Wer ohne entsprechende Empfehlung aufs Gymnasium will, muss den Potenzialtest schreiben. Wir haben mit einem Vater aus der Region Stuttgart gesprochen, der mit der Realschulempfehlung seines Kindes hadert, und gefragt, wie der Test gelaufen ist.
Es ist der letzte Baustein in der neuen Grundschulempfehlung. Wenn bisher weder der neue Kompetenztest Kompass 4, noch die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz für das Gymnasium gesprochen haben, können die Kinder einen Potenzialtest absolvieren, wenn sie dennoch den direkten Weg zum Abitur einschlagen wollen oder sollen. Der reguläre Termin war am vergangenen Dienstag. Wer nicht mitschreiben konnte, zum Beispiel wegen Krankheit, hat am heutigen Dienstag, 25. Februar, noch einmal die Chance.
Ein Vater aus der Region Stuttgart hatte seinen Sohn angemeldet. Bei ihm war der Kompass-4-Test nicht gut gelaufen – so wie bei sehr vielen Viertklässlern. Den für das Gymnasium erforderlichen Notendurchschnitt hatte der Junge ganz knapp nicht erreicht. Die mündlichen Noten hatten dafür den Ausschlag gegeben, berichtet der Vater. Für das Gymnasium muss folgender Notendurchschnitt erreicht werden:
- Einzelnoten in Mathe und Deutsch dürfen nicht schlechter als 3,0 sein.
- Im Durchschnitt müssen die Noten in Mathe und Deutsch eine 2,5 oder besser ergeben.
- Für die Berechnung dieses Durchschnitts wird mit genauen Kommazahlen gerechnet.
So ist der Potenzialtest an Stuttgarter Schule gelaufen
Von dem Potenzialtest beziehungsweise dem, was sein Junge erzählt hat, war er nicht begeistert. „Es war so, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Test verfolgt nicht die Absicht, dass ein nennenswerter Teil der Kinder ihn besteht“, sagt er. Er hatte mit seinem Sohn geübt, unter anderem mit Aufgaben aus dem Internet und indem er die Kompass-4-Aufgaben noch einmal mit seinem Kind durchgegangen ist. Am Tag der Prüfung sei sein Sohn „schon aufgeregt“ gewesen. „Er wusste, dass das jetzt wichtig ist“, sagt der Vater. Auch die anderen Kinder seien angespannt und die Eltern sehr still gewesen.
An der Schule, an der er mit seinem Sohn war, hätten ungefähr zehn Mädchen und Jungen den Test geschrieben. Er habe mit mehr Teilnehmenden gerechnet. Die Schule habe ihre Sache gut gemacht und die Kinder gut in den Test eingeführt. Für diesen hätten die Viertklässler dann 54 Minuten Zeit gehabt: 14 Minuten für den Logikteil und je 20 Minuten für Deutsch und Mathe. Dazwischen habe es jeweils fünf Minuten Zeit für Entspannung gegeben. „Aber wer kann sich in diesem Moment entspannen?“, fragt der Vater.
Er habe die drei Blöcke eher als zusätzlichen Fallstrick empfunden. Denn dadurch sei es nicht möglich, von einem Zeitvorteil zu profitieren, wenn man in einem Teilbereich besonders gut und schnell ist. Sein Sohn zum Beispiel sei in Logik sehr gut, damit sei er schnell fertig gewesen. Aber in Mathe und Deutsch habe ihm die Zeit nicht gereicht. „Darum war mein Sohn hinterher auch etwas geknickt, denn das war ja nicht sein Anspruch“, sagt der Vater.
Als Nachteil für seinen Jungen empfand er auch, dass nicht ersichtlich gewesen sei, wie viele Punkte es für welche Aufgabe gibt. Zumindest habe sein Sohn keine Angaben zu den möglichen Punkten gefunden. So habe ihm eine Orientierung gefehlt, welche Aufgabe besonders wichtig ist.
Die Familie weiß noch nicht, ob ihr Viertklässler den Potenzialtest bestanden hat. „Die Chancen stehen 50 zu 50“, schätzt der Vater und ergänzt: „Wir nehmen es, wie es kommt.“ Wenn der Sohn den Potenzialtest bestehe, wollen sie noch einmal ernsthaft über die Anmeldung am Gymnasium nachdenken. Wenn nicht, werde es wohl die Gemeinschaftsschule werden.
Anmeldung an der weiterführenden Schule
Weiterführende Schule
Die Potenzialtests müssen vom jeweils zuständigen Gymnasium spätestens bis zum 28. Februar korrigiert sein. Die Anmeldung an einer weiterführenden Schule erfolgt dann im März.
Stuttgart
In Stuttgart ist eine Anmeldung von Montag bis Donnerstag, 10. bis 13. März, möglich – und zwar nur direkt an einer einzigen weiterführenden Schule.