Die Erzieherin Christa Aydin und der Pappmaché-Elefant: beide sind seit 40 Jahren in der Kita am Herdweg. Foto: Fritzsche

Christa Aydin ist Erzieherin in der Kita am Herdweg. Sie hat für sich den Beruf gefunden, den sie selbst nach so langer Zeit immer noch liebt. Ganz aufzuhören kann sie sich auch während des Ruhestands nicht vorstellen.

S-Nord - Gefeiert hat sie mit einem großen Fest Anfang Oktober, rund 230 Besucher waren dabei, kleine und große, ehemalige Kindergartenkinder, ehemalige Kindergarteneltern, Menschen, die beides waren und sind. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele kommen“, sagt Christa Aydin und erzählt mit leuchtenden Augen. „Das Fest hat mir so viel gegeben.“

Die Position der Leiterin war für sie ein Chance

1974, mit 23 Jahren, kam Christa Aydin zum ersten Mal in die Kindertagesstätte am Herdweg. „Nach meiner Ausbildung war ich zunächst zwei Jahre lang in einem Kindergarten am Hallschlag tätig“, erinnert sich Aydin. Dann wechselte sie an den Herdweg. Dort betreute sie gemeinsam mit einem Praktikanten rund 30 Kinder: „Damals waren die Gruppen noch größer.“ Später kam noch eine Kollegin dazu, „aber wir waren immer ein kleines, familiäres Team“. Die Einrichtung am Herdweg habe ihr gleich gefallen: „Für mich war es natürlich auch eine große Chance, mich als Leiterin zu behaupten und selbstständig zu arbeiten.“ 22 Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden aktuell im Kindergarten betreut. Die Mehrheit hat einen Migrationshintergrund.

Die Kinder gestalten heute den Alltag mit

Die Betreuung der Kinder ist für Christa Aydin immer „etwas Einmaliges“ gewesen. Über vierzig Jahre hinweg habe sich freilich einiges verändert. „Früher hatten die Kinder mehr Ausdauer bei einem Spiel als heute“, sagt Aydin. „Heute gibt es eine solche Vielfalt, und das Experimentieren ist für die Kinder viel interessanter.“ Auch die Umwelt habe sich verändert, sagt die Erzieherin: „Computer und das Internet spielen natürlich eine Rolle im Leben der Kinder. Es kommen viele Fragen, die uns Erzieherinnen herausfordern, uns weiterzuentwickeln, um darauf antworten zu können.“ Während es früher noch Wochenpläne gab, auf denen verzeichnet stand, wann gelesen, gemalt oder gebastelt wurde, wird der Alltag heute von den Kindern mitgestaltet: „Die Kinder sollen selbst entscheiden, welches Angebot ihnen Freude macht, was sie interessiert. Wir gehen auf ihre Bedürfnisse ein und nehmen sie ernst.“ Auch Ausflüge in die Stadtbibliothek, ins Theater oder ins Linden-Museum plant Christa Aydin regelmäßig. „Früher hat man kaum kulturelle Angebote in der Stadt wahrgenommen. Meine Idee war, den Kindern eine kulturelle Erfahrung zu bieten.“

Der Elefant ist seit ihrem ersten Jahr mit dabei

Ein zentrales Element war bei ihrer Arbeit stets der Pappmaché-Elefant, der im Kindergarten steht und auf dem die Kinder gerne herumklettern. „Der ist auch 40 Jahre alt“, verrät Christa Aydin. Gebastelt hat sie ihn zusammen mit den Kindern, als sie im Kindergarten Herdweg angefangen hat. „Und dann haben wir ihn immer, wenn er schon ein bisschen mitgenommen aussah, neu und bunt beklebt.“

Selbst nach jahren macht ihr der Beruf immer noch Spaß

Neben den Kindern war und ist Aydin die Elternarbeit stets sehr wichtig. „Die Eltern haben immer die Möglichkeit, dabei zu sein, wenn sie das möchten.“ Und sie scheinen zufrieden zu sein mit der Arbeit der Kita-Leiterin: „Man merkt jeden Tag, dass Christa Aydin auch nach so vielen Jahren immer noch Freude an ihrem Beruf hat und unsere Kinder bei ihr bestens aufgehoben sind“, sagt etwa Simone Veit, deren Kinder in den Kindergarten am Herdweg gehen. Sie war es auch, die sich an diese Zeitung gewandt hatte. „Man sollte diese Leistung wertschätzen, und seitens der Stadt ist meines Wissens nach nichts vorgesehen.“

Natürlich, sagt Christa Aydin, habe es durchaus auch schwere Zeiten gegeben. „Sicher ist es in einem so kleinen Team schwierig, wenn ein Kollege krank wird. Und wir hatten auch immer wieder Kinder mit einer Behinderung oder Verhaltensauffälligkeiten hier. Natürlich war dies immer eine besondere Herausforderung und erforderte viel Geduld und Einsatz, aber ich würde eine solche Herausforderung immer wieder annehmen.“

Familie und Beruf zu vereinen war nicht gerade leicht

Christa Aydin liebt ihren Beruf, das sagt sie immer wieder. „In meiner Arbeit gehe ich auf. Kinder sind so neugierig, so fantasievoll, man lernt selbst ganz viel von ihnen.“ Die Erzieherin hat selbst zwei Söhne groß gezogen. Ein Jahr hatte sie jeweils nach einer Geburt ausgesetzt, sie sagt aber auch: „Familie und Beruf zusammenzubringen war oft ein Spagat.“

Ganz aufzuhören kann sie sich nicht vorstellen

Noch zwei Jahre, dann steht Christa Aydins Ruhestand an. „Mein großes Fest mit allen Ehemaligen habe ich ja jetzt schon gehabt, da kann ich später ruhigen Herzens gehen“, sagt sie. Ganz aufzuhören kann sie sich aber nicht vorstellen: „Ich hätte große Lust, ehrenamtlich in einer Kindertagesstätte zu arbeiten, oder als Lesepatin in der Stadtbibliothek.“ Und den Elefanten, den wird sie wohl auch mitnehmen, als Erinnerungsstück.

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