Carola Rackete auf einem Monitor hinter ihrem Kontrahenten Minister Salvini Foto: dpa

Die 31-jährige Kapitänin der „Sea Watch“ steht in Lampedusa unter Hausarrest. In ihrer Heimat Hambühren im Landkreis Celle bangt man um ihr Schicksal – und erwägt eine Solidaritätsaktion.

Stuttgart - Für eine Schiffsoffizierin ist Carola Rackete, die Kapitänin der „Sea-Watch 3“, nicht verlegen um starke Worte: „Wenn uns die Gerichte nicht freisprechen, dann die Geschichtsbücher“, sagte die 31-Jährige „Spiegel-Online“. Und in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“ erklärte „La Capitana“, wie sie in Italien genannt wird: „Ich bin weiß, Deutsche, in einem reichen Land geboren und habe den richtigen Pass. Ich fühle die moralische Pflicht, denen zu helfen, die nicht die gleichen Chancen haben.“ Seit sie nach einer Odyssee mit notleidenden Flüchtlingen an Bord eine Hafensperre auf der italienischen Insel Lampedusa überwunden hat, ist sie weltweit bekannt.

Sie darf ihr eigenes Handy nicht benutzen

Am Wochenende war Carola Rackete festgenommen und auf Lampedusa unter Hausarrest gestellt worden. Ihr Vater berichtete der „Celleschen Zeitung“ über ihre Befindlichkeit. „Wir haben am Samstagabend miteinander telefoniert. Es geht ihr gut. Sie ist guter Dinge“, sagte Ekkehart Rackete aus Hambühren im Landkreis Celle. Die Eltern erhalten Informationen über die Hilfsorganisation Sea-Watch, mit ihrem eigenen Handy dürfe Carola Rackete nicht telefonieren. Sie sei für den Hausarrest bei einer Übersetzerin von „Sea Watch“ untergekommen, heißt es. Politisch ist der Vater, ein Oberstleutnant der Reserve, laut „Cellesche Zeitung“ nicht ganz auf der Linie seiner Tochter, aber trotzdem sei er stolz auf sie: „Ich sehe meine Tochter nicht als Heldin. Sie hat eine Menge Zivilcourage bewiesen. Sie hat gemacht, was sie für richtig gehalten hat“, wird er von dem Blatt zitiert.

In England hat sie Naturschutz studiert

Carola Rackete wurde in Preetz bei Kiel geboren und wuchs im 10 000-Einwohner-Ort Hambühren (Kreis Celle) auf, wo sie 2007 das Abitur machte. Sie absolvierte ein Studium der Nautik an der Jade Hochschule in Elsfleth mit dem Abschluss Bachelor und fuhr unter anderem als Schiffsoffizierin auf Kreuzfahrtschiffen. Als Brückenoffizierin arbeitete sie später für Greenpeace und war in dieser Funktion auch an Expeditionen für das auf Polarforschung spezialisierte Alfred-Wegener-Institut beteiligt. Von 2015 bis 2018 studierte sie in England das Fach Conservation Management (Naturschutzmanagement) und beendete es mit dem Master.

Seit 2016 ist Carola Rackete ehrenamtlich als Seenotretterin im Mittelmeer tätig, im vergangenen Jahr über nahm sie als Kapitänin die „Sea-Watch 3“. Während Italiens Innenminister Matteo Salvini der deutschen Kapitänin „einen kriminellen Akt“ vorwirft, schlägt ihr gerade in Deutschland und Teilen Italiens eine Welle der Solidarität entgegen. Unter anderem setzt sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Siemens-Chef Joe Kaeser für sie ein. Und auch in ihrem Herkunftslandkreis denkt man an die mutige Schiffskapitänin. Der Celler Kirchenkreis-Sprecher Uwe Schmidt-Seffers sagte: „Wir wären im Kreis Celle sicherlich in der Lage, fünf bis acht Flüchtlinge der Sea Watch 3“ aufzunehmen. Das wäre ein gutes Signal gegenüber der Kapitänin.“

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