Insgesamt rund 200 Häuser und Wohnungen baut die SWSG bis zum Jahreswechsel 2016/ 2017 am Roten Stich. Die ersten Häuser sind bereits bezogen. Foto: Archiv Bernd Zeyer

Seit wenigen Wochen sind die ersten Häuser am Wohngebiet beim Roten Stich bezogen. Dass es dort neue Straßennamen gibt, weiß noch nicht jeder bei der Post. Entsprechend spät kamen Päckchen im Gebiet an. Wissen denn wenigstens Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst von den neuen Straßen?

Zuffenhausen - Haben die Rentiere schlapp gemacht? Hatte der Schlitten eine Panne? Oder hat der Nikolaus etwa kein Navigationsgerät? Für Claudia Kufeld aus Kierspe im Sauerland ist nicht nachvollziehbar, warum drei Weihnachtspäckchen, die an ihre Tochter nach Zuffenhausen geschickt wurden, viel zu lange unterwegs waren. Erst kam der Adventskalender nicht an; dann fehlte das Nikolausgeschenk fürs Enkelkind, und zuletzt waren es die Gutsle, die zwar abgeschickt wurden, aber nicht rechtzeitig ihren Weg in die „Zuffenhäuser Heide“ fanden. „Der Adventskalender war sogar fast drei Wochen lang unterwegs“, ärgert sich die Großmutter aus der 321 Kilometer entfernten Stadt in Nordrhein-Westfalen. Zu Fuß wäre diese Distanz in 67 Stunden zu schaffen – zumindest laut Routenplaner.

Gut möglich, dass das Problem auch darin begründet ist, dass Claudia Kufelds Tochter erst vor wenigen Wochen in das Zuffenhäuser Neubaugebiet an der Straße Roter Stich gezogen ist. Große Teile des Gebietes befinden sich noch im Bau. Erst seit zwei Wochen haben die Straßen mit den Namen „Wannenbuckel“, „Seewiesenblick“, „Zuffenhäuser Heide“ und „Zur Winterhalde“ eine Beschilderung.

„Seit Ende Oktober hat die SWSG 17 Häuser übergeben“, sagt Peter Schwab von der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). „Bis Ende des Jahres sollen es 31 sein.“ Die Erschließungsstraßen werden erst im kommenden Frühjahr nach der letzten Hausübergabe an die Landeshauptstadt übertragen. Dann werden aus den jetzigen Privatstraßen öffentliche Straßen werden. Allerdings, so Schwab, sei die Zufahrt zu den bereits bewohnten Häusern jederzeit möglich. Auch der Internet-Stadtplan der Stadt weist die Straßen aus.

Post-Sprecher räumt Versäumnisse ein

Dass es die neuen Straßen gibt, war bis vor kurzem noch nicht bis zu jedem Zusteller vorgedrungen. Darin liegt der Grund für die Verzögerungen. Post-Sprecher Hugo Gimber räumt Versäumnisse ein. „Es lag an uns, dass die Päckchen nicht rechtzeitig zugestellt wurden. Das tut uns leid“, sagt er. Bei den besagten Päckchen habe es sich um die ersten Sendungen ins neue Wohngebiet gehandelt. „Die Abläufe waren noch nicht reibungslos, obendrein liegen die Straßen im Grenzgebiet zu zwei Zustellungsbereichen, auch das hat zu den Problemen geführt.“ Die Mitarbeiter seien nun sensibilisiert. „Wir geloben Besserung und hoffen, dass künftig alle Weihnachtsgeschenke rechtzeitig auch dorthin geliefert werden.“ Wie immer gebe es während der Weihnachtszeit besonders viel zu tun, ergänzt Gimber. Bundesweit würden täglich acht Millionen Päckchen und Pakete versandt. „Wir mieten in dieser Zeit zehntausend Transporter zusätzlich an.“ Die meisten Päckchen und Pakete würden dennoch zuverlässig geliefert, versichert er. Immerhin: Die drei fehlenden Lieferungen sind mittlerweile an der Zuffenhäuser Heide aufgetaucht – alle drei gleichzeitig: „Am 8. Dezember kam ein sehr engagierter Postbote, der sich eine Stadtkarte aus dem Internet ausgedruckt hatte, in der Siedlung an und lieferte die drei Pakete ab“, sagt Claudia Kufeld. „Das heißt, ab sofort scheinen diese Häuser wieder im Verteiler zu sein, zumindest so lange dieser hoch motivierte junge Postler Dienst hat.“

Fehlende Post ist das eine, wie aber sieht es mit den Rettungskräften aus, fragt sich Claudia Kufeld. Wissen Polizei, Notärzte und Feuerwehr von den Straßen? „Wir schauen uns im Rahmen unserer Maschinistenausbildung alle Straßen in Neubaugebieten in unserem Revier an“, sagt Udo Lorenz, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Zazenhausen. Sie ist neben der Berufsfeuerwehr Stuttgart für das Gebiet am Roten Stich zuständig. „Unsere Fahrer achten darauf, ob die Straßen breit genug sind, ob man gut durchkommt und ob es Sackgassen gibt, auf die man im Einsatz achten muss, damit auch die Kollegen gut durchkommen.“ Im Notfall würden die Adressdaten samt Kartenausschnitt per Alarmdepesche bei den Feuerwehrleuten ankommen. „Wir sind stets auch per Funk mit der integrierten Leistelle verbunden.“ Sie koordiniert die Einsätze und leitet die Rettungskräfte bei Bedarf zum richtigen Ort. Auch bei der Polizei sieht man keine Probleme: „Unsere Beamten kennen ihr Revier. Sie fahren in Neubaugebieten schon Streife, selbst wenn dort noch niemand wohnt“, erklärt Thomas Geiger von der Pressestelle der Polizei.

Daten zum Einsatzort direkt ins Auto geliefert

Tobias Grosser, Sprecher der Johanniter-Unfallhilfe in Stuttgart, beruhigt seinerseits: „Wir bekommen die Informationen zum Einsatzort sogar als exakte GPS-Daten direkt ins Auto gemeldet.“ Dort würden sie in ein Navigationssystem namens „Rescuetrack“ integriert, das einen Echtzeit-Überblick über Position und Verfügbarkeit von Fahrzeugen gebe und die am Einsatz beteiligten Rettungskräfte vernetze. „Im Zweifel finden wir so auch Rettungspunkte auf dem freien Feld.“

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