Paula Badosa steht im Halbfinale des Porsche-Grand-Prix in Stuttgart und besticht nicht nur durch ihr herausragendes Spiel, sondern beherrscht auch den glamourösen Auftritt.
Ons Jabeur hatte den letzten Ball verschlagen – da griff sich die Spanierin Paula Badosa ungläubig an ihre weiße Schirmmütze. Sie marschierte ans Netz, umarmte die kleine, kräftige Gegnerin aus Tunesien herzlich, und nachdem auch die Schiedsrichterin ihren Handschlag bekam, ging Badosa noch einmal zurück auf den Platz und malte irgendetwas in den Sand. War es ein Herz?
Der Sieg der Nummer drei der Tenniswelt gegen die Nummer zehn war zwar kein Wunder, aber doch solch ein hartes Stück Arbeit, dass der hochgewachsenen Tennisspielerin ein Stein vom Herzen fiel. Ons Jabeur war der erwartet harte Brocken. Dieser mühsame 7:6, 1:6, 6:3-Erfolg von Badosa im Viertelfinale des Porsche Tennis Grand Prix überzeugte die Siegerin einmal mehr davon, wie unbequem die Gegnerin mit ihrem humorlosen Kraftspiel tatsächlich sein kann. „Ich bin so glücklich, dieses schwierige Match gewonnen zu haben. Das Niveau war hoch, sie schlägt starke Bälle, also musste ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich eine Kämpferin bin“, sagte die Gewinnerin, und wer genau hinsah, der konnte Tränen des Glücks erkennen.
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Paula Badosa hat eine enorme Entwicklung hinter sich. 2018 gab die heute 24 Jahre alte Tennisspielerin schon einmal in Stuttgart ein Gastspiel – damals scheiterte sie als Nummer 214 der Welt in der Qualifikation. Den ganz großen Schub nach vorne machte sie 2021: Viertelfinaleinzug bei den French Open, erster Sieg einer Spanierin beim Klassiker in Indian Wells, am Ende des Jahres hatte sie sich auf Platz acht der Bestenliste geschlichen. 2022 machte sie dann da weiter, wo sie im Vorjahr aufgehört hatte – und gewann das WTA-Turnier im australischen Sydney.
Wie kam es zu dieser Entwicklung? Es ist der ganzheitliche Ansatz, mit dem Badosa ihre Vorbereitung gestaltet. Weil es nicht nur auf Fitness ankommt, sondern auch auf den Kopf, nahm sie die Hilfe von Psychologen in Anspruch. Das hat sie in den vergangenen Jahren mental stärker, selbstbewusster und stabiler gemacht. Früher war das anders. Während des Flugs zu einem Turnier, gab sie mal zu, habe sie verzweifelt ihren Freund angerufen, weil sie nicht mehr weiter wusste. „Ich habe mich etwas gefürchtet“, sagte Badosa, die mit der Weltranglisten-Ersten Iga Swiatek befreundet ist und viel mit ihr trainiert. „Sie ist sehr nett. Ich hätte generell keine Lust, mit Menschen zu trainieren, die negative Energie versprühen“, sagt Badosa.
Zwei Seiten einer Frau
Diese professionelle Herangehensweise ist die eine Seite von Paula Badosa. Die andere zeigt sich in Stuttgart auf dem Platz. Sie ist in New York aufgewachsen bei Eltern, die beide in der Modebranche arbeiten, also hat sie auch ein sicheres Gespür für elegante Auftritte. Die Tennis-Beauty besticht in Stuttgart mit ihrem umwerfenden lilafarbenen Kleid, die weiße Mütze und weiße Schuhe runden ihr Outfit ganz wunderbar ab. Badosa erscheint so glamourös wie früher in der Porsche-Arena sonst immer nur Anna Sharapowa. Der weiße Tennisdress von Ons Jabeur wirkt dagegen nüchtern und rustikal.
Paula Badosa ist vor allem auch im Internet rege zugange, im sozialen Netzwerk Instagram kommt sie auf stattliche 545 000 Follower. Dort gibt sie ihren Abonnenten auch Einblicke in ihr Privatleben als Tennisstar. Was nicht bedeutet, dass sie ihren Sport nicht ernst nimmt – ganz im Gegenteil. Gerade in Spanien ist der Druck, der auf ihr lastet, gewaltig. Badosa wird schon als nächste große Heldin gefeiert, muss Vergleichen mit den Grand-Slam-Turniersiegerinnen Arantxa Sanchez Vicario, Conchita Martinez und Garbine Muguruza standhalten – und sagt: „Das Schlimmste sind die Erwartungen, wenn man eine ordentliche Spielerin ist.“
Der große Traum
Zunächst einmal soll ihr Weg in Stuttgart möglichst weit führen, über das Halbfinale gegen Aryna Sabalenka am besten bis zum Turniersieg. Danach geht die Mission von Paula Badosa dann unaufhaltsam weiter – mit einem festen Ziel im Blick: „Ich wache jeden Morgen auf und denke daran, dass ich ein Grand-Slam-Turnier gewinnen will.“