Das DHL-Postfrachtzentrum Köngen/Wendlingen soll in nord-östliche Richtung erweitert werden, ein neues Mitarbeiterparkhaus (unten links) befindet sich bereits im Bau. Foto: Kerstin Dannath

Mit der Erweiterung des Köngener DHL-Postfrachtzentrums soll es voran gehen – die Gemeinderäte von Köngen und Wendlingen haben die Änderungen des Flächennutzungsplans und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan nochmals auf den Weg gebracht.

Im nächsten Anlauf soll es nun endlich mit der Erweiterung des DHL-Postfrachtzentrums in Köngen weitergehen – in ihren jüngsten Sitzungen haben die Gemeinderäte von Köngen und Wendlingen die zunächst anstehende Änderung des Flächennutzungsplans sowie den vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Beide Gremien erteilten einmütig ihre Zustimmung. Den endgültigen Beschluss treffen die Vertreter aus Köngen und Wendlingen am 20. Mai bei der Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands Wendlingen (GVV) am Neckar, der für das auf beiden Gemarkungsflächen gelegene Gelände zuständig ist.

 

Wachsender Online-Handel bringt das Zentrum an die Kapazitätsgrenze

Grund für die geplante Erweiterung ist der seit Jahren zunehmende Online-Handel: Laut DHL sind die Grenzen der Leistungsfähigkeit des Paketzentrums inzwischen überschritten, was eine Kapazitätserhöhung in der Logistik nötig mache. Die Erweiterung des Köngener Paketzentrums sei zwingende Voraussetzung für die nachhaltige und künftig dauerhafte Versorgung der Region Stuttgart mit Paketdienstleistungen, heißt es von Seiten des Unternehmens. Die Erweiterung um eine sogenannte „Colocation“ schaffe eine Kapazitätserhöhung und biete gleichzeitig eine Verbesserung der haushaltsnahen Paketzustellung für die Kommunen Köngen und Wendlingen am Neckar sowie für den gesamten Mittleren Neckarraum. Eine andere Alternative als eine Erweiterung ist nicht in Sicht: Dazu müsste laut DHL Group ein neuer Standort für ein neues Paketzentrum gefunden werden. Neben der Größe von mindestens 15 Hektar für Abwicklung der Paketlogistik an sieben Tagen die Woche inklusive einer Betriebsgenehmigung für 24 Stunden, müsse der Standort zwingend in der Region Stuttgart liegen und über eine unmittelbare Anbindung an die A 8 verfügen. Unmittelbar heißt in maximal fünf Kilometern Entfernung. Und ein solches Grundstück stehe definitiv nicht zur Verfügung, der Bau der Colocation sei daher nur am vorhandenen Standort sinnvoll umsetzbar.

Das Bauvorhaben sorgt bereits seit einiger Zeit für reichlich Arbeit in der Kommunalpolitik: Bereits vor zwei Jahren stand das Thema in beiden Kommunen auf der Agenda. Damals wie heute waren mehr als 1000 Seiten, darunter Fachgutachten von Verkehr über Lärm- und Artenschutz bis hin zum Mikroklima, durchzuackern. Vor allen Dingen die Verkehrssituation hatte damals für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Im Juni 2023 erfolgte die Zustimmung des GVV, um nur wenige Wochen später auf Wunsch der DHL Group wieder gekippt zu werden. Der Grund: Das am nordöstlichen Rand des Geländes auf Höhe der ehemaligen Lackfabrik geplante Parkhaus sei nicht mehr nötig. Auf Anfrage teilte die DHL damals mit, dass Teile der im Paketzentrum untergebrachten Zustellbasis verlagert werden, weswegen ein Teil der ursprünglichen Stellplatzbedarfe auf dem Gelände wegfalle.

Neu ist nun, dass zwar eine zweite Zufahrt an der K 1266 (Plochinger Straße) gebaut wird, im Gegensatz zur ursprünglichen Planung soll dort aber lediglich ein kleiner Teil des An- und Abfahrtverkehrs abgefertigt werden. „Der Verkehr wird weiter hauptsächlich über die B 313-Anschlussstelle Köngen-Nord fließen“, bestätigt Stadtplaner Robert Schneider vom beauftragten Büro ARP Stuttgart. Letztlich sei besagte Anschlussstelle unter anderem extra für das Frachtzentrum gebaut worden. Damit es dort zu Stoßzeiten wie etwa um Weihnachten herum üblich nicht mehr zu Rückstaus komme, wird die Ampelsteuerung verändert. „Laut Gutachten müsste das dann funktionieren“, erklärt Schneider. Und da auf dem Gelände des Frachtzentrums genügend Platz gebe, könnten die Lastwagen dort warten, bis sie abgefertigt werden.

Verkehrsbelastung soll sich im Rahmen halten

Für die Mitarbeiter wird derzeit eigens ein neues Parkhaus an der Robert-Bosch-Straße gebaut. Über die neue Zufahrt an der K 1266 sollen künftig maximal zehn Prozent des Schwerlastverkehrs sowie 30 Prozent des Liefer- und Mitarbeitendenverkehrs laufen. Positiver Nebeneffekt: Die vor allem von der Stadt Wernau befürchtete Überlastung der weiter östlich gelegenen B 313-Anschlussstelle Wernau – und hier insbesondere des stark befahrenen Knotens Kirchheimer, Plochinger und Köngener Straße – bleibe in einem verträglichen Rahmen. Durchgesetzt werden soll das neue Verkehrslenkungskonzept über eine neue Beschilderung und eine Verpflichtung der DHL-Fahrer, die Zufahrt Köngen-Nord zu nutzen.

Nach der Zustimmung des GVV Ende Mai werden die Pläne mindestens 30 Tage öffentlich ausgelegt, Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange können dann nochmals ihre Bedenken äußern, die dann geprüft werden. Erst danach kann das Projekt den nächsten Schritt machen.

Neue Sportanlage für den MSC

Neue Trialanlage
Der Motorsportclub Köngen-Wendlingen (MSC) musste lange um seine Existenz bangen. Die Sportler geben für die Erweiterung ihr angestammtes Areal auf und werden auf das benachbarte Gelände der ehemaligen Lackfabrik umgesiedelt, wo eine moderne Trialanlage gebaut werden soll. Die Sportanlage wird ebenfalls über die neue Zufahrt an der K 1266 erschlossen.

Lärm- und Naturschutz
Um den Lärmschutz zu gewährleisten, wird um das gesamte 15,2 Hektar große Betriebsgelände des Postfrachtzentrums eine hohe, teils begrünte Lärmschutzwand gezogen. Im Sinne des Natur- und Artenschutzes wurden bereits mehrere Ausgleichsmaßnahmen in die Wege geleitet.