Von Köln über Griechenland nach Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg): Vicky Lampidi arbeitet an ihrem Durchbruch – unterstützt unter anderem von einer lokalen Musiklegende.
„Vicky Lampidi könnte heute schon ganz oben mitspielen.“ Diese Überzeugung vertritt Hans Derer, Gründer und Geschäftsführer der 7us Mediagroup, einem Musikdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Winnenden. Er erinnert sich lebhaft daran, wer ihm die griechische Sängerin vorgestellt hat: die deutsch-amerikanische Rock- und Pop-Ikone aus der Region, David Hanselmann. Der habe ihm von seiner Neuentdeckung vorgeschwärmt, erinnert sich Derer – sie habe eine „Jahrhundertstimme“, soll Hanselmann gesagt haben. „So habe ich ihn zuvor noch nie reden hören“, sagt Derer. Das war vor mehr als drei Jahren.
Auch die in Kornwestheim lebende Vicky Lampidi erinnert sich an diese Zeit und sagt heute selbstkritisch, dass sie „diese Jahre nicht wirklich für meine Karriere genutzt habe“. Denn ihr Weg zum ersten Album – und vielleicht auch zum Popstar – war bislang von Höhen und Tiefen geprägt.
Zwischen Deutschland und Griechenland
Dabei sei eines sonnenklar, sagt Vicky Lampidi: Sie möchte eigentlich nichts anderes als singen. Schon als Einjährige habe sie sich selbst in den Schlaf gesungen, erzählt die 31-Jährige auf Englisch. Sie wurde in Köln als Tochter griechischer Eltern geboren und besuchte dort den Kindergarten. Doch vor ihrer Einschulung kehrte die Familie nach Griechenland zurück, wo sie aufwuchs. Viel von der deutschen Sprache hat sie vergessen, doch „Deutschland ist vom Gefühl her meine zweite Heimat“, betont die Sängerin.
Im persönlichen Gespräch wirkt Lampidi zugleich zielstrebig wie empfindsam und verletzlich. Vielleicht ist darin auch begründet, warum sie, als sie vor drei Jahren nach Deutschland kam, in der Musikbranche nicht so recht Fuß fassen konnte.
Und das, obwohl sie unter anderem mit David Hanselmann auftrat und er sie auch ins Studio brachte, um Aufnahmen mit ihr zu machen. Irgendwie jedoch passte es für Lampidi nicht. „Ich hatte nicht viel Vertrauen in mich selbst“, resümiert sie heute. Die Künstlerin weiß, dass sie hohe Ansprüche an sich selbst hat – ein zweifelnder Wesenszug begleitet sie im Alltag. „Vielleicht war damals auch das familiäre Beraterumfeld nicht förderlich“, mutmaßt Hans Derer, der sie mittlerweile auf ihrer Karriere begleitet.
Nach den ersten Gehversuchen im deutschen Musikbusiness, folgten bewegende Monate, in denen Lampidi immer wieder zwischen Griechenland und Deutschland pendelte und keinen wirklichen Halt fand. Dann starb auch noch ihre Großmutter, ihr wichtigster Halt in Griechenland: „Ich stand plötzlich ganz allein da.“
„Mein Onkel ließ mich an diesem Abend komplett ins kalte Wasser springen.“
Vicky Lampidi, über ihren Onkel und Gastronomen Panagiotis „Pana“ Cheraki
Mittlerweile ist sie zurück in Kornwestheim und arbeitet zielstrebig an ihrer Musik. Hans Derer weiß, dass er „behutsam am Start sein muss, denn Vertrauen spielt für die Sängerin eine große Rolle“. Mit ihrem neuen Produzententeam scheint das gut zu funktionieren. In Rodolpho Guzman Tenore hat Lampidi inzwischen „einen guten Freund und Songschreiber gefunden, der mich versteht, auf mich eingeht und Texte schreibt, die mit meinem Leben zu tun haben“. Diese Entwicklung gibt ihr die Basis, um erfolgreich zu arbeiten. „Wir haben inzwischen fast ein Album voll“, erzählt die Sängerin glücklich. Schon das Magazin Musix prophezeite ihr eine große Karriere und bezeichnete sie als „Griechenlands Antwort auf Amy Winehouse“. „Ich denke, spätestens bis Sommer erscheint das Album“, sagt Lampidi.
Hans Derer selbst hat die Sängerin das erste Mal im Marbacher Biergarten Bootshaus singen hören. Dort hilft die junge Frau hin und wieder ihrem Onkel und bekannten Gastronomen Panagiotis „Pana“ Cherakis. Hans Derer bezeichnet ihre Bühnenpräsenz als „großes Vergnügen“ und war schon damals im Bootshaus von ihrem Auftritt fasziniert: „Von ihrer Ausnahmestimme, ihrer Ausstrahlung und der Performance. Da ist so viel Grazie.“
Sehnsucht und Tiefgang
Für Lampidi, die über Jahre hinweg in zahlreichen Bars gesungen hatte – darunter auch in Spanien, wo sie „viele großartige und berühmte Musiker traf“ –, war der Auftritt im Bootshaus eine große Chance, die sie nun zu nutzen versteht. „Mein Onkel, der an jenem Abend eine Band engagiert hatte, ließ mich komplett ins kalte Wasser springen, indem er sagte: ‚Komm, sing heute Abend einen Song.‘“ Vicky Lampidi entschied sich für „Valerie“ von Amy Winehouse – einer Künstlerin, mit der sie nicht nur das Magazin Musix vergleicht.
Wer ihre Songs hört, die sich in einem Soul-, Pop- und R&B-Mix bewegen – mitunter singt sie auch auf Griechisch, was besonders berührend wirkt –, entdeckt viel Sehnsucht und Tiefgang, ja sogar etwas Verheißungsvolles in ihrer Stimme. Eine neue Liebe begleitet nun ihren Weg zum Erfolg: Mit ihrem Freund Angelo Katsanos, ebenfalls Musiker, veröffentlichte sie den Weihnachtssong „The Soul of Christmas“. Dieser bescherte ihr nicht nur einen TV-Auftritt sondern auch den überraschenden Sprung in die Amazon-Charts – noch vor Musiklegenden wie Cher.
Hintergrundinfos
Auftritte
Derzeit ist Vicky Lampidi vor allem in griechischen Bars der Region zu hören. Am 13. Februar hat sie einen Auftritt im Restaurant „Fachwerk“ in Winnenden.
Streaming
Die Sängerin aus der Region ist auf bekannten Streaming-Portalen zu hören – unter anderem auf Spotify. Dort bewegt sich die monatliche Hörerschaft mit rund 900 auf einem eher niedrigen Niveau.