Porsche Tennis Grand Prix Ein Turnier mit großer Geschichte

Von Simon David 

Julia Görges, Siegerin beim Porsche Tennis Grand Prix 2011, steht auch drei Jahre später im Achtelfinale von Stuttgart Foto: Pressefoto Baumann
Julia Görges, Siegerin beim Porsche Tennis Grand Prix 2011, steht auch drei Jahre später im Achtelfinale von Stuttgart Foto: Pressefoto Baumann

Anekdoten um den Stuttgarter Porsche Tennis Grand Prix gibt es viele. Ein Streifzug durch die Geschichte des Damenturniers lohnt sich deshalb.

STUTTGART - Wer mitgezählt hat, weiß: In diesen Tagen findet in Stuttgart bereits der 37. Porsche-Tennis-Grand-Prix statt. Und wie vor 36 Jahren schlägt ein Topfeld auf. Denn das war schon immer so – ein Streifzug durch die Geschichte des Turniers:

Die Anfänge: Dieter Fischer ist ein Tennisenthusiast. Einer, der den weißen Sport liebt. 1977 ließ er in seiner neu erbauten Halle in Filderstadt-Plattenhardt eine Gala mit vier Profispielern austragen. Unter anderem mit dem Südafrikaner Ray Moore. „Da war die Idee geboren, ein Profi-Hallenturnier auf die Beine zu stellen“, erinnert sich der heute 75-Jährige. Weil Mercedes sich zu viel Zeit ließ, holte er Porsche als Sponsor ins Boot, der das Siegerfahrzeug und 175 000 US-Dollar Preisgeld zur Verfügung stellte. Flugs kaufte Fischer von Larry King, einem amerikanischen Turnier-Organisator, die Rechte ab. Dafür bezahlte der Besitzer eines Drogeriemarktes in Bernhausen 100 000 Dollar „aus eigener Tasche. Bei meiner Bank haben sie mich deshalb komisch angeschaut.“

Ein Jahr später gewann die damals 15 Jahre alte US-Amerikanerin Tracy Austin die Premiere – auf dem Hartplatz. „Es war alles improvisiert, aber es hat funktioniert“, sagt Fischer. Das ZDF übertrug live, vier Millionen saßen vor dem TV. Was aber nur wenige wissen: 1979 gab’s auch ein Herren-Turnier, das der Pole Wojtek Fibak gewann. Es war jedoch das letzte seiner Art. „Beide Veranstaltungen nur mit Ehrenamtlichen zu stemmen war zu stressig. Und das Damenturnier lief besser“, berichtet der Turniererfinder. Die 80er Jahre: Steffi Graf war erst 13 und stand 1982 in der ersten Runde. Doch gegen die vierfache Filderstadt-Siegerin Tracy Austin war sie chancenlos. „Mit Tränen in den Augen hat sie die Bälle übers Netz gedroschen“, erinnert sich Fischer. Nur noch zweimal schlug die Gräfin danach bei ihm auf. 1984 verlor sie im Finale gegen die Schwedin Catarina Lindqvist. Im Halbfinale, ein Jahr später provozierte sie Pam Shriver (USA) derart, dass Steffi Graf vor Wut schäumte. Sie zerschlug ihren Schläger, brachte die Zuschauer gegen sich auf und verlor. „In Filderstadt spielt sie nie mehr“, schnaubte Vater Peter Graf.

Dafür retournierte Rekordsiegerin Martina Navratilova (sechs Titel) umso lieber in „Fildastätt“, wie sie es immer bezeichnete. Allein in den 80er Jahren saß die US-Amerikanerin fünfmal in dem gewonnenen Porsche und brachte dabei stets ihren Hund mit. Die 90er Jahre: Das 14. Turnier endete 1991 mit dem ersten deutschen Sieg. Die 16 Jahre alte Anke Huber rang Navratilova nach 3:28 Stunden nieder. „Der schönste sportliche Moment“, meint Michael Uhden, Turnierdirektor von 1984 bis 2001, der damals aber befürchtete, „dass die Tribünen unter der Last der 3000 jubelnden und trampelnden Fans einstürzen.“ Auch Huber, heute Sportliche Leiterin des Turniers, blickt gerne zurück: „Der Triumph war mein Durchbruch.“

Martina Hingis, Dieter Fischers Lieblingsspielerin, hat das WTA-Turnier in Filderstadt ebenfalls in bester Erinnerung. Viermal (1996, 1997, 1999, 2000) brauste die Schweizerin als Siegerin davon. „Das Besondere aber“, sagt die Trainerin von Sabine Lisicki, „waren die Kleinigkeiten, die es immer gab: zum Beispiel die Betthupferl.“ Fischer ließ den Spielerinnen immer Geschenke, etwa Teddybären, aufs Kopfkissen legen. „Das war unser Geheimrezept: Wir haben die Profis 24 Stunden am Tag umsorgt, haben ihnen die volle Aufmerksamkeit geschenkt“, verrät Michael Uhden. Manchmal allerdings über Gebühr. Wie 1996.

Da musste der Turnierdirektor die Williams-Schwestern vom Flughafen ins alte Mövenpick-Hotel kutschieren. „Obwohl das nur über die Straße war, wollten sie von uns persönlich abgeholt werden. Sie waren erstmals in der Bundesrepublik und hatten Angst. Sie dachten, dass Deutschland rassistisch sei“, erinnert sich Uhden, der sich auch mal auf die Suche nach einem Kleidersack von Anna Kournikowa machen musste: „Mama Alla rief mich an, sie war wie Tochter Anna völlig aufgelöst, weil die Wäsche von Fetischisten geklaut worden war“, erzählt Uhden. Eine Kollegin der russischen Beauty half ihr dann mit Outfits aus der Patsche. Seit 2000: Nach der 25. Auflage 2002 verkaufte Dieter Fischer die Rechte nach eigenem Bekunden „für einen Freundschaftspreis“ an Sponsor Porsche. Seither tritt der Autobauer als Veranstalter auf und wechselte 2006 den Ort. Von der viel zu klein gewordenen Anlage in Filderstadt zog das Turnier nach Stuttgart in die neu erbaute Porsche-Arena. Hier erlebte Markus Günthardt, seit zehn Jahren Turnierdirektor, eine der größten Überraschungen der Sandplatzveranstaltung: Julia Görges schlug 2011 die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki. „In der Ära nach Graf und Huber haben wir von einer deutschen Siegerin geträumt. Auf einmal war sie da“, erinnert sich Günthardt. Einziger Leidtragender: Klaus Görges. Der Vater der Bad Oldesloerin biss sich auf der Tribüne vor Nervosität fast die Zähne aus.

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