Bei diesem Unfall musste eine Fußgängerin im Jahr 2013 ihr Leben lassen. Foto: Wolz

Die Statistik des Polizeireviers erreicht mit 2388 Kollisionen im Jahr 2013 einen unrühmlichen Rekord.

Fellbach - Fellbach müsste für Fahrzeugversicherungen eigentlich ein rotes Tuch sein. Denn so oft wie hier kracht es sonst nirgends im Rems-Murr-Kreis. Eine neue Entwicklung ist das nicht: Schon im vergangenen Jahr hat Revierleiter Klaus Auer die Kappelbergstadt als „Schrottplatz des Kreises“ bezeichnet. Und der Crash-Trend wird angesichts der Zahlen von 2013 noch getoppt: „Es gab so viele Unfälle wie noch nie in der Geschichte des Polizeireviers“, sagt der Polizeioberrat frustriert. Insgesamt 2388 Mal sind Verkehrsteilnehmer mit mehr oder weniger großen Blechschäden aneinandergeraten (siehe auch Hintergrund). Im Vergleich zu den 1631 Unfällen 2012 bedeutete das eine Zunahme von 46 Prozent.

Besonders bedauerlich: Zwei Personen verloren 2013 ihr Leben

Besonders bedauerlich in der jetzt vorgelegten Unfallstatistik ist, dass zwei Verkehrsteilnehmerinnen im vergangenen Jahr ihr Leben lassen mussten. Im einen Fall handelt es sich um eine 19-jährige Roller-Fahrerin, die im Mai aus ungeklärter Ursache auf der Bühlstraße in den Gegenverkehr geraten war. Im anderen Fall war es eine 83-jährige Fußgängerin, die im Oktober in der Stuttgarter Straße unter die Stadtbahn geraten ist.

Im Jahr 2012 hatte es glücklicherweise keine Verkehrstoten gegeben.

Angesichts dieser deprimierenden Zahlen kann der Revierleiter jedoch auch etwas Positives vermerken: „Es gab weniger Verletzte.“ Die Zahl der Schwerverletzten ist um knapp 16 Prozent auf 32 gesunken, bei den Leichtverletzten ging die Zahl von 224 im Jahr 2012 auf 211 zurück. Diesen Rückgang kann Klaus Auer mit verkehrstechnischen Abläufen begründen: „Bei uns ist die gefahrene Geschwindigkeit nicht so hoch. Das heißt, dass es bei einem Unfall nicht gleichzeitig auch Verletzte gibt.“

Sorgen bereiten der Polizei auch die Flüchtenden

Sorgen bereiten dem Polizeioberrat jedoch nicht nur die Verletzten, sondern auch die Flüchtenden: Die Zahl der Unfallfluchten steigt jedes Jahr. 529 Mal haben Verkehrsteilnehmer im vergangenen Jahr ihr Heil im Abhauen gesucht. „Das sind fast 1,5 Unfallfluchten täglich“, sagt Auer. 2012 waren es 495, das Jahr davor 408. Erfreulicherweise ist die Aufklärungsrate überproportional gestiegen: Während 2012 immerhin 144 Unfallfluchten geklärt werden konnten, waren es im vergangenen Jahr 195 Flüchtige, die erwischt wurden. Eine beachtliche Verbesserung um 35 Prozent.

In diesem Zusammenhang weist Klaus Auer auf die Bedeutung von aufmerksamen Bürgern hin. Denn oft hilft auch ein Anruf von einem zufälligen Beobachter, diese Straftat aufzuklären. „Wir sind auf die Mithilfe von Bürgern angewiesen“, sagt der Revierleiter, „denn manchmal gibt es für die Polizei einfach zu wenig Ermittlungsansätze.“ Wenn zum Beispiel keine Lackspuren oder sonstige Hinweise auf das Verursacher-Fahrzeug vorhanden sind. „Die Polizei ist dankbar für jeden Hinweis.“ Und nicht zuletzt kommen hilfreiche Beobachtungen auch den Geschädigten zugute, die sonst auf ihrem Schaden sitzen geblieben wären.

Hauptursache für Blechschäden ist ein zu geringer Abstand

Hauptursache für die vielen Blechschäden auf den Straßen in Fellbach und Kernen ist – wie schon in den vergangenen Jahren – ein zu geringer Abstand: 293 Mal haben Verkehrsteilnehmer 2013 zu spät gebremst. Immerhin: 2012 waren es noch 330. Auf Platz 2 in diesen Blechschaden-Charts liegen Vorfahrt-Verletzungen. Rechts vor links scheint bei 183 Auto- und Zweiradfahrerin nicht so präsent gewesen zu sein. Fast schon abgeschlagen – mit 113 Vorkommnissen – liegen Geschwindigkeitsverstöße auf Rang 3. Wobei Klaus Auer darauf hinweist, dass die Fahrer in diesen Fällen nicht unbedingt schneller als erlaubt unterwegs waren, sondern oft auch mit nicht angepasster Geschwindigkeit. Zum Beispiel bei Nebel, Regen oder Schnee.

Vollen Durchblick hatten dagegen die meisten Verkehrsteilnehmer, was Alkohol angeht: Die Zahl der promillebedingten Unfälle ist auf 17 gesunken. 2012 waren es 22 Fälle, 2011 noch 30. Diesen Rückgang führt der Revierleiter auch auf die regelmäßigen Verkehrs- und Alkoholkontrollen seiner Beamten zurück. Die im vergangenen Jahr auch noch 151 betrunkene und 43 bekiffte Fahrer erwischt haben, die nicht in Unfälle verwickelt waren.

Die Zahl der Fußgänger-Unfälle ging von 37 auf 21 zurück

Wesentlich weniger in Unfälle verstrickt waren auch Fußgänger: Diese Zahl ging von 37 im Jahr 2012 auf 21 zurück – einiger der wenigen positiven Aspekte der Verkehrsbilanz. Leicht zurückgegangen sind auch die Fahrradunfälle von 78 auf 67. Aber das kann auch am langen Winter gelegen haben.

Bedenklich wiederum findet Klaus Auer die Zunahme der Schulwegunfälle um 100 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass jeder schon einer zuviel ist, sind die 14 vom vergangenen Jahr nicht hinzunehmen. Deshalb erwägt das Revier auch entsprechende präventive Maßnahmen.

Präventiv beugt der Revierleiter auch schon mal etwaigen Beschwerden von Unfallbeteiligten vor. Denn angesichts der steten Zunahme von Unfällen und der genauso steten Abnahme von Beamten im Fellbacher Revier – fast 20 Prozent fehlen zur Sollstärke – können Konsequenzen nicht ausbleiben: „Die Bevölkerung muss sich auf längere Wartezeiten einstellen.“

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