Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat den linken Gegenkandidaten haushoch geschlagen. Foto: AP

Der künftige Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, war den meisten Brasilianern bis vor zwei Jahren noch weitgehend unbekannt. Der Ultrachte ist bisher weniger wegen seiner politschen Arbeit, als wegen seiner Hetze gegen Minderheiten aufgefallen.

Rio de Janeiro - Der Tag, an dem der künftige Präsident Brasiliens dem ganzen Land bekannt wurde, war der 17. April 2016. Bei seiner Stimmabgabe im Amtsenthebungsverfahren gegen die damalige Präsidentin Dilma Rousseff rief der Abgeordnete Jair Bolsonaro laut aus: „Für Oberst Carlos Alberto Brilhante Ustra, den Schrecken von Dilma Rousseff.“ Die einen waren entsetzt, die anderen jubelten, aber die meisten Brasilianer fragten sich: Wer war denn das, der da so hasserfüllt seinen Stimmzettel in die Urne im Abgeordnetenhaus stopfte?

Bolsonaro, hoch aufgeschossen, Seitenscheitel, stechender Blick, war bis dahin dem Großteil der 200 Millionen Brasilianer ein Unbekannter. Oberst Ustra war einer der sadistischsten Folterer der ­Diktatur von 1964 bis 1985, und er soll für den Tod von mindestens 50 politischen Gefangenen sowie die Folterung Hunderter weiterer verantwortlich sein. Darunter auch Rousseff, die damals als kommunistische Aktivistin in die Fänge des Folterers geriet.

Bolsonaros Aufstieg ist beeindruckend

Seit mehr als seit zwei Jahren ist also klar, wes Geistes Kind der 63- -jährige Bolsonaro ist. Seither hat er einen Aufstieg vom radikal rechten parlamentarischen Hinterbänkler zum Präsidenten voll­zogen, den wohl nicht mal er selbst für möglich hielt.

Diejenigen, die früher mit ihm zu tun hatten, hielten Bolsonaro lange für einen rechten Spinner, der von der Diktatur schwärmte und Minderheiten diffamierte. Er hetzt gegen Schwule, Linke und Schwarze. Letztere taugten nicht einmal „zur Reproduktion“, sagt er gerne. Und der Arbeiterpartei PT von Ex-Präsident Lula da Silva und Rousseff wirft er vor, Brasilien in ein zweites Venezuela verwandeln zu wollen. Auch hat er sich aus dem Halbdunkel der parlamentarischen Hinterbänke immer wieder abwertend gegenüber Frauen geäußert. Aber nur ein Mal ist er dafür bestraft worden. 2003 sagte er zu einer Abgeordneten: „Dich vergewaltige ich nicht, weil du es nicht verdienst.“

Bolsonaro hat fünf Kinder, vier Söhne und eine Tochter. Über die äußerte er öffentlich: „Bei meinen letzten Kind habe ich geschwächelt. Es ist ein Mädchen.“ Zwei seiner Söhne, Flávio und Eduardo, sind Senator und Abgeordneter und wichtigste Flakhelfer ihres Vaters. Ähnlich wie sein Vorbild US-Präsident Donald Trump versammelt dieser im Wesentlichen seine Familie und enge Vertraute als Berater um sich.

Das scheint auch bitter nötig. Denn wenn Bolsonaro mal nicht hetzt und droht, wird sein Diskurs schnell dünn. Bei seiner unbeholfenen ersten Rede am Sonntagabend war das gut zu sehen. Er stütze sich vor allem auf Gott und beschwor das Ende des angeblichen Kommunismus in Brasilien.

Er wurde vor allem wegen seiner Hetze bekannt

Bolsonaro stammt aus einer kleinen Stadt im Hinterland von São Paulo. Sein Vater war eine Art Land-Zahnarzt, der mit dem Bohrer über die Dörfer zog. Die ganze Familie verklärte die Diktatur.

Früh schon zog es Bolsonaro in die Armee, wo er es zum Fallschirmjäger brachte. Wegen Disziplinlosigkeit wurde er entlassen. Anschließend ging er in die Politik. Dabei hat er in den 27 Jahren im Parlament nicht ein einziges Gesetzesprojekt erfolgreich auf den Weg gebracht. In seinen sieben Legislaturperioden ist er kaum durch produktive parlamentarische Arbeit, sondern vor allem durch seine Ausfälle auffällig geworden.

Der 17. April 2016 – so zeigt sich jetzt – war tatsächlich der Startschuss einer Reise, die den Hardliner jetzt in den Präsidentenpalast Palácio do Planalto in Brasilia gebracht hat.