Schon seit der Eröffnung weiß Nadja Tonbak, dass die Tage ihres Geschäfts für Dekoartikel, Larilli, im Stadtteil Korntal von Korntal-Münchingen gezählt sind. Über eine Frau und ihren zweiten beruflichen Neustart.
Korntal-Münchingen - Nadja Tonbak beschreibt sich als eine Frau, die mit „100 Ideen ins Bett geht und mit 1000 Ideen aufwacht“. Die wievielte Idee Larilli ist, das weiß die 48-Jährige zwar nicht – ihr aktuelles Projekt ist es allemal. Im Internet als Online-Shop gibt es Larilli seit gut drei Jahren, nun verkauft die Unternehmerin Partydekoration und Wohnaccessoires von vor allem skandinavischen Marken auch im Stadtteil Korntal von Korntal-Münchingen. „Die Korntaler sollen nicht mehr für jedes Geschenk nach Stuttgart fahren müssen“, findet Tonbak.
Es ist ein ungewöhnliches Projekt einer ungewöhnlichen Frau. Die Tage des Ladens in der früheren Bank und dem einstigen Fitnessstudio in der Johannes-Daur-Straße sind seit der Eröffnung gezählt. „Das tut mir schon jetzt richtig leid“, sagt Tonbak, die von einem dauerhaften Laden träumt.
Im Alter keine Reue haben
Bislang ist ihr Geschäft ein Pop-up-Store, ein Kurzzeitladen, der, so der Stand heute, Ende Oktober verschwindet. Die Korntaler Bau plant auf dem Areal an der Ecke Zuffenhauser Straße ein Wohn- und Geschäftshaus. Im Winter sollen die Abrissarbeiten beginnen. „Ich hoffe natürlich, dass sie sich verzögern. Bis dahin halte ich es wie immer: Ich bin offen und lasse die Sache auf mich zukommen“, sagt Nadja Tonbak und lacht.
Diese Eigenschaften plus eine große Portion Mut braucht sie auch: Mit der Gründung eines Onlinehandels und nun der Eröffnung des Ladens startete die 48-Jährige bereits zum zweiten Mal beruflich neu durch. Nach Abitur und Ausbildung war sie die Chefin des elterlichen Betriebs in Karlsruhe. Diese Tätigkeit gab sie auf, studierte BWL und Kunst in Stuttgart und war dann mehr als 20 Jahre lang selbstständig im Marketing- und Eventbereich. Schon immer liebte sie es, Räume umzubauen, zu gestalten, zu dekorieren. „Dieser Leidenschaft wollte ich endlich eine Chance geben. Außerdem will ich nicht im Alter bedauern, dass ich untätig war“, sagt Tonbak.
Das Sortiment stetig erweitert
Ihr Start-up im Internet – Larilli ist der Spitzname ihrer neun Jahre alten Tochter Lara – gründete sie mit „viel Herzblut“. Zunächst bestand ihr Sortiment aus Dingen, die für „schöne und stilvolle“ Feiern zuhause nötig sind. Nach und nach vergrößerte sie ihr Angebot um Kleidung, Kosmetik, Haushaltsgegenstände wie Handtücher und Holzbretter oder Artikel für Bad und Garten.
„Mir ist wichtig, dass das Design mit Liebe gemacht ist“, sagt Nadja Tonbak. Ihre Marken gebe es in der näheren Umgebung nicht, da müsse man schon nach Stuttgart. Dabei sind die Preise nicht ganz günstig: Da kostet eine Tasse schon mal 20 und ein Lätzchen zehn Euro. Das Geschäft im Internet ist hart, erzählt die Unternehmerin, ihr Shop laufe aber gut. Jedoch: „Online alleine war mir nicht genug, ich wollte meine Sachen auch präsentieren“, blickt die 48-Jährige zurück – zumal die Kunden Produkte anfassen wollten.
Familie inmitten von Dekoartikeln
Also veranstaltete sie in ihrem Haus in Korntal regelmäßig Verkaufspartys. Dazu verwandelte sie ihr Zuhause in einen Einkaufsladen. „Das war herrlich, nur sprengte es irgendwann den Rahmen. Meine Familie wollte nicht mehr vier Tage lang zwischen meiner Deko leben“, sagt Nadja Tonbak und lacht wieder. Zudem sei der Kraftaufwand enorm gewesen.
Auf der Suche nach passenden Räumen stieß Nadja Tonbak auf Flächen, die entweder zu viel kosten oder nicht vermietet werden. Als sie von den zeitweise in Korntal freien Räumen erfuhr, sagte sie spontan zu. Damit der Auszug im Herbst schnell über die Bühne gehen kann, begnügt sich Nadja Tonbak damit, ihre Produkte in schlichte schwarze und weiße Regale zu stellen. „Lieber hätte ich Vitrinen und Holztische und einen Sessel für die Gemütlichkeit“, sagt die Korntalerin. In ihrem Kopf habe sie eine konkretes Konzept.
Du statt Sie?
Der Laden kommt bislang gut an. „Die Leute kaufen viel. Aus ihrer Sicht hat in Korntal ein solcher Laden gefehlt“, berichtet die 48-Jährige, die in ihrem Geschäft auch Veranstaltungen ausrichten will. So möchte sie eine Bloggerin einladen, die ein Kochbuch vorstellt, oder mit einer Bäckerin ein „Cupcake-Event“ aufziehen. „Ich richte mich da aber auch nach den Kunden.“ Die würde sie am liebsten duzen. „In Skandinavien ist das üblich, deshalb rede ich im Online-Shop alle mit ihrem Vornamen an“, sagt Nadja Tonbak. Das sei persönlich, ungezwungener und schaffe Nähe. Bislang bleibt sie beim Sie, doch wer weiß, vielleicht ist unter den 1000 Ideen eine dafür passende Idee.
Aufgepoppt: Ein Konzept gegen den Leerstand
Zeitdruck Das Prinzip hinter Pop-up-Stores lautet: Was schwer zu bekommen ist, ist besonders begehrenswert. Bei den Pop-up-Stores ist für die Kunden die Zeit das Problem: Die Läden verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Sie öffnen für Tage oder Monate, an ungewöhnlichen Orten wie in leer stehenden Verkaufsräumen, Lagerhallen oder alten Kinosälen. Händler können sich so ausprobieren oder neue Kunden gewinnen. Der erste Verkauf dieser Art war 1997 in Los Angeles die Ritual Expo. Auch Adidas, Louis Vuitton oder Breuninger nutzen das Konzept.
Wo noch? In Stuttgart gibt es zum Beispiel in der Kronprinzenstraße den Pop-up-Store Kronprinz des Weinguts Stuttgart. Das Einkaufszentrum Gerber vermietet etwa Pop-up-Boxen.
Öffnungszeiten Larilli in Korntal öffnet im Juni zu den folgenden Zeiten: Montag von 10 bis 17 Uhr, Dienstag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag von 10 bis 16 Uhr sowie am Freitag und Samstag von 10 bis 13 Uhr. Mittagspause ist immer von 13 bis 14.30 Uhr, mittwochs bleibt der Laden zu.