Die Pollen des Haselstrauchs und anderer Pflanzen dämpfen die Freude an der Natur. Foto: dpa

Kaum lassen die ersten Sonnenstrahlen den Winter pausieren, beginnt für Heuschnupfengeplagte wieder die Leidenszeit. Was Allergiker jetzt wissen müssen.

Welche Pollen fliegen jetzt schon?

Etwas früher als sonst sind bereits Hasel und Erle in diesem Jahr unterwegs. Anfang Januar gab es vereinzelt Pollen in Baden-Württemberg, die dann Anfang Februar schon kontinuierlicher flogen. Durch milde Winter komme die Vegetation generell früher in die Gänge, so Andreas Matzarakis vom Deutschen Wetterdienst (DWD). In den tieferen Lagen des Südwestens verzeichnete das Zentrum Ende der vergangenen Woche schon eine mittlere Belastung mit Hasel-Pollen. Bei Erle stufte der Pollenflug-Gefahrenindex die Belastung als gering bis mittel ein. Angesichts von erwarteten Temperaturen bis 17 Grad könnten bald schon mehr Pollen unterwegs sein. Matzarakis verwies aber darauf, dass die Temperatur nicht allein entscheidend ist. Wann Pflanzen blühen, hänge von vielen Faktoren ab – etwa von Tageszeit, Wind, Strahlung oder Trockenheit. Anfang April erwarten die Meteorologen dann die Pollen der Birke. „Wenn es mild bleibt, kann es sein, dass sich das auch etwas nach vorne verschieben wird“, so Christina Endler vom DWD. Auch die Esche steht zeitgleich mit der Birke als nächstes an.

Wie sieht es in Baden-Württemberg aus?

Laut AOK Baden-Württemberg befanden sich 2017 knapp 200 000 Versicherte wegen Heuschnupfen in Behandlung. Besonders betroffen seien junge Menschen zwischen zehn und 24 Jahren und Erwachsene zwischen 40 und 49 Jahren. Bis zu einem Alter von 19 Jahren sind mehr Männer als Frauen betroffen, in den restlichen Altersgruppen dann mehr Frauen. „Allergien kann man inzwischen als Volkskrankheit bezeichnen. Jeder vierte Erwachsene sowie 15 Prozent der Kinder im Schulalter leiden bundesweit an einer Pollenallergie“, sagt Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.

Was können Betroffene tun?

Bei leichten Symptomen wie Laufen der Nase, Niesanfällen und Jucken der Augen sollte ein Antihistaminikum eingenommen werden, ein Medikament, das die allergische Reaktion reduziert. Wenn es sich nur um Symptome in der Nase handelt, empfehle sich ein antiallergisches Nasenspray oder ein kortisonhaltiges Nasenspray, so der Stuttgarter Hals-Nasen-Ohren-Arzt Jan Greving. Auch eine Nasendusche mit physiologischer Kochsalzlösung kann Allergikern kurzzeitig Abhilfe schaffen. Kommt Husten hinzu rät der Arzt zu einem Asthmaspray. Doch deutet dies schon auf eine stärkere Allergie hin. Betroffene sollten daher einen Allergologen aufsuchen. Eventuell sei auch eine Hyposensibilisierung hilfreich. „Heuschnupfen darf nicht als eine Banalität gesehen werden, sondern als eine schwere Erkrankung, die im schlechtesten Fall zum allergischen Asthma führen kann“, sagt Greving.

Sollte man lieber im Haus bleiben?

Pollenallergiker, die auf Frühblüher reagieren, sollten aber auch jetzt in die Natur: „17 Grad und Sonne haben nun einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Menschen“, sagte DWD-Experte Matzarakis. Das Frühlingslüftchen tue dem Gemüt gut und härte ab: „Auch mit gutem Wetter kann man den Körper trainieren.“ Nach Regenfällen ist die Pollenkonzentration in der Luft erheblich niedriger. Während eines Gewitters sollten Allergiker aber zu Hause bleiben: Platzende Pollen setzen feine Allergene frei, die in die Lunge gelangen können. Eine halbe Stunde bis Stunde nach starkem Regen können Allergiker dann aber ohne Sorgen an die frische Luft.

Was bringen Pollenfilter?

Fenster und Türen sollten in der Pollensaison möglichst geschlossen bleiben. Einen gewissen Schutz bieten Pollenfilter an den Fenstern. Nach Herstellerangaben halten sie bis zu 90 Prozent der Pollen fern. Viel Sicht hat man dann aber nicht mehr. Wer keine Filter hat, sollte abends lüften, sofern er auf dem Land wohnt, denn dann ist die Pollenkonzentration niedriger. In Städten sind dagegen am Morgen die wenigsten Pollen in der Luft. Generell sollten die Fenster möglichst bei Windstille geöffnet werden. Auch die Zeit während oder nach einem Regen ist ratsam. Geräte, die Staub aus der Luft filtern, sind nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes recht effektiv. Im Auto bietet oft ein Pollenfilter für Schutz. Dieser sollte einmal im Jahr gereinigt werden.

Worauf sollte man noch achten?

Vor dem Schlafengehen empfiehlt es sich zu duschen und die Haare zu waschen. Dadurch landen die Pollen im Abfluss und nicht auf dem Kissen oder der Bettdecke. Ähnlich ist es mit getragener Kleidung: Am besten vor dem Schlafzimmer ausziehen – sonst können die tagsüber eingesammelten Pollen für schlaflose Nächte sorgen. Wäsche, die während der Pollensaison draußen trocknet, bringt ebenfalls die unerwünschten Allergene in die eigenen vier Wände.

Wo kann man sich informieren?

Der DWD erstellt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst während der Pollenflugsaison Vorhersagen für die acht allergologisch wichtigsten Blütenpollen: Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia. Pollenallergiker können sich mit Apps über den aktuellen Pollenflug und die Blüte von Bäumen und Gräsern informieren. Der DWD und die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst bieten solche Apps kostenfrei an.

Wo gibt es weniger Pollen?

Wenn der Pollenkalender hierzulande überwiegend rot anzeigt, ist es Zeit für Berge und Meer. „Wer seine Allergie auslösenden Pollen kennt, kann abhängig von der Blütezeit, von landschaftlichen und klimatischen Verhältnissen die Regionen wählen, in denen diese Pollen noch nicht, nicht mehr oder nie fliegen“, heißt es bei der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID). Die Ostfriesischen Inseln sind das ideale Reiseziel für Pollenallergiker. Denn die jodhaltige Meeresluft wirkt auf gestresste Atemwege wie eine Dauerinhalation. Außerdem weht der Wind überwiegend vom Meer aus landeinwärts und Pollen haben kaum eine Chance. Wer allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann in den belasteten Monaten auf die Kanarischen Inseln ausweichen. Denn hier sind kaum Birkenpollen nachweisbar. Das Gleiche gilt für viele weitere deutsche Pollen. Das Heilklima des Allgäuer Kurortes Bad Hindelang ist gut für Allergiegeplagte – dank der Höhenlage ist die Luft frei von Hausstaubmilben und arm an Pollen.

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