Kristalina Georgiewa ist die Nummer zwei bei der Weltbank. Sie soll zur Schwester-Organisation IWF wechseln. Foto: dpa

Es gibt keinen Posten, den man der Bulgarin Kristalina Georgiewa nicht zutraut. Nun soll sie Chefin des Internationalen Währungsfonds werden. Ihre Nominierung verlief allerdings ziemlich chaotisch – und eigentlich ist sie auch zu alt.

Berlin - Die Bewerberin fasste sich kurz. „Es ist eine Ehre, als Kandidatin für das Amt des Geschäftsführenden Direktors des IWF nominiert zu sein“, schrieb Kristalina Georgiewa auf Twitter. Ihren Posten als Geschäftsführerin der Weltbank lasse sie ab sofort ruhen. Kein verfrühter Dank, keine programmatische Ansage: So lässt sich jemand ein, der weiß, dass er zwar einen Schritt weiter, aber noch nicht am Ziel ist.

 

Aber das Ziel ist immerhin in Sicht. Denn geht es nach dem Willen der Europäischen Union, dann soll die 65-Jährige Georgiewa im Herbst die Leitung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington übernehmen. Nach wochenlangen Diskussionen hatten die EU-Finanzminister Ende vergangener Woche in einer Kampfabstimmung entschieden, die Bulgarin ins Rennen für den prestigeträchtigen Posten zu schicken.

Es war ein ziemlich chaotisches Verfahren, bei dem abermals deutlich wurde, dass die Regierungen in Paris und Berlin in europäischen Fragen derzeit häufiger nicht an einem Strang ziehen. Georgiewa war die Kandidatin der französischen Regierung. Die deutsche Seite hätte lieber den ehemaligen niederländischen Finanzminister und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nominiert.

Schwellenländer unzufrieden

Nun also soll die Bulgarin den IWF führen. Klappt die Wahl wie vorgesehen, dann folgt Kristalina Georgiewa auf die Französin Christine Lagarde, die für den Chefsessel der Europäischen Zentralbank in Frankfurt vorgesehen ist. Traditionell stellen die Europäer den oder die Chefin des IWF, während die Schwesterorganisation Weltbank von einem US-Amerikaner geleitet wird.

Die aufstrebenden Schwellenländer stellen dieses Vorrecht des Westens längst infrage. Aber die Machtverhältnisse in den Gremien der beiden Washingtoner Institutionen sind nun einmal, wie sie sind. Und weil die Europäer im Frühjahr die Wahl des US-Kandidaten David Malpass zum Präsidenten der Weltbank mitgetragen hatten, gehen sie davon aus, dass die US-Regierung nun auch die europäische Kandidatin für den IWF-Spitzenposten unterstützen wird. Aufgabe des IWF ist es, die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu stärken und Krisenländer mit Notkrediten zu versorgen.

Georgiewa gilt in Europa als eine Art Allzweckwaffe. Es gibt kein Amt, dass man der promovierten Ökonomin aus Sofia nicht zutraut. Vor wenigen Wochen erst war sie für den Posten der EU-Ratspräsidentin im Gespräch, davor für das Amt des Uno-Generalsekretärs. Bei der Weltbank ist sie als Geschäftsführerin bislang die Nummer zwei, bis zu Malpass‘ Amtsantritt leitete sie die Institution kommissarisch. Zwischen 2010 und 2016 war sie EU-Kommissarin in Brüssel. Georgiewa steht der Europäischen Volkspartei nahe, in der die Mitte-Rechts-Parteien des Kontinents organisiert sind.

Änderung der Statuten geplant

Man wird sehen müssen, wie stark sich die Schwellenländer im IWF-Exekutivdirektorium der Kandidatin entgegenstellen werden. Neben der eigentlichen Wahl ist auf jeden Fall noch eine weitere Hürde zu nehmen. Denn Georgiewa ist eigentlich zu alt für den Posten. Die IWF-Statuten schreiben vor, dass der Geschäftsführende Direktor zum Amtsantritt höchstens 65 Jahre alt sein darf. Georgiewa wird aber Mitte des Monats 66. Nun ist geplant, für sie die Statuten zu ändern.

Die Bulgarin hat noch einen weiteren Nachteil: Sie ist keineswegs die Wunschkandidatin aller EU-Regierungen. Am Freitag siegte sie nur knapp in einer Kampfabstimmung über den ehemaligen niederländischen Finanzminister Dijsselbloem. Zuvor hatten sich der portugiesische Finanzminister und amtierende Vorsitzende der Eurogruppe, Mario Centeno, die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calvino sowie der finnische Notenbank-Chef Olli Rehn selbst aus dem Rennen genommen.

Georgiewa habe „alle Kompetenzen für eine erfolgreiche Nachfolge von Christine Lagarde“, meinte nach der Abstimmung der französische Finanzminister Bruno Le Maire, der die Kandidaten-Auswahl koordiniert hatte. Besonders der französische Präsident Emmanuel Macron dürfte sehr zufrieden sein mit dem Ausgang. Denn nachdem er bereits seine Landsfrau Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank und die Deutsche Ursula von der Leyen auf dem Chefsessel der EU-Kommission platzieren konnte, ist er jetzt drauf und dran, einen weiteren internationalen Top-Posten mit einer eigenen Kandidatin zu besetzen.