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Die Seele hüpft durchs All: Jamiroquai am Mittwochabend vor 6000 Fans in der Porsche-Arena.

Stuttgart - Der Mann im Mond hat Heimweh: "I'm the man on the moon / Hoping I come back to soon", singt Jay Kay. Über der Bühne hängen Nachbildungen der Planeten unseres Sonnensystems, hinter ihr sieht man in unscharfen Bildern Raketen in den Nachthimmel emporsteigen, und auf ihr entdeckt Jay Kay mit seiner Band Jamiroquai die Schwerelosigkeit. Nicht nur der betörend groovende Soul von "Rock Dust Light Star", mit dem sie das Konzert am Mittwochabend vor 6000 Fans in der Porsche-Arena eröffnen, wird an diesem Abend melodieverliebt mit kosmischer Unbeschwertheit flirten.

Als Jamiroquai mit dieser Art von Musik anfingen, waren viele der Besucher des Konzerts in Stuttgart noch nicht geboren. Damals nannte man diesen lässigen Soul-Funk noch Acid-Jazz. Und Jamiroquai waren nur eine von vielen Bands, die diese Art der musikalischen Coolness pflegten. Inzwischen sind Jay Kay und Co. die letzten Vertreter ihrer Art - und scheinen sich seither fixsterngleich um sich selbst zu drehen. Das aktuelle Album "Rock Dust Light Star" kreiselt in den unendlichen Weiten des Popuniversums noch an derselben Stelle vor sich hin, wo sich im Jahr 1993 das Jamiroquai-Debütalbum "Emergency On Planet Earth" befand.

"White Knuckle Ride" die einzige Zugabe

Doch auch wenn sich beim Konzert am Mittwoch die meisten Songs in der "inter-planetary good vibe zone" austoben, von der Jay Kay im hibbeligen "Space Cowboy" schwärmt, sind die Nummern auch live so effektiv inszeniert und auf den Punkt arrangiert, dass das keinen stören muss. Und kaum führt Jay Kay erste Tanzschritte vor, kommt selbst das Publikum auf den Rängen in Bewegung - immer wieder vorangetrieben vom vergnügt knurrenden E-Bass Paul Turners: mal wie in "Main Vein" unterstützt von einem präzise akzentuierenden Bläsersatz, mal zuckend synkopierend in "Travelling Without Moving", mal "Another One's Bites The Dust" paraphrasierend in "All Good In The Hood".

Doch während Jamiroquai das Weltall zwischen "Cosmic Girl" und "Space Cowboy" erkunden, wagen sie doch hin und wieder mal stilistische Umwege. Etwa wenn Jay Kay in "Hurtin"' zu einem verschleppten schwerfälligen Rockgroove von der Einsamkeit erzählt. Oder wenn in "Canned Heat" eine zackige Gitarre zum Weltraumdiscoboogie lädt. Oder wenn "Alright" ein verträumtes, mit Trompete verziertes Intro oder "Deeper Underground" ein wild fiependes Gitarrensolo spendiert bekommen.

Und nach gut anderthalb Stunden ist dann selbst Jay Kay der Weltraumabenteuer überdrüssig. Während Saturn, Jupiter und Mars noch schüchten-sacht über den Köpfen der Band auf und ab schweben, spielt diese als einzige Zugabe die wild hüpfende Nummer "White Knuckle Ride", eine Art Jamiroquai-Retrospektive. Und auf der Videoleinwand sieht man Jay Kay einen Porsche Carrera aus den 1970ern fahren. Schon vorher hatte er zwischen zwei Songs verraten, wie er den Tag vor dem Auftritt verbracht hatte: "Ich habe es endlich ins Porsche-Museum geschafft - jetzt gibt es eigentlich nichts mehr, was es noch zu tun gibt." Die Erde hat ihn wieder.

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