Christiane Naegele liebt das Verkaufen und den Kontakt mit Menschen. Foto: Alexandra Kratz

Das „Kruschtellädle“ – so heißt der neue Pop-Up-Store im alten Ortskern von Stuttgart-Vaihingen. Die Eigentümerin will ein Zeichen setzen.

Vaihingen - Holzspielzeug, Malbücher, dicke graue Wollmützen mit grellen Neonstreifen: Es ist eben ein richtiger Kruschtelladen. Aber keiner, in dem es nur Billigkram gibt. Viele der Sachen sind qualitativ hochwertig. Dazu kommt noch ein kleines Second-Hand-Sortiment. Das kleine Geschäft hat am Montag am Vaihinger Markt 11 eröffnet – dort, wo bis Jahresende das Kartenlädle beheimatet war. Der Inhaber musste sein Geschäft wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen. Damit gab es einen weiteren Leerstand in der Vaihinger Ortsmitte.

Das wollte Christiane Naegele so nicht hinnehmen. Zum einen nicht, weil es mit dem Vaihinger Markt nicht immer weiter bergab gehen soll. Zum anderen nicht, weil das Haus ihrer Familie gehört. Also hat die Reiseverkehrskauffrau die Sache selbst in die Hand genommen. Ein Sortiment gab es bereits. Denn viele Jahre lang hatte Naegele zusammen mit einem Freund einen Stand auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. So kommt es, dass auch viele Weihnachtsmänner Räucherkerzen und Schneekugeln bei Naegele im Regal stehen. Viele Kunden hatte die Geschäftsfrau noch nicht. „Aber es waren auch gerade einmal zwei Öffnungstage, und ich habe überhaupt keine Werbung gemacht“, tröstet sich Naegele. Immer mal wieder würden Passanten vor dem Schaufenster stehen bleiben und neugierig durch die Scheibe schauen. „Manchmal mache ich dann einfach die Tür auf, spreche die Leute an, und sage, dass sie ruhig auch reinkommen können“, sagt Naegele.

Einst ist in dem Haus ein Supermarkt gewesen

Denn lang haben sie nicht Gelegenheit dazu. Das Kruschtellädle ist ein sogenannter Pop-Up-Store. Das sind Geschäfte, die es nur für eine kurze Zeit gibt, meistens um einen Leerstand zu überbrücken. Naegele geht davon aus, dass sie ihren Laden zwei bis vier Monate betreibt. Langfristig möchte sie die Räume wieder vermieten. Es gebe bereits Interessenten. Bevor ein neuer Mieter einzieht, wollen die Eigentümer den Laden noch renovieren.

Das Haus am Vaihinger Markt hat eine lange Geschichte. Der ein oder andere alteingesessenen Vaihinger erinnert sich noch an den kleinen Supermarkt, den es einst dort gab. „Das war ein richtiger Tante-Emma-Laden mit einem angeschlossenen Fischgeschäft und einem Lebendbassin“, sagt Naegele und lacht. Die Oma ihres Mannes habe damals hinter der Theke gestanden und verkauft.

Die Stadt möchte den Vaihinger Markt aufwerten

Damals war Vaihingen sozusagen noch ein Dorf und das Wort Trading down völlig unbekannt. Heute bezeichnen Stadtplaner mit diesem Begriff die vielerorts zu beobachtende Abwärtsspirale in alten Ortskernen. Immer mehr kleine Läden müssen schließen, große Einkaufszentren auf der grünen Wiese ziehen die Kaufkraft ab. Auch Naegele blickt mit Sorge durch ihr Schaufenster auf das gegenüberliegende Scharr-Gebäude. Dort befindet sich unter anderem ein Anbieter für Lagerboxen. „In einer Fußgängerzone!“, sagt Naegele und schüttelt verständnislos den Kopf. Dort wo über Jahrzehnte die Schiller-Buchhandlung war, sind jetzt Büros. Und auch der US-Shop am Vaihinger Markt will schließen. Hoffnung macht der Geschäftsfrau das im Oktober 2017 beschlossene Sanierungsprogramm Vaihingen 4 – Östliche Hauptstraße und das vom Gemeinderat bei den letzten Haushaltsberatungen beschlossene Programm „Stadtteilzentren konkret“. Beiden Projekten gemeinsam ist, dass Geld in die Hand genommen wird, um die Missstände in der Vaihinger Ortsmitte zu beheben. „Ich glaube, da könnte man schon viel machen“, sagt Naegele.

Die Öffnungszeiten des neuen Ladens am Vaihinger Markt 11 variieren und werden jeweils montags ausgehängt. In der Regel sollte geöffnet sein wie folgt: Montag und Donnerstag 9.30 bis 12.30 Uhr sowie 14 bis 18 Uhr. Samstags 9.30 bis 13 Uhr. In den Schulferien ist geschlossen.

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