiht man einem präparierten Kolkraben wieder Flügel und streift einem Dachs das Fell über? Die Präparatoren im Staatlichen Museum für Naturkunde sind am Sonntag kaum zum Arbeiten gekommen, sondern stillten vor allem die Neugier der Besucher.

Stuttgart - Das Interesse war riesig, der Andrang spürbar größer als an normalen Tagen. Schon lange bevor sich am Sonntag um 10 Uhr die Pforten zum Staatlichen Museum für Naturkunde im Schloss Rosenstein öffneten, standen die ersten Leute vor der Eingangstüre und begehrten Einlass. Und auch die nächsten Stunden über hielt der Besucherstrom kontinuierlich an. Der Aktionstag Präparation im Rahmen der Sonderausstellung „Forever Young – Welt-Meisterwerke der Präparation“ war ein Erfolg.

Besonders die jungen Gäste hatten allerhand Gelegenheit, sich in den Museumsräumen aktiv zu betätigen. So sah man Kinder mit Zetteln in der Hand durchs Gebäude huschen, auf denen sie Quizfragen zu beantworten hatten. Andere übten sich in einem Nebenraum mit Schutzbrille und Werkzeug in den Händen als Nachwuchs-Präparatoren beim Freilegen von versteinerten Haifischzähnen oder Muscheln aus Gesteinsbrocken. Auch beim Knochenpuzzle, einer Mal-Aktion oder beim Aussieben von Mineralien und kleinsten Schnecken herrschte den ganzen Tag über rege Betriebsamkeit.

Die Hauptattraktion des Aktionstags befand sich im ersten Stockwerk. In der Werkstatt der Großtierpräparatoren konnten die Besucher hautnah dabei sein, wie Jan Panniger und Maurice Lunak arbeiteten. Die beiden 2012 mit einem Weltmeistertitel in der Kategorie „Kleine Säuger“ ausgezeichneten Präparatoren kümmerten sich gestern um zwei unterschiedliche Tierarten. Während Lunak sich eines Kolkrabens annahm und das schwarze Gefieder des Singvogels sortierte, war Panniger damit beschäftigt, das Fell eines Dachses einem künstlich modellierten Körper anzupassen. Zum richtig konzentrierten Arbeiten kamen die beiden allerdings kaum, zu groß der Andrang und der Wissensdurst der vielen Besucher.

Mit nichts anderem durften Panniger und Lunak an diesem Aktionstag gerechnet haben. Geduldig beantworteten sie die vielen Fragen, die auf sie einprasselten. „Derzeit arbeite ich hauptsächlich an einem Feuersalamander“, ließ Jan Panniger wissen, und dass er am liebsten mit Tieren hantiert, die „nicht so hübsch sind, sondern eher skurril aussehen“.

Dass Panniger aufgrund seiner öffentlichkeitswirksamen Auszeichnung weit mehr im Mittelpunkt steht als die anderen der 24 im Forschungsmuseum tätigen Präparatoren, ist für seine Kollegen offensichtlich kein Problem. „Der Jan“, sagt Günter Stephan, „ist ein ganz bodenständiger, lieber Kerle. Der hat keine Starallüren.“ Stephan, seit 22 Jahren zuständig für Amphibien und Reptilien und damit nach eigener Einschätzung „ein alter Hase im Geschäft“, hat mit Panniger zusammen vor drei Jahren einen fünfeinhalb Meter langen Tigerpython rekonstruiert, dessen Skelett ebenso ausgestellt ist wie das fertige Präparat. Dieses und viele weitere Meisterwerke sind in der Sonderausstellung noch bis zum 25. Mai zu sehen.

Museumsbesucher, die am Sonntag in der Hoffnung ins Schloss Rosenstein gingen, den vor einer Woche in der Wilhelma verstorbenen Eisbären Anton bereits im Präparationsprozess zu sehen, kamen allerdings nicht auf ihre Kosten. „Wir haben Antons Fell von der Wilhelma für unsere wissenschaftliche Sammlung bekommen, und unsere Präparatoren haben auch schon die Maße des Tieres aufgenommen, aber es gibt noch keinen aktuellen Plan für seine Präparation“, klärte Meike Rech, Pressesprecherin des Museums, auf. Schließlich ist ein anderer Eisbär bereits in der Dauerausstellung zu bewundern.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 25. Mai 2014 geöffnet.

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