Die Deutsche Bank hat für die Postbank 6,4 Milliarden Euro gezahlt. Nun müssen die Beschäftigten um ihre Jobs zittern Foto: dpa

Seit Monaten sucht Deutschlands größtes Geldhaus nach einer neuen Strategie. Fest steht: Das Geldhaus muss weiter sparen. Vor allem die Postbank-Beschäftigten zittern.

Frankfurt - Seit Monaten sucht Deutschlands größtes Geldhaus nach einer neuen Strategie. Fest steht: Das Geldhaus muss weiter sparen. Vor allem die Postbank-Beschäftigten zittern

Als die Deutsche Bank 2008 mit 20 Prozent bei der Postbank einstieg und 2010 sogar insgesamt 6,4 Milliarden Euro für rund 94 Prozent der Anteile auf den Tisch legte, war die Übernahme „keine Herzenssache“, wie Ex-Chef Josef Ackermann damals sagte . Zwei Dinge sollten mit dem Schritt erreicht werden: Die Deutsche Bank wollte verhindern, dass ein ausländischer Konzern mit der Postbank einen Fuß in den Heimatmarkt setzte. Zum anderen baute man auf 14 Millionen Kunden der Postbank, die die Basis für das Privatkundengeschäft verbreitern sollte. Die Marke Postbank blieb erhalten.

Rund 1 100 Finanzcenter betreibt die Postbank, daneben ist sie in 4 500 Postfilialen präsent und führt 700 Finanzberatungszentren. Dafür beschäftigt sie rund 14 700 Mitarbeiter. Nicht nur das Postbank Finanzcenter in der Frankfurter Moselstraße zeigt, dass das Konzept nicht zur Deutschen Bank passt. „Ich war vom strategischen Sinn der Übernahme schon 2010 nicht überzeugt“, sagt Stefan Bongardt, Banken-Analyst bei Independent Research.

Die Synergieeffekte sind überschaubar

Ähnlich sieht es Hans-Peter Burghof, Banken-Professor an der Universität Hohenheim. Die Postbank laufe zwar durchaus gut, die Masse der Kunden passten aber nicht zur Deutschen Bank. „Das hat nie wirklich gestimmt“. Die Synergieeffekte sind überschaubar, zumal die Postbank in Bonn nach wie mit eigener Zentrale und einem siebenköpfigen Vorstand agiert.

Noch schwieriger wird es in Zeiten niedriger Zinsen, die die Verdienstmöglichkeit im Bankgeschäft drücken. Zudem stehen der Deutschen Bank die Einlagen der Postbank-Kunden nicht vollständig zur Verfügung. Die Finanzaufsicht Bafin hat den Zugriff auf zehn Prozent des Einlagenübergangs begrenzt. Die Liquidität der Tochter kann die Deutsche Bank nur sehr begrenzt nutzen. In Zeiten schärferer Bankenregulierung und höherer Kapitalanforderungen ein Hemmnis, mit der das Geldhaus 2010 nicht rechnen konnte.

Diese Entwicklung hatten auch die seit 2012 amtierenden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen nicht im Auge. Dabei steht die Postbank alles andere als schlecht da. 2014 lag der Vorsteuer-Gewinn bei 409 Millionen Euro. Die Deutsche Bank selbst kam im Filialgeschäft nur auf 243 Millionen. Unter dem Strich stand die Postbank für fast ein Drittel des Gewinns der gesamten Privat- und Geschäftskunden-Sparte der Deutschen Bank. Die Nachsteuer-Rendite des Instituts lag 2014 immerhin bei 4,4 Prozent. Bei der Deutschen Bank waren es nur 2,7 Prozent.

Das zählt in Frankfurt offenbar wenig. „Das Geschäftsmodell der Postbank hat sich weiterhin gut bewährt“, beteuert Deutsche Bank Privatkunden-Vorstand Rainer Neske, der den Aufsichtsrat der Postbank leitet. Es ist kaum mehr als eine Floskel. Das Interesse von Jain und Fitschen an der Postbank ist offenbar begrenzt. Welche Karte die Deutsche Bank zieht ist offen, Ende April soll es klar werden.

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