Schnaps ist nicht gleich Schnaps – das wurde in Owen deutlich. Foto: Ines Rudel

Bei der Landesprämierung von Destillaten und Likören haben Experten in Owen tief ins Glas geschaut. Gekürt wurden Obstler, Whisky und Gin aus der Region.

Owen/Teck - Wenn es im Volksmund heißt, dass Schnaps gleich Schnaps ist, dann können Brenner und Leute vom Fach über solch schlichte Sprüche nur lachen. Drei Tage lang war dieser Tage die Owener Teckhalle eine Hochburg des Hochprozentigen, die Kleinbrennerverbände Nordwürttemberg und Südwürttemberg-Hohenzollern hatten zur Landesprämierung von Destillaten und Likören geladen. Mit rund 2000 Proben, so war zu hören, habe es sich um den weltweit größten Wettbewerbsandrang von Spirituosen in diesem Jahr gehandelt. 2020 sind die Badener dran – und dort wird sogar mit 3000 Proben gerechnet.

Dass die Flaschen wieder voll sind und in allen Farbschattierungen funkeln, wird nach dem Wegfall des staatlichen Branntweinmonopols zum Jahresende 2017 und den massiven, frostbedingten Ernteausfällen im gleichen Jahr von den Verbandsoberen mit großer Genugtuung registriert. Da sie jetzt die Steuerschuld nicht mehr in Form von Destillaten, sondern nur in Euro und Cent begleichen können, müssen Brenner nunmehr verstärkt auf die Vermarktung achten, was wiederum der Qualität zugute kommt. So zumindest das Resümee des nordwürttembergischen Verbandsvorsitzenden Karl Müller. Und zum Optimismus wollte mit Krönchen, Schärpe und geübtem Lächeln auch die „Destillatkönigin“ Vera Bullinger (23) aus Wolpertshausen beitragen.

Gin-Hype hält an

Bei der Tour durch die prall bestückten Tischreihen zeigte sich, dass Birnen aus Streuobstlagen wie etwa Palmisch Birne, Stuttgarter Geißhirtle, Blut- und Nägelesbirne oder wilde Eierbirne mit zirka 300 Prüfbränden zum Gros zählen. Auf Tafelobst wie beispielsweise die Williams Birne entfielen 120 Proben, weiter folgten Destillate aus Äpfeln und Quitten sowie Steinobst wie Mirabellen, Kirschen oder Zwetschgen. Eine weitere Rubrik stellten „Fassgelagerte Obstbrände“, wobei das Fassholz von der Eiche über die Kirsche bis hin zur Maulbeere stammen kann.

Kamen auf den schwäbischen Whisky 70 Prämierproben, so hat der Gin aus deutschen Landen mit 50 Proben seinen Anteil seit der letzten Prüfrunde glatt verdoppelt, hieß es. Der Hype um den Wacholderschnaps sei anhaltend, sagt Karl Müller. Bundesweit stünden mittlerweile 2700 Ginsorten im Angebot, allein in der Landeshauptstadt feilten sieben Destillateure am Profil einer Stuttgarter Kreszenz.

Unter der Raritäten-Rubrik „Geiste“, das zeigte der Owener Prüfmarathon, verbirgt sich ein weites Experimentierfeld für Schnapsdesigner: Ob Küchengemüse oder Wildpflanzen aus Wald und Feld – für die Zutaten für den Geist aus der Flasche gibt es offenbar keine Grenzen. Und auch die Liköre, mit 271 Proben gut vertreten, fordern die Fantasie heraus. Einer der Hits: Rhabarber mit Vanilleschote.

Rein weibliche Prüfriege wäre ideal

Keinen leichten Stand im durchaus wörtlichen Sinn hatten die Prüferinnen und Prüfer, mussten sie doch unter den Argusaugen von Aufsichtspersonal täglich zwischen 80 und 90 Proben bewältigen. Überraschend auch die Aussage des Leiters der Prüfungskommission, Daniel Einfalt, von der Universität Hohenheim: Da es wissenschaftlich erwiesen sei, dass Frauen bei den Essenzen die Unterschiede besser herausschmecken, wäre eine rein weibliche Prüfriege ideal. Noch aber dümpelte die Frauenquote bei 12,5 Prozent dahin. Ganze 100 Prozent erfüllten dagegen die Owener Landfrauen, die tatkräftig halfen, die Prüf-Equipe bei Kräften zu halten.

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