Elina Svitolina, die Nummer sechs der Weltrangliste, mit Ex-Rennfahrer Mark Webber und dem neuen 911 Cabrio auf der Teststrecke von Porsche in Weissach. Foto: Markus Leser/Porsche

Tennisstar Elina Svitolina stößt spitze Schreie aus: „Aaah, puuh, my god!“ Pilot Mark Webber rast mit ihr im neuen Porsche 911 Cabrio, dem Hauptgewinn des WTA-Turniers, auf der Weissacher Teststrecke. Wie fährt man in Zukunft Auto?

Stuttgart - In seinen Ferien hat der junge Mann einen Traumjob. Beim Porsche Tennis Grand Prix chauffiert der Student Turniergäste. Privat besitzt er kein Auto. „In Stuttgart brauch’ ich keines“, sagt der Fahrer, „man würde zu oft im Stau stehen.“ Auch viele seiner Freunde lebten autofrei.

Für junge Städter ist der eigene PKW nicht mehr wichtig wie ihren Eltern einst. Dennoch glaubt der freundliche Chauffeur vom Shuttle-Service, dass sich Porsche keine Sorgen um die Zukunft machen muss. „Es wird immer Menschen geben“, blickt er voraus, „die sich ein außergewöhnliches Fahrzeug leisten können und wollen.“

Auch beim Autofahren kommt es auf Beinarbeit an

Elina Svitolina aus der Ukraine ist die Nummer sechs der Tennis-Weltrangliste. Auf der Porsche-Teststrecke in Weissach bekommt sie weltmeisterlichen Fahrunterricht im 911 Carrera 4S Cabriolet, dem Hauptpreis des WTA-Turniers. Porsche-Pilot und LangstreckenweltmeisterMark Webber zeigt ihr, dass es beim neuen Stolz aus Zuffenhausen wie beim Tennisspiel auf Beinarbeit ankommt. „Crazy“, ruft der Australier, solle sie den Fuß aufs Gaspedal knallen.

Die Kamera im Autoinneren hält spitze Schreie der Ukrainerin fest. Die beiden haben Spaß im 450 PS starken Supergefährt, das viel mehr kann, als Straßen es erlauben. Mit dem Gefühl, ich könnte mehr, steuert manch einer dieses Kraftpaket. Der Basispreis beträgt 150 393 Euro inklusive Mehrwersteuer. Seine 304 Stundenkilometer Spitze sind in aller Regel nur was für die Theorie – zum Understatement wird trotzdem kein Fahrer gezwungen.

In 3,8 Sekunden von Null auf 100

Im Parcours auf dem Skidpad von Weissach geht’s rauf in sonst verbotene Tempozonen. In 3,8 Sekunden ist dieses Geschoss von Null auf 100. Sein CO2-Ausstoß ist mit 207 Gramm pro Kilometer zu hoch, als dass sich Schüler darin von den Eltern freitags zur Klimakundgebung fahren ließen. Den Grenzwert hat die EU für 2025 auf 60 Gramm festgelegt. Für Neuwagen, die mehr ausstoßen, muss man dann Strafen zahlen. Um eine Demo gegen die Erderwärmung handelt es sich nicht bei der Ausfahrt der vier Cabrios, die als Rahmenprogramm zum Tennisturnier nun heiß laufen. Porsche hat Medienleute zum „Lifestyle Experience“ hinters Steuer gesetzt.

Auf kurvenreichen Landstraßen geht’s von Zuffenhausen aus in den Enzkreis. Nach dem Boxenstopp im Restaurant Grüner Wald in Hamberg, wo der in Stuttgart bestens bekannte Sternekoch Claudio Urru (er wohnt weiterhin in Kaltental und kocht nun gewohnt außergewöhnlich im Enzkreis) seinen Ruhetag gestrichen hat, weil Porsche kommt, fährt die Cabrio-Kolonne nach Weissach. Im Entwicklungszentrum des Autobauers arbeiten 6500 Menschen – etwa so viele Bewohner hat die kleine Gemeinde.

Künftig wird gesummt statt geröhrt

Auf Entwicklung und Innovation kommt’s mehr denn je an – auf die Entwicklung zu sauberen Autos, die den Besitzern kein schlechtes Gewissen bereiten. Schwäbischer Erfindergeist ist gefragt. „Porsche steht ohne Wenn und Aber zu den Pariser Klimaschutzzielen“, versichert Chef Oliver Blume. Im Konzern läuft’s rund. Der Betriebsgewinn lag 2018 bei vier Milliarden Euro – mit dem satten Plus kann in neue E-Porsche-Modelle investiert werden. Bis 2025 soll jeder zweite Porsche-Neuwagen mit E-Antrieb fahren. Wie werden die Fans des Elfers auf den „Kulturschock“ reagieren, wenn der röhrende Verbrenner Platz macht für den summenden E-Flitzer?

Auch wenn’s summt, soll’s Spaß machen, bevor das autonome Fahren einen zum Nichtstun verdammt. Porsche-Fans sollen die Freude im Traumauto künftig klimafreundlich im Stillen genießen. Beim Tennisturnier geht es um Träume. Erst kam Hollywood-Star Patrick Dempsey, der Traummann vieler Frauen. Dann wird der Elfer, der ewige Männertraum, den Medien bei einer Ausfahrt in den Lifestyle präsentiert. Zuffenhausen hat ein Frauenproblem. 88 Prozent der Porsche-Fahrer sind Männer, im Schnitt um 50 Jahre alt. Wenigstens steht fest, dass eine junge Frau am Sonntag den 911 Carrera 4S Cabrio gewinnen wird.

„Der Elfer ist eine Stilikone“

Derweil feiert die Galerie Lumas einen Mythos. Die Schweizer Fotografin Irene Kung hat den neuen Porsche 911 kunstvoll in Szene gesetzt. Ihre Werke sind im Laden an der Lange Straße 3 ausgestellt. „Der Elfer ist eine Stilikone“, sagt sie, „das Design entwickelte sich mit der Zeit, bleibt aber immer bei sich.“ Die besten Ikonen sind Vorbilder – Vorbilder für eine Welt, die sich nicht selbst zerstört.

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