Hat in Stuttgart Großes vor: Simona Halep. Foto: dpa

Sie zeigt zurzeit das beste Tennis ihres Lebens. In dieser Saison hat Simona Halep schon drei WTA-Turniere gewonnen. Auch auf dem Stuttgarter Sand bleibt die Weltranglistendritte aus Rumänien in der Erfolgsspur. Doch das Leben spielt ihr immer wieder übel mit.

Stuttgart - Manchmal sucht sich der Erfolg einen grausamen Begleiter. Simona Halep bekommt das in diesen Tagen zu spüren. Denn anstatt sich in Stuttgart auf ihre Profession, das Tennisspielen, zu konzentrieren, muss sich die schüchterne Rumänin auf einmal mit Morddrohungen beschäftigen. Ein offensichtlich geistig verwirrter Fan, der sich im Netz „Jesper Andreassen“ nennt und aus Dänemark stammen soll, hatte ihr am vergangenen Donnerstag via Twitter auf Englisch geschrieben: „Ich werde dich zu 100 % zerstören. Du stirbst!“

Eigentlich geht so eine Drohung an einem Menschen nicht spurlos vorbei. Auch nicht an Simona Halep. Doch zumindest auf dem Centre-Court lässt sich das Energiebündel nichts anmerken. Im Viertelfinale fegte sie Sara Errani aus Italien, 15. der Welt, vom roten Sand. Nach 1:21 Stunden jubelte die 1,68 Meter kleine Rechtshänderin über ihr 6:4, 6:4.

Sie jubelte so, als ob nichts gewesen wäre. Simona Halep kann das. Sie ist eine Kämpferin, nicht nur auf dem Tennisplatz. Sie kann Tiefschläge beiseiteschieben – sogar in Momenten der Freude. Im März erst ging sie durch die Gefühls-Hölle. Als kurz vor ihrem bislang größten Erfolg in Indian Wells, ihr Cousin Nicica Arghir sich das Leben nahm. Der 29-Jährige hatte sich in seiner Wohnung erhängt. Er soll Spielschulden gehabt haben. „Mein Schmerz ist groß“, hatte Halep damals gesagt, „aber er hat Tennis geliebt. Deshalb widme ich ihm den Sieg.“

Nun kommt also noch die Morddrohung hinzu. Von einem Stalker, der die 23-Jährige offenbar schon länger im Internet verfolgt – und der noch nicht dingfest gemacht werden konnte. „Ich kann das nicht kommentieren. Ich bin hier nur um Tennis zu spielen. Andere Leute kümmern sich um den Rest“, meinte Simona Halep dazu nur.

Wer sie aber kennt, der weiß, die zierliche Frau aus Constanta am Schwarzen Meer lernt nur schwer, mit dem gesteigerten öffentlichen Interesse umzugehen. Seit ihrem Einzug ins French-Open-Finale im Vorjahr ist sie in ihrer Heimat ein echter Superstar. Sogar VfB-Fußballprofi Alexandru Maxim schaute sich die Auftritte seiner Landsfrau in der Porsche-Arena an. Doch Halep gibt zu: „Es ärgert mich, dass ich nicht mehr vor die Tür gehen kann, ohne erkannt zu werden.“ Allerdings: Einen Leibwächter brauchte sie bislang aber noch nicht. Das könnte sich ändern.

Die Veranstalter in Stuttgart hatten jedenfalls umgehend reagiert. Nach den Morddrohungen über Twitter wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Personenschützer begleiten Simona Halep jetzt in Stuttgart auf Schritt und Tritt. „Wir tun alles, damit die Sicherheit der Spielerin gewährleistet ist“, sagte ein Turniersprecher den Stuttgarter Nachrichten. Glücklich sei man über die Geschehnisse aber nicht.

Simona Halep, die sich 2009 die Brüste aus gesundheitlichen Gründen um drei Körbchengrößen verkleinern ließ, könnte sich auch eine schönere Turnierwoche am Cannstatter Wasen vorstellen. Dennoch kündigt sie vor dem Halbfinale an diesem Samstag gegen die Dänin Caroline Wozniacki trotzig an: „Ich werde voll konzentriert an die Sache herangehen.“

Zumal sie einen ersten Erfolg schon mal für sich verbuchen kann. In der an diesem Montag erscheinenden Weltrangliste wird sie Titelverteidigerin Maria Scharapowa nach deren Achtelfinal-Aus in Stuttgart als Nummer zwei ablösen. „Ich habe das auch erfahren“, sagte Halep, „aber es interessiert mich nicht wirklich.“ Wer mag ihr das in diesen Tagen verdenken.

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